Spannende Parlamentswahlen - Berlusconi oder Veltroni?
publiziert: Montag, 14. Apr 2008 / 07:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Apr 2008 / 07:21 Uhr

Rom - Stunden der Entscheidung für Rom: Nach einem wenig mitreissenden Wahlkampf bestimmen die Italiener seit Sonntag, ob Oppositionschef Silvio Berlusconi wieder an die Macht kommt oder der frühere römische Bürgermeister Walter Veltroni.

Die Entscheidung zwischen Berlusconi (l.) und Veltroni dürfte knapp ausfallen.
Die Entscheidung zwischen Berlusconi (l.) und Veltroni dürfte knapp ausfallen.
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Experten rechnen bei der Parlamentsneuwahl mit einem knappen Ergebnis im Senat, der zweiten Kammer. Prognosen soll es am Montag nach Schliessung der über 61 000 Wahllokale um 15.00 Uhr geben. Insgesamt geht es um 630 Sitze in der Abgeordnetenkammer und 315 Sitze im Senat.

Angesichts des komplizierten Wahlrechts und 32 Bewerbern um das Amt des Regierungschefs war ungewiss, ob einer der Favoriten eine klare Mehrheit erringen würde.

Um regieren zu können, wäre Berlusconi mit seinem Bündnis «Popolo della Liberta» (Volk der Freiheit) ebenso wie Veltroni, der für die Demokratische Partei (PD) antrat, auf eine Mehrheit in beiden Kammern angewiesen.

Berlusconi Favorit

Zuletzt hatte der 71-jährige Berlusconi bei Umfragen mit bis zu acht Prozent vorn gelegen, jedoch durften seit zwei Wochen keine Befragungen mehr veröffentlicht werden. Beide Kandidaten hatten im Wahlkampf Steuersenkungen versprochen und über die Parteienvielzahl geklagt.

Der konservative Medienzar und Milliardär Berlusconi, der nach 1994 und 2001 wieder an die Regierung will, musste sich in Mailand einen Weg durch die Schar der Neugierigen, Medienvertreter und Anhänger zum Wahllokal bahnen. Eine Anhängerin rief «Silvio, rette uns!». Drinnen küsste er ein Kleinkind.

Lässig, ohne Krawatte, stellte sich Veltroni vor seinem Wahllokal in Rom Fotografen und TV-Kameras. Der 52-Jährige wartete geduldig in einer langen Schlange. «Ich hoffe, es läuft gut», war sein einziger Kommentar.

Niedrige Wahlbeteiligung

Zu den Wahlen aufgerufen sind 50 Millionen Italiener, wobei mehr als zweieinhalb Millionen Auslandsitaliener bereits abstimmen konnten. Darunter sind rund 375'000 Italiener und Italienerinnen in der Schweiz.

Am Sonntagabend zeichnete sich eine niedrigere Wahlbeteiligung ab vor zwei Jahren. Bis zur Schliessung der Wahllokale um 22.00 Uhr waren nach Angaben des Innenministeriums rund 63 Prozent der Italiener zu den Urnen gegangen. Das waren etwa vier Prozentpunkte weniger als bei den letzten Parlamentswahlen 2006.

Beobachter hatten wegen der weit verbreiteten Politikverdrossenheit mit einer niedrigern Wahlbeteiligung gerechnet. In Umfragen hatte jeder Dritte gesagt, er wisse noch nicht, wen er wählen solle oder ob er abstimmen werde.

Vor zwei Jahren gingen 83,6 Prozent der Wahlberechtigten an den beiden Wahltagen abstimmen und sorgten für das knappste Ergebnis in der jüngeren Geschichte Italiens.

Geben Auslandsitaliener den Ausschlag?

Auch unter den Auslandsitalienern sank die Wahlbeteiligung - in der Schweiz sogar stärker als anderswo. 47,32 Prozent der Italiener in der Schweiz gaben ihre Stimme ab; vor zwei Jahren waren es noch 50,45 Prozent gewesen.

Die Stimmen der Auslandsitaliener werden erst nach Schliessung der Wahllokale gezählt. Vor zwei Jahren hatten unter anderem diese den Ausschlag für den knappen Sieg von Mitte-Links gegeben.

Gleichzeitig mit den Parlamentswahlen stehen in 423 Städten Italiens Kommunalwahlen an, darunter in Rom. Ausserdem gibt es Urnengänge in neun Provinzen sowie in den Regionen Friaul-Julisch-Venetien und Sizilien.

(fest/sda)

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