Spielwarenhändler brauchen starke Nerven
publiziert: Donnerstag, 7. Dez 2006 / 12:43 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 7. Dez 2006 / 13:11 Uhr

Bern - Mit der Adventszeit starten die Spielwarenhändler in die heisse Phase des Weihnachtsgeschäfts. Sie haben kein leichtes Spiel: Die Branche ist im Umbruch, viele Kunden kaufen erst in letzter Minute und der diesjährige Renner Lego hat Lieferengpässe.

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«Unsere Lego-Gestelle sehen furchtbar aus», sagt Markus Sägesser, Inhaber des Fachgeschäfts «spiel-gut» in Zofingen und Präsident des Verbands Schweizerischer Spielwarendetaillisten (VSSD).

Der dänische Spielwarenkonzern Lego ist nach dramatischen Krisenjahren zum Opfer des eigenen Erfolgs geworden: Ende Oktober musste Lego Lieferengpässe bekannt geben. Laut Sägesser kann der Lego-Konzern, der in der Schweiz keine Distribution mehr hat, 80 Prozent des Sortiments nicht mehr vor Weihnachten liefern.

Hightech für Buben und Väter

So wird unter vielen Weihnachtsbäumen etwa das Hightech-Teil Mindstorms NXT fehlen. Ein System, dass den guten alten Legosteinen modernste Robotertechnik einhaucht und sich mit Handy oder Computer über Bluetooth fernsteuern lässt.

Etwas Entwarnung gibt Marktführerin Migros, die mit Manor und Coop rund 50 Prozent des Spielwarenmarktes abdeckt. Bei Manor spüre man bei den Top-Produkten indes die Lieferengpässe. Coop schreibt auf Anfrage, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es in Ausnahmefällen zu einem Engpass kommen könne.

Neben Lego sorgt die Schweizer Innovation Kiditech für frischen Wind bei Spielwaren in der Sparte Konstruktion. Dabei können Kinder aus Kunststoffbauteilen, Schrauben, Muttern und Clips Möbel oder Fahrzeuge kreieren, auf die sie sich sogar setzen können.

Kiditec hatte einen sehr guten Start, wie Peter Gygax, Präsident des Schweizer Spielwaren Verbands (SVS), erklärt. Ganz oben auf den Wunschlisten stehen zudem Playmobil, ferngesteuerte Fahr- und Flugzeuge oder die Carrera-Rennbahn. Als Flops erweisen sich Puppen und Plüschtiere.

Grassierendes Spielvirus

In der Elektronik gilt Nintendo als Abräumer der Saison. Mit der neuen Spielkonsole Wii rückt der Mensch ins Zentrum des Games: Seine Bewegungen werden über die Fernsteuerung auf den Computer übertragen. So kann man wie im richtigen Leben Tennis oder Golf spielen.

Auch traditionelle Spiele und Puzzles laufen gut. Bei Kindern sind es etwa Piraten- oder Lernspiele, während die Erwachsenen Poker für sich entdeckt haben: Inspiriert von den TV-Übertragungen grosser Turniere kaufen sie nicht nur Karten und Chips, sondern auch Mischmaschinen und den passenden Pokertisch.

Warmes Wetter verdirbt Kauflaune

Richtig durchgestartet ist das Weihnachtsgeschäft - wo die Branche rund die Hälfte ihres Jahresumsatzes generiert - indes noch nicht. Das warme Novemberwetter drückte auf die Festtags- und Konsumstimmung.

Zudem schlagen die Kunden vermehrt erst in letzter Minute zu. «Alles fokussiert sich auf die letzte Woche vor Weihnachten, das ist ein Trend, und der ist brutal», sagt Gygax nach.

Der SVS-Präsident rechnet damit, dass die letztjährigen Umsätze erreicht oder um 1 bis maximal 2 Prozent übertroffen werden. 2005 betrug der Branchenumsatz 535 Mio. Franken, davon 160 Mio. Franken mit elektronischen Spielen.

Fachhandel: Zwang zur Nische

«Klassische Spielwaren spüren immer stärker die Konkurrenz aus der Elektronik», sagt Sägesser. Die Elektronik schaffe aber auch immer wieder neue Spieler, relativiert Gygax. Der traditionelle Spielemarkt wachse ebenfalls.

Gleichzeitig ist die Spielwarenbranche mit grossen Umwälzungen konfrontiert: Es gibt immer weniger, dafür grössere Hersteller. Auch bei den Händlern ist die Konzentration in vollem Gang, wie der Verkauf des Traditionshauses Franz Carl Weber an die französische Ludendo-Gruppe illustriert.

Die Chancen für den Fachhandel seien dennoch intakt, sagt Gygax. Dieser müsse sich spezialisieren und eine hochstehende Beratung bieten. Kein leichter Weg, das weiss auch Gygax: «Es ist ein anspruchsvoller Job und man spielt gegen Giganten.»

(Matthias Kägi/sda)

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