Klassische Medien auf dem Prüfstand
Soziale Medien machen Bürger zur «fünften Gewalt»
publiziert: Dienstag, 12. Nov 2013 / 14:30 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 12. Nov 2013 / 15:36 Uhr
Intransparenz und Versagen: Klassische Medien auf dem Prüfstand. (Archivbild)
Intransparenz und Versagen: Klassische Medien auf dem Prüfstand. (Archivbild)

Wien - Während Medien gemeinhin als das wichtigstes Kontrollorgan für Politik und Wirtschaft gelten, rückt die Frage nach dem Umgang mit Missständen innerhalb der Medienbranche selbst immer weiter in den Brennpunkt des öffentlichen Interesses.

5 Meldungen im Zusammenhang
Mithilfe der neu geschaffenen Möglichkeiten in der Welt des Web 2.0 und seinen partizipativen Elementen schlüpfen zunehmend Bürger in die Rolle der «fünften Gewalt» und klopfen der Presse bei Intransparenz und Versagen auf die Finger.

Soziale Medien dienen dabei als Instrument, um auf Missstände öffentlich und breitenwirksam aufmerksam zu machen. Im Rahmen einer Veranstaltung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit dem Medienhaus Wien sind Experten diesem Phänomen nachgegangen.

Leserkritik aus dem Web 2.0

Unter dem Motto «Journalisten im Twitter-Gewitter: Der Bürger als neue 'fünfte Gewalt'» hat Susanne Fengler, Leiterin des Brost-Instituts für internationalen Journalismus die Ergebnisse des EU-Forschungsprojekts «Media Accountability and Transparency Europe» vorgestellt. Die Studie hat sich der wandelnden Herausforderungen bei der Kontrolle von Medien in 14 verschiedenen Ländern angenommen.

Eine der zentralsten Erkenntnisse ist in diesem Zusammenhang, dass Journalisten mittlerweile zum überwiegenden Teil mit Leserkritik über soziale Medien konfrontiert werden. Kritik von Kollegen kommt hingegen nur selten. Vor allem in Deutschlands Redaktionsstuben mangelt es an Selbstkritik.

Kritik an Wirtschaftsberichterstattung

Fengler benutzt in dieser Debatte den Begriff «Media Accountability» und meint damit einerseits die Medienselbstkontrolle durch Presseräte, Ombudsleute und Redaktionsrichtlinien, andererseits aber auch die zur Verfügung stehenden partizipativen Instrumente wie Blogs, Foren und Social Media.

Gegenüber pressetext unterstreicht sie die Notwendigkeit einer effektiven Medienkontrolle anhand des Abhörskandals rund um das ehemalige Murdoch-Blatt «News of the World» und der ihrer Meinung nach unausgewogenen Berichterstattung der hiesigen Medien bei der Affäre Wulff und der Eurokrise. Bei Letzterer sieht sie ein «doppeltes Versagen». «Wir haben ein Kompetenzproblem bei Wirtschaftsjournalisten», so Fengler gegenüber pressetext. Hinzu komme, dass vor Ausbruch der Schuldenkrise in Griechenland keine einzige deutsche Zeitung einen festen Korrespondenten in Athen hatte.

Hitler-Tagebücher noch in Erinnerung

Auch stellt sich laut der Fachfrau die Frage danach, ob Medien eigentlich überhaupt noch die Rolle der «vierten Gewalt» adäquat ausfüllen. In der Zeit des Medienumbruchs mit dem Internet als Artikulations- und Mobilisierungsplattform gewinnt das Publikum immer mehr an Bedeutung. Leser geben Feedback, kritisieren Parteinahme oder prangern Missstände bei journalistischen Methoden an.

Eindrückliche historische Beispiele für grobe Verfehlungen sind etwa die gefälschten Hitler-Tagebücher oder das Geiseldrama von Gladbeck. Durch das World Wide Web fungiert der partizipierende Medienkonsument nun allerdings vielmehr als Korrektiv der «vierten Gewalt».

 

 

(tafi/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Anmeldung zum Service bleibt aber unnötig umständlich. (Archivbild)
London/Wien - Twitter Alerts ist ... mehr lesen
Vaynerchuk setzt auf schlechtes Gewissen der Menschen. (Symbolbild)
New York - Social-Media-Marketing-Experte Gary Vaynerchuk lädt einmal in der Woche rund eine Mio. Menschen auf Twitter dazu ein, ihn um einen Gefallen oder Hilfe zu bitten. Bekommt er ... mehr lesen
Facebook Johannesburg - Nachdem Facebook das meistverwendete soziale Netzwerk mit über 1,5 Milliarden Nutzern weltweit ist, wundert es nicht, dass dem Auftritt von Firmen auf sozialen Plattformen eine immer grössere Bedeutung zukommt. In einem Artikel im Business 2 Community Forum nennt der Journalist Agnipravo Sengupta sieben Gründe, warum die Präsenz in sozialen Netzwerken für die heutige Geschäftswelt ein Segen ist. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Kein Erfolg wegen fehlendem Domainnamen? Google Plus
Kein Erfolg wegen fehlendem Domainnamen? ...
Der passende Domainname fehlte  Nach einem grösseren Datenleck beim erfolglosen Social Media Projekt Google Plus zieht Google den Stecker. Die Gelegenheit scheint günstig diesen überfälligen Schritt zu vollziehen. Die Übermacht von Facebook, zusammen mit Schwesterprojekten wie Instagram und WhatsApp, war zu gross und etwas entscheidendes, bisher wenig beachtetes, fehlte zudem... eine eigene Domain. mehr lesen 
Katy Perry hat 89 Millionen Follower.
Unbekannter Song veröffentlicht  Katy Perry (31) wurde Opfer eines Internet-Hackers, der ihre Twitter-Seite in Besitz nahm und einen unveröffentlichten Song leakte. mehr lesen  
200'00 Tweets in drei Wochen  Auch wenn der Twitter-CEO Dick Costello 2015 bereits angekündigt hat, frauenfeindlichen Tweets auf seiner Plattform den Kampf anzusagen, fällt der Erfolg dieser Massnahmen bislang eher spärlich aus. Das zeigt eine aktuelle Studie des britischen Think-Tanks Demos. mehr lesen  
DIGITAL LIFESTYLE: OFT GELESEN
.
eGadgets news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 16°C 34°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 17°C 35°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 17°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 16°C 34°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 17°C 33°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 20°C 33°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 21°C 32°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten