Spitäler gegen Umsetzung der Fallpauschalen
Spitäler verweigern Weitergabe von Patientendaten
publiziert: Montag, 15. Aug 2011 / 14:26 Uhr / aktualisiert: Montag, 15. Aug 2011 / 18:46 Uhr
Umstrittene Übermittlung von Patientendaten.
Umstrittene Übermittlung von Patientendaten.

Bern - Die Schweizer Spitäler lehnen die Umsetzung des neuen Fallpauschalen-Systems ab. Sie wehren sich vor allem dagegen, dass sie ab nächstem Jahr alle Patientendaten und Angaben zu Diagnosen an die Krankenkassen übermitteln müssten.

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Diese Regelung ist Teil einer Vereinbarung zwischen dem Spitalverband H+ und den Krankenkassen. Mit dieser hätte das Fallpauschalen-System ab 2012 umgesetzt werden sollen. Die anderen Punkte der Einigung waren ebenfalls umstritten. Auch die Abgeltung der Investitionskosten sei von vielen Spitälern als zu wenig hoch eingestuft worden, schreibt H+ in einer Mitteilung vom Montag.

Das Fallpauschalen-System soll Anfang 2012 im Rahmen der neuen Spitalfinanzierung eingeführt werden. Die wichtigste Änderung für die Spitäler besteht darin, dass sie nicht mehr nach erbrachter Leistung, sondern pauschal pro Diagnose entschädigt werden.

Davon erhofft man sich eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den Spitälern. Dass die Kosten deswegen sinken, glaubt niemand mehr so recht. Inzwischen sieht es im Gegenteil danach aus, dass die Einführung der Fallpauschalen zu einem Kostenschub führt wird.

Viele offene Fragen

Patientenorganisationen und Ärztekreise befürchten zudem, dass die Qualität der medizinischen Leistungen sinken könnte. Die höchsten Wellen hatte aber der Zwist rund um die Übermittlung von Patientendaten geworfen.

Es dürfte vor allem die Einigung in dieser Frage gewesen sein, welche die Vereinbarung zwischen Spitälern und Krankenkassen zu Fall gebracht hat. Sie sah vor, dass in der Regel alle Informationen an die Krankenkassen weitergeleitet werden müssen - also auch sämtliche Diagnosen und Nebendiagnosen.

Ausverkauf des Arztgeheimnisses

Der Patient hätte verlangen können, dass die Daten stattdessen an den Vertrauensarzt der Kasse geschickt werden. Mit dieser Regelung sah H+ den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte gewahrt.

Der Ärzteverband FMH dagegen sprach von einem "Ausverkauf des Arztgeheimnisses", die Stiftung SPO Patientenschutz sah den "gläsernen Patienten" Realität werden. Beide Organisationen werfen den Krankenkassen vor, die Daten nicht zur Rechnungskontrolle, sondern zur besseren Risikoselektion missbrauchen zu wollen.

Burkhalter greift ein

Um zu verhindern, dass nun jedes Spital einzeln mit den Krankenkassen verhandelt, will Gesundheitsminister Didier Burkhalter die noch ausstehenden Regelungen per Verordnung einheitlich festlegen. Dies sagte sein Sprecher Jean-Marc Crevoisier der Nachrichtenagentur sda. Dasselbe fordern auch Versicherungen und Kantone.

 

(fest/sda)

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Sklaven der Versicherung
Guter Beitrag Keinschaf, schliesslich war am Anfang das Risiko Teil des Geschäfts bei den Versicherungen. Wenn nun jedoch zunehmend alle möglichen Schadenfälle ausgeschalten werden, dann können wir auch wieder ganz darauf verzichten. Peinlich sind in diesem Zusammenhang denn auch die Milliadengewinne der Pharmariesen und die exorbitanten Bezüge der Spezialärzte. Da sollte das Arztgeheimnis das Letzte sein, was angetastet werden darf. Es ist gut, das die Spitäler als Praktiker der Santésuisse mal auf die Finger klopfen. Im Parlament müsste auch unbedingt eine Deklaration erfolgen, wer mit diesem Industriezweig wie verknüpft ist.
So einen Seich
habe ich noch selten gelesen. Erklären Sie mir doch bitte einmal, wozu eine Versicherung ärztliche Diagnosen zur Auswertung benötigt, was genau damit geschieht und wieso das zu günstigeren Preisen führen sollte. Sie plappern einfach den Unsinn wieder, den die Gesundheitsmafia verzapft.

Eine weitere Frage ist die, wer eigentlich auf die hirnrissige Idee gekommen ist, eine obligatorische Versicherung zur Alleinrichterin über Gut und Böse, bzw. über Behandlung und Kosten zu erklären...
Es wäre etwas anderes, wenn diese Versicherungen nicht obligatorisch wären. Aber so ist jeder gezwungen, zu bezahlen, was die verlangen. Eine Kostentransparenz der Versicherer selbst wäre ein "mit gutem Beispiel vorangehen". Sollen die Kassen doch einmal offen legen, wieviel von meiner Prämie für Werbung draufgeht, wieviel für die tausende von Privatdetektiven und Bürogummis, die Anträge bearbeiten und Versicherungs-"Modelle" entwerfen, dem Teufel ein Ohr ab. Dieser Apparat hätte bestimmt grosses Einsparpotential - aber eben, man hat ja keine Alternative, da durch dieses unsäglich Obligatorium die Kassen bzw. die gesamte Gesundheitsmafia, bestehend aus Kassen, Pharmariesen und Departement mit Willensvollstrecker Burkhalter praktisch freie Hand haben, den Bürger auszunehmen wie eine Weihnachtsgans und ihm dann auch noch zynisch den kleinen Finger zur vermeintlichen Kostensenkung ausstreckt, die in Wirklichkeit nur zu Mehrkosten und gläsernem Patient führt.

Wenn ich krank bin, suche ich allenfalls einen Arzt auf. Das Verhältnis zwischen Arzt und Patient ist nicht einfach ein simples Vertragsverhältnis, wie wenn Sie einen Kaufvertrag unterschreiben. Da gibt man unter Umständen sehr viel Privates preis, das ist ein ähnliches Vertrauensverhältnis, wie wenn Sie Ihre Steuererklärung vom Treuhänder ausfüllen lassen.
Ich möchte ja mal hören, was Sie zum Vorschlag meinen, man sollte sämtliche privaten Daten, die Sie Ihrem Treuhänder übergeben, zentral sammeln, weil dadurch auf irgendwelche geheimnisvolle und nicht näher erklärte Weise die Preise sinken sollen. Das halte ich schon für gewaltig bescheuert.
Genauso übrigens die Furzidee, dass Computerprogramme der Versicherungen künftig über Behandlung und Kosten entscheiden sollen.

Und man muss ja schon selten naiv sein, wenn man glaubt, dass nicht die Pharmariesen im Hintergrund die Fäden ziehen und das grosse Geld einsacken. Das erinnert mich an Disneyland.
Datenschutz ist etwas vom teuersten überhaupt
Während es richtig ist, dass bei der Pharma gespart werden könnte, so ist es aber auch so, dass dieser so genannte Datenschutz ein Vermögen kostet. Grund ist einfach der, dass dadurch das Sammeln und Vergleichen von Daten im grossen Mass (und das auch auf anonymer Basis) schlicht verhindert wird.

Der Nutzen von diesem sogenannten Datenschutz sehe ich eh nicht ein. Aber Kostentransparenz kann nur erreicht werden, wenn diese Daten zur Verfügung gestellt werden. Ohne die Fallpauschale und zusätzlicher Kostentransparenz werden diese Kosten weiter in die Höhe gehen, aber es gilt halt wie immer der alte Spruch: "mi cha nid de Föifer und s Weggli ha". Und offensichtlich wollen die meisten lieber Datenschutz und hohe Kosten. Aber es sollen nicht immer alle jammern, wenn diese Kosten in die Höhe gehen. Und die Kosten bei der Pharma sind bei weitem nicht der Hauptgrund für die explodierenden Gesundheitskosten.
2 x Bravo
Rettet das Arztgeheimnis im Interesse einer guten Behandlung.
Departement
Solange das Gesundheitswesen bei der FDP ist werden die Kosten weiter explodieren wegen so schwachsinnigen Ideen wie der Pauschale pro Diagnose.
Auch Burkhalter scheint nicht belehrbar zu sein wie schon Könisch Couchepin.
Sonst würde er staatsmännisch eingestehen, dass man diesen Furz wieder fallen lassen sollte, weil es am Ende nämlich zu MEHR Kosten führen wird.

Die FDP ist nun wirklich die letzte Partei die das Gesundheitswesen in den Griff bekommen kann. Der politische Wille fehlt komplett die Pharma endlich dazu zu zwingen, die Preise anzupassen.
Wir reden hier von MILLIARDEN Einsparungen. Auch hier wird der Schweizer endlos abgezockt.
Bravo....
Sehr begrüssenswert, dass sich die Spitäler, bzw. die Mediziner gegen einen Ausverkauf des Arztgeheimnisses wehren!

Die Sache mit den "Vertrauensärzten" der Kassen, die der Patient angeblich ersatzweise sollte wählen können, ist nicht mehr als eine Farce.
Soviele Vertrauensärzte gibt es gar nicht.
Da würden dann einfach ausgelagerte Datensammler "einspringen" - mag sein, dass dort nebst Juristen auch Aerzte arbeiten, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die heiklen Patientendaten dann irgendwo zentral zusammengeführt werden.
Das ist reine Augenwischerei.

Dass die Vereinbarung geplatzt ist, daran ist die sture Haltung der Kassen alleine Schuld. Offenbar ist das Interesse an diesen heiklen Patientendaten auf Seiten der Kassen enorm gross.
Fragt sich bloss, wozu, bzw. zu welchem sinnvollen und legalen Zweck die dort verwendet werden sollten. Mir fällt keiner ein.
.
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