Sporting - FCB: Ein Exploit oder eine weitere Lektion?
publiziert: Dienstag, 30. Sep 2008 / 16:19 Uhr

Zwei Wochen nach dem Fehlstart gegen Donezk wird Basel am 2. Spieltag der Champions League in Lissabon bereits mit der nächsten heiklen und nahezu unlösbaren Aufgabe konfrontiert. Im vergangenen Februar war der FCB gegen den portugiesischen Cupsieger Sporting im UEFA-Cup chancenlos ausgeschieden.

Christian Gross: «Wir brauchen ein Exploit!»
Christian Gross: «Wir brauchen ein Exploit!»
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Ein Remis in der portugiesischen Kapitale wäre für die zuletzt auch national leicht vom Idealkurs abgekommenen Bebbi bereits Gold wert; zumal in den nächsten beiden Partien gegen den europäischen Giganten FC Barcelona unter normalen Umständen sicher nicht mit einem Punktezuwachs zu rechnen ist.

Spannung ist garantiert: Sporting muss vier Tage nach dem 0:2 im Stadtderby gegen Benfica gewinnen, für den FCB wäre mit einer weiteren Niederlage selbst die Fortsetzung im UEFA-Cup zu einem frühen Zeitpunkt bereits gefährdet.

Mit den negativen und fernen Szenarien mag sich Christian Gross zumindest öffentlich nicht befassen. Der Basler Coach erklärte allein die Möglichkeit, überhaupt gegen Sporting und Barcelona antreten zu können, zum absoluten Sonderfall: «Wir müssen von jeder Minute in der Champions League profitieren. Es wird für einen Schweizer Vertreter immer schwieriger, sich überhaupt zu qualifizieren.»

Die Basler Vorsätze

Von Donezk waren die Basler gleich bei erster Gelegenheit an ihre internationalen Grenzen geführt worden. Gegen YB verlor der FCB am Samstag erneut 1:2. In beiden Fällen wirkte der Schweizer Meister für seine Verhältnisse unüblich passiv. Christian Gross verschwieg in seinen Analysen das Hauptmanko nicht:

«Uns fehlte die Dynamik.» Der Coach verlangt deshalb einen mutigeren Auftritt. Zumindest in der Theorie wäre der Anspruch von Gross auch mit einem (eher defensiven) 4-1-4-1-System mit Rückkehrer Marco Streller an der Spitze zu erfüllen.

24 Stunden vor ihrem zweiten diesjährigen Auftritt im «qualitativ besten Klubwettbewerb der Welt» (Gross) kündigten die Basler Protagonisten unisono eine verbesserte Performance an. Sie sind der Ansicht, dass die letzten Niederlagen auch selbstverschuldet waren und nicht nur mit der Qualität der Gegner zu begründen seien. Gross setzt auf den Lerneffekt und empfiehlt seiner Equipe dringend, mit mehr «Überzeugung, Mut, Selbstvertrauen und Stolz» zu spielen. «Wir brauchen ein Exploit!» Ansonsten droht die nächste Lektion.

Auf der Bühne der europäischen Topklasse wird der Preis für eine allfällige Inaktivität generell wesentlich früher beglichen als in der Super League. Kein Schweizer Trainer kennt das (Preis-)Niveau besser als Gross, der bereits viermal eine Mannschaft in die Champions League geführt hat. Entsprechend wird er das Team einstellen. Falsche Zurückhaltung lohnt sich nicht -- schon gar nicht gegen einen noch punktelosen Kontrahenten, der mutmasslich ohne ein Zögern anstürmen wird.

«Ich erwarte sie offensiv. Es muss aber gelingen, uns früh aus der Umklammerung zu lösen und das Spiel auf die Seiten zu verlagern», gewährte Gross beim improvisierten Medientermin auf dem Euro-Airport in Basel einen Einblick ins taktische Grobkonzept für die schwierige Aufgabe im fernen Lissabon. Beni Huggel, erster Koordinator und Schwerarbeiter im defensiven Mittelfeld, erweiterte die Vorgabe des Trainers: «Wir müssen schneller in Ballbesitz kommen als zuletzt.»

Sportings beeindruckendes Offensivpotenzial

Zweifel, ob Lissabon die geeignete Destination zum sportlichen «Relaunch» ist, sind allerdings berechtigt. Im José-Alvalade-Stadion wird Sporting von der ersten Minute an auf einem anderen Level als die Young Boys Druck erzeugen und alles daran setzen, die 1:3-Auftaktniederlage in Barcelona sofort zu korrigieren. Einen Punktverlust gegen den zweiten FCB der Gruppe C wollen sich die ambitionierten Südeuropäer keinesfalls leisten.

Der «Sporting Clube de Portugal» besitzt ein anderes Renommée als Vitoria Guimarães, das die Bebbi in der Qualifikation mit einem Effort ausgeschaltet hatten. Sporting zählt in Portugal zusammen mit Porto und Benfica zu den «Big Three». Vor der vierten Saison unter dem erst 39-jährigen Ausbildner Paulo Bento hat der Klub hohe Ziele formuliert. Sechs Jahre nach dem 18. Titel will Sporting die nationale Trophäensammlung erweitern und in der Champions League erstmals die Gruppenphase überstehen.

Mit Basel verbinden die Portugiesen angenehme Erinnerungen. Im letzten Februar fertigten sie den chancenlosen FCB im 1/16-Final des UEFA-Cups mit dem Gesamtskore von 5:0 ab. Bento wird nur eine minim veränderte, im Sommer mit diversen Transfers (u.a Rochemback, Caneira und Helder Postiga) eher noch aufgewertete Equipe auf den Rasen schicken. Das finanziell in einer tieferen Liga operierende Basel hingegen musste wie immer in den vergangenen Jahren Abgänge verkraften; der Verlust von Abwehrchef Daniel Majstorovic hinterliess Spuren.

Bereits ein Blick auf das Matchblatt genügt, um Sportings gehobene Qualität zu erkennen. Der Abwehrverbund mit Abel, Polga, Tonel und Caneiro vereinigt 103 Europacupspiele. Im brillanten und spielstarken Mittelfeld um João Moutinho und den früheren «Barça»-Professional Fabio Rochemback steckt kaum weniger Erfahrungswert. An vorderster Front bewerben sich drei namhafte Brasilianer (Derlei, Liedson und Tiui) und zwei erstklassige Portugiesen (Helder Postiga und Yannick Djalo) um die zwei Startplätze.

(von Sven Schoch, Lissabon/Si)

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