Spazieren für eine bessere Welt
publiziert: Montag, 16. Mai 2016 / 15:58 Uhr
Abendspaziergang.
Abendspaziergang.

Nichts geht über einen ausgedehnten Spaziergang. Auf dem ältesten Fortbewegungsmittel der Menschheit - den Beinen - wird die Welt zu einer besseren.

Es ist in der modernen Gesellschaft kaum möglich sich eine Stunde lang von ihr zu lösen. Entschuldigt ist nur, wenn es um Leistungssport geht oder wenigstens ästhetisch motiviertes Training. Aber einfach eine Stunde lang vor sich hin bummeln und dabei immer wieder stehen bleiben, macht doch niemand, der einen Job hat. Wer hat heute schon Zeit eine Stunde zu «verplempern».

Man braucht schon einen plausiblen Grund für einen Spaziergang - meiner heisst Snoopy. Er muss wie jeder Hund mehrmals täglich raus und braucht als Beagle viel Auslauf. Was für Nicht-Hündeler stressig tönt, ist in Tat und Wahrheit die allerbeste Entspannung.

Wann hat man schon einen Moment in aller Ruhe seinen Gedanken nachzuhängen - besonders den sinnlosen. Oder sich ausgiebig die Details dieser 4D-Welt in Ultra HD anzusehen: von der Musterung der Weinbergschnecken-Häuser, den Farben der Magerwiesenblumen oder dem Geruch von Trockenmauern.

Ein Spaziergang verändert alles. Die Sicht auf Dinge, die einem beschäftigen, ja sogar den Blick auf die Welt. Wer die Realität nur auf einem Bildschirm sieht, wird feststellen wie beschränkt dieser  ist. Die Welt da draussen ist eine andere - eine bessere. Mal ist sie ein Bach, dann ein Wald, mal ein Wiese, dann ein Rebberg. Und dennoch ist sie stets die gleiche; egal, wie tief der Euro zum Franken steht oder welche Sau von den Boulevardmedien durch die Gassen getrieben wird.

Ein Spaziergang löst innere Blockaden und relativiert Alltagsängste - mit jedem Schritt verlieren die kleinen Sorgen an Bedeutung, mit jedem Meter kommt man der Lösung eines Problems näher.

Je länger spaziert wird - so nach einer halben Stunde - tragen einem seine Beine als würde man schweben. Dabei werden Glückshormone ausgeschüttet, die einem debil grinsen lassen. An dieser Stelle gäbe es noch viele weitere gesundheitliche Vorteile wie bessere Abwehrkräfte, Kreislauf, Vitamin B, etc. aufzulisten, die ein Spaziergang mit sich bringen; aber das sind nur angenehme Nebenwirkungen.

Ohne Hund hätte ich meine Nachbarschaft nie erkundet - heute kenne ich fast jeden Winkel im Umkreis von fünf Kilometern. Dabei lernt man andere Hündeler kennen, mit denen man über das Wetter redet, während die Hunde miteinander spielen oder sich anknurren. Denn Wetter ist das einzige, was die echte Welt immer hat und jeder Hündeler ausgesetzt ist als sei man selbst ein Teil dieser Natur - zumindest für eine Stunde.

(Jürg Zentner/news.ch)

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