Spur der Verwüstung: US-Panzervorstoss demonstriert militärische Übermacht
publiziert: Montag, 7. Apr 2003 / 07:53 Uhr / aktualisiert: Montag, 7. Apr 2003 / 14:59 Uhr

Bagdad - Das Autobahnkreuz an der Grossen Saddam-Brücke im Süden von Bagdad wirkt nach dem ersten Panzervorstoss der Amerikaner dorthin wie ein Schlachtfeld. Ausgebrannte irakische Militärfahrzeuge und Geschütze stehen zu Dutzenden links und rechts der Schnellstrasse.

Aber auch ein verkohlter amerikanischer Kampfpanzer, der ein faustgrosses Loch im Turm hat, steht am Sonntag mit gesprengter Kette in dem kleeblattförmigen Strassenbauwerk. Nur noch die Aufschrift "Cojone EH" auf der Kanone ist lesbar. Am Himmel donnern US-Kampfjets, die am Mittag neue Angriffe fliegen.

"Sie kamen am frühen Morgen in einer Kolonne", sagt ein etwa 30-jähriger irakischer Soldat. Er trägt eine hellgrüne Uniform und ein schwarzes Barett. Vor die Brust hat er mehrere Magazine für sein Kalaschnikow-Sturmgewehr geschnallt.

"Wir kämpfen auf kurze Distanz. Manche Soldaten sind nur 100 Meter von den Panzern entfernt. Es war eine brutale Schlacht und wir haben auch viele Opfer gehabt", sagt er. Dass dort ein zerstörter US-Panzer steht, erfüllt ihn sichtlich mit Stolz.

Neben Strassen eingegraben

Erstmals seit Tagen dürfen sich am Sonntag ausländische Journalisten frei und mit eigenen Fahrzeugen in dem Gebiet an der südlichen Front Bagdads bewegen.

Dort haben sich irakische Soldaten, Spezialeinheiten und zivile Kampfgruppen neben den Strassen eingegraben. Panzerabwehrkanonen und Artillerie sind in Position. Die Kämpfer tragen Panzerfäuste auf den Schultern und liegen vor Maschinengewehren in Schützengräben.

Mit zwei gepanzerte Aufklärungseinheiten der 3. US-Infanteriedivision und des 7. US-Kavallerieregiments waren die Angreifer am Samstag vorgerückt. Die Schnellstrasse führt vom internationalen Flughafen im Westen in den Süden von Bagdad und von dort weiter in die etwa 100 Kilometer entfernte Stadt Hilla.

Die viel befahrene Strasse verläuft in einem Viertelkreis und kommt auf halber Strecke der Innenstadt schon sehr nah. Arabische Journalisten wollen auf Bildmaterial auch die Moschee Umm el Tubul erkannt haben, die unweit der Schnellstrasse steht.

Demonstration der Macht

Der amerikanische Vorstoss sollte offensichtlich eine Demonstration der eigenen Macht sein und zugleich die Schwäche der irakischen Verbände zeigen. Die Verluste der Iraker bei dem Schlagabtausch sind augenscheinlich sehr hoch gewesen.

Der zerstörte US-Panzer zeigt aber, dass auch die irakischen Waffen Wirkung zeigen. Ein tiefer Krater neben dem schweren Kettenfahrzeug deutet ausserdem darauf hin, dass hier mit einem gezielten Angriff der US-Luftwaffe das sowieso verlorene Kriegsgerät ganz zerstört worden sein könnte.

Die Moral der irakischen Soldaten unweit der Grossen Saddam-Brücke scheint vorerst ungebrochen, obwohl der Panzervorstoss eine Spur der Verwüstung an ihren Stellungen hinterlassen hat. "Ich kämpfe für meine Heimat. Wir sind hier geboren", sagt der Soldat mit dem schwarzen Barett. "Das ist unser Land."

(Carsten Hoffmann/dpa)

 
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