Social-Media: Promi-Kinder gefährden Familien
publiziert: Montag, 27. Aug 2012 / 21:20 Uhr
Mette-Marits Sohn Marius Borg Hoiby hatte Fotos mit GPS-Koordinaten ins Internet gestellt: Ein Sicherheitsrisiko.
Mette-Marits Sohn Marius Borg Hoiby hatte Fotos mit GPS-Koordinaten ins Internet gestellt: Ein Sicherheitsrisiko.

Oslo - Die Sprösslinge wohlhabender Familien gefährden laut Sicherheitsbeauftragten durch unüberlegtes Teilen von Fotos auf sozialen Netzwerken die Sicherheit ihrer ganzen Familie. Beim Foto-Sharing via Mobiltelefonen werden Metadaten mitgeschickt, die eine Lokalisierung der User ermöglichen.

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Für wohlhabende Familien, die viel Geld ausgeben, um ihre Sicherheit zu gewährleisten, ist das ein Problem. Der jüngste Fall betrifft den 15-jährigen Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit. Der blaublütige Teenager hat 133 Fotos vom Familienurlaub und anderen Ereignissen über Instagram geteilt.

«Die Kinder wohlhabender Familien sind stark gefährdet. Für Angreifer sind soziale Medien ein guter Startpunkt, um sich Informationen zu beschaffen. Allerdings denke ich da weniger an die Geodaten. Entführer könnten die Profile eher nutzen, um herauszufinden wie die Kinder überhaupt aussehen, welche Interessen sie haben oder wer die Freunde sind. Im internationalen Geschäft, bei Hochrisiko-Familien, können die Ortskoordinaten für die Sicherheitskräfte Thema sein», sagt Markus Schwaiger, Ausbildungsleiter bei der Europäische Detektiv-Akademie.

Kein Einzelfall

Die Instagram-Fotos des jungen Marius Borg Hoiby, die komplett mit GPS-Koordinaten im Netz auftauchten, haben in Norwegen für einen kleinen Skandal gesorgt. Die Medienberichte über die angeblich sehr gefährliche Sicherheitslücke haben den Zorn der königlichen Familie auf sich gezogen. Ein norwegischer Experte bezeichnete den Fall in den Medien als Sicherheitsfiasko und warf den Sicherheitskräften der Royals vor, einen schlechten Job gemacht zu haben.

Daraufhin schickten Mette-Marit und ihr Gatte einen Brief an eine grosse Zeitung, in dem sie sich über die übertriebene Darstellung des Gefahrenpotenzials durch die Medien beschwerten. Trotzdem sind die Fotos mittlerweile nicht mehr online verfügbar, was darauf hinweist, dass die Informationen doch als sensibel eingestuft wurden. Diese Auffassung scheinen auch wohlhabende Familien aus den USA zu teilen. Die Social-Media-Accounts von Alexa Dell, der Tochter des Gründers von PC-Hersteller Dell, wurden kürzlich komplett vom Netz genommen, nachdem sie Familienfotos gepostet hatte.

Hoher Aufwand für Sicherheit

Die Familie Dell gibt angeblich beinahe drei Mio. Dollar jährlich für private Sicherheitskräfte aus. Die Bodyguards waren Berichten zufolge entsetzt als sie entdeckten, was ihre junge Schutzbefohlene online so alles von sich preisgibt. Auf Anwesung der Sicherheitsdienste wurden die Accounts von Alexa Dell deshalb vom Netz genommen, da das Risiko einer Entführung sonst zu hoch gewesen wäre. Die Bodyguards investieren viel Aufwand, damit der Aufenthaltsort ihrer Kunden nicht publik wird. Soziale Medien können diese Bemühungen in Sekunden zunichte machen.

«Die Eltern und Sicherheitskräfte müssen gefährdeten Kindern früh beibringen, dass sie sich an spezielle Spielregeln halten müssen. Das ist halt ein Leben im goldene Käfig», so Schwaiger.

Auf der Webseite der US-Armee erschien kürzlich ein Blogeintrag einer Mitarbeiterin mit dem Titel «Ist ein Foursquare-Badge wirklich ihr Leben wert». Darin argumentiert die Autorin, dass das ständige publik Machen des eigenen Standorts auch für Otto-Normalverbraucher riskant sein kann.

 

 

(fest/pte)

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