Medaillenchancen für Simi noch intakt
Skiflug-WM: Titelverteidiger Hannawald führt - Ammann auf Platz 5
publiziert: Samstag, 9. Mrz 2002 / 14:26 Uhr / aktualisiert: Samstag, 9. Mrz 2002 / 14:46 Uhr

Harrachov (Tsch) - Simon Ammann besitzt nach dem ersten Tag der Skiflug-WM in Harrachov als Fünfter gute Aussichten auf eine Medaille. Deutlich vor seinem Teamkollegen Martin Schmitt in Führung liegt Titelverteidiger Sven Hannawald (De). Dritter ist Matti Hautamäki (Fi).

Sven Hannawald.
Sven Hannawald.
Mit 184,5 und 195,5 m, der drittgrössten Weite eines Schweizers überhaupt, hielt sich Doppel-Olympiasieger Simon Ammann bei schwierigen Bedingungen beachtlich. Er liegt als Fünfter nur gerade 8,3 Punkte hinter dem zweitplatzierten Martin Schmitt. Deshalb liegt eine Medaille für den Gymnasiasten sicher noch drin. Schon 28 Punkte voraus ist Hannawald, der mit zweimal 202 m als Einziger zweimal die ominöse Marke übertraf.

Pendel verkürzt

Der Skiflug-Neuling Ammann hatte aus dem Vortag gelernt und das Pendel, das hinten am Schuh fixiert ist, verkürzt. Der 20-jährige Toggenburger, der nach dem ersten Durchgang an siebter Stelle gelegen hatte, schuf keinen Höhenrekord mehr wie noch im Training. Auch weitenmässig kam er nicht auf die sehnlichst erhofften 200 m. Dazu waren im ersten Durchgang die Bedingungen mit Rückenwind nicht optimal genug. Zweimal musste «Simi» den Balken wieder verlassen, ehe er sich schliesslich nach rund fünf Minuten Wartezeit in den Anlauf stürzen konnte. «Mir sind die Füsse fast abgefault», sagte Ammann zur Warterei, «und dann war ich beim Absprung auch noch zu früh.»

Im zweiten Durchgang, als die Jury wieder etwas mehr Anlauf (2 Gates höher) gab, flog Ammann dann auf 195,5 m. Nur Andreas Küttel (196,5) und Sylvain Freiholz (196) sind schon weiter geflogen. «Ich verbessere mich zwar von Sprung zu Sprung», sagte Ammann nach seinem dritten Flug am Teufelsberg in Harrachov. «Aber ganz zufrieden bin ich nicht, denn es würde nur wenig mehr brauchen, um weiter zu fliegen. Ich will sicher mehr.» Heute (Sonntag) kann Simon Ammann, der im zweiten Durchgang davon profitiert hat, dass das Feld zusammegerückt ist, erneut angreifen.

Küttel ausgeschieden

Mit Glück schaffte Sylvain Freiholz im ersten Durchgang als 28. den Sprung unter die besten 30 und qualifizierte sich damit für die drei weiteren Umgänge. Der Waadtländer, der nach dem ersten Tag auf Rang 25 liegt, benötigte dazu einen Flug auf 151 m. Im zweiten Durchgang durfte der WM-Dritte von 1997 zweimal ran. Nach einem Hüpfer auf 113 m -- danach verlängerte die Jury den Anlauf -- schaffte er 156,5 m. «Es war kein Katastrophensprung, aber ich kam viel zu flach raus», sagte der Olympia-Sechste Andreas Küttel, der nach dem ersten Flug enttäuschender 36. war und in der Folge zuschauen musste. «Er hat nach dem Absprung zu wenig gemacht, alle kamen so flach heraus», kommentierte Nationaltrainer Berni Schödler den Sprung.

Eine wahre Tortur musste Sven Hannawald zweimal über sich ergehen lassen, bevor er springen konnte. Auf dem Lift, der ihn zum Turm brachte, wurde er vom zum Teil unfairen Publikum mit Schneebällen beworfen. «Das war unfair, was die hier geboten haben, ich wurde einige Male voll getroffen», sagte «Hanni», der nach dem Tourneesieg vor dem zweiten grossen Triumph in dieser Saison steht. «Trotzdem hatte ich zwei gute Sprünge, und ich hoffe, dass ich auch am Sonntag dieses schöne Fluggefühl geniessen kann», sagte der Deutsche. Am ehesten kann ihn wohl Martin Schmitt gefährden, der auf Weiten von 182 und 202 m kam. Der Skiflug-Weltcupsieger des Vorjahres hat durch Matti Hautamäki (202,5/182) und Veli-Matti Lindström (191/189,5) aber auch Druck von hinten.

Am zweiten Tag bekam das Publikum insgesamt sieben Flüge über 200 m zu sehen. Der weiteste gelang Matti Hautamäki im Probedurchgang, in dem er mit 214,5 m den Schanzenrekord seines Teamkollen Risto Jussilainen um zwei Meter verbesserte. In der Geschichte des Skifliegens gibt es nach dem ersten WM-Tag nun insgesamt 239 Flüge über 200 m.

(Kurt Henauer/sda)

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