Spitzen von SMUV und GBI in Tessiner Hand
publiziert: Sonntag, 29. Okt 2000 / 11:36 Uhr

Luzern/Freiburg - Die Leitung der grossen Schweizer Gewerkschaften SMUV und GBI ist in Tessiner Hand. In Freiburg wurde am Samstag Renzo Ambrosetti zum Nachfolger von SMUV-Präsidentin Christiane Brunner gewählt. In Luzern bestätigten die GBI-Delegierten Vasco Pedrina klar als Präsidenten.

Am Kongress der Gewerkschaft für Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen (SMUV) erhielt Ambrosetti 123 Stimmen. Sein einziger Gegenkandidat, der ehemalige SP-Generalsekretär Andre Daguet, verpasste mit 106 Stimmen das absolute Mehr von 115 Stimmen. Mit der Wahl des Tessiners sprachen sich die Delegierten für einen traditionellen Gewerkschafter aus, der zwar eine Kooperation mit der GBI befürwortet, dem Projekt einer interprofessionellen Gewerkschaft aber kritisch gegenüber steht. Ambrosetti tritt die Nachfolge von SP-Präsidentin Brunner an; die Genfer Ständerätin zieht sich nach acht Jahren von der SMUV-Spitze zurück. An dem alle vier Jahre stattfindenden SMUV-Kongress sprach sich FDP-Bundesrat Pascal Couchepin für starke Gewerkschaften aus. Diese müssten sowohl längerfristig planen als auch kurzfristig zu Gunsten ihrer Mitglieder handeln. Der Staat wiederum müsse die Regeln des «wirtschaftlichen Spiels» definieren, die Ausbildung gewährleisten und für die Sicherheit des Landes sorgen, sagte er.

In Luzern wurde Pedrina von den Delegierten der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) klar für eine dritte Amtsperiode als Präsident bestätigt. Trotz vermehrter Kritik an seiner Arbeit wurde er mit 176 von 226 möglichen Stimmen wieder gewählt. Kritische Delegierte hatten, wie bereits bei den Abstimmungen über den Tätigkeitsbericht der Geschäftsleitung und beim Leitantrag zur Umsetzung des interprofessionellen Gewerkschaftsprojektes, auch bei den Wahlen eine deutliche Niederlage hinzunehmen; keiner von vier oppositionellen Kandidaten schaffte die Wahl in die Geschäftsleitung. Mit Rita Schiavi wurde erstmals eine Frau in die Geschäftsleitung gewählt. Erstmals in der Schweizer Gewerkschaftsgeschichte hatten zwei Organisationen am Freitag und Samstag gleichzeitig ihre Kongresse mit parallelen Traktandenlisten abgehalten. Die SMUV- und GBI-Delegierten hatten am Freitag der gemeinsamen Entwicklung eines interprofessionellen Gewerkschaftsprojekts für den Privatsektor deutlich zugestimmt.

(sda)

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