Zu wenig Personal
Sorge um Ebola-Ausbreitung in Lagos
publiziert: Samstag, 9. Aug 2014 / 16:37 Uhr / aktualisiert: Samstag, 9. Aug 2014 / 19:26 Uhr
Die Nigerianer machen sich grosse Sorgen um die Ebola-Epidemie.
Die Nigerianer machen sich grosse Sorgen um die Ebola-Epidemie.

Montréal - Nach der Ausrufung des nationalen Notstands in Nigeria wächst die Sorge um eine Ausbreitung der Ebola-Epidemie in der 20-Millionen-Metropole Lagos. Die nigerianischen Behörden baten am Samstag in einem im Fernsehen ausgestrahlten Appell Freiwillige um Hilfe.

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«Wir haben zu wenig Personal. Ich werde Sie darüber nicht belügen», sagte der Gesundheitsbeauftragte des Bundesstaates Lagos, Jide Idris. Deshalb müssten die Behörden um die Hilfe von Freiwilligen bitten. Im Gegenzug stellte Idris Anreize für die Helfer in Aussicht, darunter eine Lebensversicherung.

Zuvor hatte Präsident Goodluck Jonathan den nationalen Notstand ausgerufen. Der Präsident kündigte an, als Sofortmassnahme umgerechnet 10,4 Millionen Franken für den Kampf gegen die Krankheit bereitzustellen.

Kontrollen an den Grenzen

Geplant sind unter anderem die Einrichtung zusätzlicher Quarantänestationen sowie Kontrollen an den Grenzen. Nach Guinea, Liberia und Sierra Leone war Nigeria das vierte Land in Westafrika, wo sich das Virus ausbreitete. Von bisher neun Infizierten sind zwei gestorben.

«Wir sind wirklich besorgt um Lagos und eine mögliche Ausbreitung dort», sagte der Sprecher der US-Gesundheitsbehörde CDC, Tom Skinner, am Freitag (Ortszeit). Demnach entsandte das Center for Disease Control and Prevention (CDC) zusätzliches Personal nach Lagos. Insgesamt seien bereits 200 CDC-Experten in den Ebola-Gebieten im Einsatz.

Bei einer Anhörung vor einem Unterausschuss des US-Abgeordnetenhauses sagte Ken Isaacs von der christlichen Hilfsorganisation Samaritan's Purse, die Situation in Lagos drohe sich zu verschlechtern. «Es wird für drei Wochen ruhig bleiben, aber wenn es losgeht, dann mit Wucht», sagte Isaacs. Die Inkubationszeit von Ebola, die Zeit zwischen Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit, beträgt 21 Tage.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Ebola-Epidemie in Westafrika am Freitag zum internationalen Gesundheitsnotfall erklärt. Die Epidemie lasse sich nur mit Hilfe einer weltweiten Mobilisierung bekämpfen, warnte WHO-Chefin Margaret Chan nach einer Krisensitzung von Experten.

Fast 1000 Tote

Es ist das dritte Mal, dass die WHO einen derartigen Notfall ausruft. Nach WHO-Angaben starben bisher mehr als 961 Menschen an dem durch Körperflüssigkeiten übertragenen Erreger, fast 1800 Menschen infizierten sich.

In Liberia wurde der Zugang zu den besonders betroffenen Gebieten im Norden gesperrt. Der Senator der Provinz Bomi, Sando Johnson, sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AFP, die Armee habe Bomi komplett abgeriegelt. Nun droht Lebensmittelknappheit, weil die Preise wegen der Quarantäne in die Höhe schnellen.

Guinea schloss seine Grenzen zu Sierra Leone und Liberia, um die Ausbreitung der Ebola-Epidemie zu stoppen. Die Massnahme sei in Absprache mit den beiden Nachbarstaaten ergriffen worden, erklärte die Regierung in Conakry am Samstag.

Unterdessen kündigte auch das im südlichen Afrika gelegene Sambia Reisebeschränkungen wegen Ebola an. Menschen aus Ländern, in denen Ebola ausgebrochen sei, dürften nicht mehr nach Sambia einreisen. Staatsbürgern Sambias sei zudem die Reise in solche Länder verboten, teilte das Gesundheitsministerium in Lusaka mit.

US-Arzt geht es besser

Dem US-Arzt Kent Brantly, der sich in Liberia mit Ebola infiziert hatte und in die USA ausgeflogen worden war, geht es indes wieder deutlich besser. «Ich fühle mich jeden Tag ein bisschen stärker», erklärte Brantly in einer von seiner christlichen Hilfsorganisation verbreiteten Stellungnahme am Freitag. Er hatte das zuvor lediglich an Affen getestete, experimentelle Mittel «Zmapp» erhalten.

In Kanada wurde am Freitag (Ortszeit) ein Nigeria-Rückkehrer mit Ebola-Symptomen unter Quarantäne gestellt. Der Mann habe sich mit Fieber und anderen Symptomen in eine Notaufnahme eines Spitals in einem Vorort von Toronto begeben, teilte die Klinik mit.

Für Ebola existiert weder ein zugelassenes Gegenmittel noch eine Impfung. Die Virusinfektion, die mit schwerem Fieber und Blutungen einhergeht, wird über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragen, verläuft sehr schnell und endet in den meisten Fällen tödlich.

(bg/sda)

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