Mindestens!
Staatsanwalt fordert 10 Jahre Haft für Pistorius
publiziert: Freitag, 17. Okt 2014 / 15:53 Uhr
Oscar Pistorius zeigt, zumindest vor Gericht, tiefe Reue. (Archivbild)
Oscar Pistorius zeigt, zumindest vor Gericht, tiefe Reue. (Archivbild)

Zehn Jahre lang soll Südafrikas Paralympics-Star Oscar Pistorius nach dem Willen der Staatsanwaltschaft im Gefängnis für die fahrlässige Tötung seiner Freundin büssen. Zehn Jahre seien das Minimum, sagte Chefankläger Gerrie Nel vor dem obersten Gericht in Pretoria.

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Richterin Thokolize Masipa hatte den 27-Jährigen bereits im September der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp schuldig befunden. Nun will sie am Dienstag das Strafmass verkünden. Möglich wären bis zu 15 Jahre Haft, aber auch nur ein weit kürzerer Hausarrest. Pistorius hatte die 29-Jährige in der Nacht zum 14. Februar 2013 durch eine geschlossene Toilettentür in seiner Villa nahe Pretoria erschossen.

 In seinem Schlussplädoyer wies der Staatsanwalt Forderungen der Verteidigung scharf zurück, Pistorius lediglich unter Hausarrest zu stellen und ihm gemeinnützige Arbeit aufzuerlegen. Die Vorstellung, dass Pistorius dann in der Luxusvilla seines Onkels wohnen und erneut als Profisportler viel Geld verdienen könnte, nannte Nel angesichts des Leids der Opfer-Familie «schockierend». Die Tötung eines Menschen sei auch dann ein schlimme Tat, wenn sie fahrlässig erfolgt, erklärte Nel.

Erwartung der Öffentlichkeit erfüllen?

Pistorius beteuert, die Person hinter der Tür für einen Einbrecher gehalten zu haben. Die Richterin hatte dies akzeptiert und die Anklage wegen Mordes aus Mangel an Beweisen zurückgewiesen. Für Mord hätte Pistorius obligatorisch eine lebenslange Haftstrafe bekommen - in der südafrikanischen Rechtspraxis 25 Jahre.

Der Staatsanwalt erklärte, wenn das Gericht den Angeklagten nicht so bestrafe, wie die Öffentlichkeit dies zu Recht erwarte, könne dies negative Rückwirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben. Bei der Bestimmung des Strafmasses müsse das Leid der Familie des Opfers stärker berücksichtigt werden als die Gefühle und die Behinderung von Pistorius. «Die Familie wird den Verlust niemals verwinden.»

Verteidigung: Pistorius ein gebrochener Mann

Zuvor hatte Verteidiger Barry Roux dringend von einer Gefängnisstrafe für Pistorius abgeraten. Der Behindertensportler habe echte und tiefe Reue gezeigt und er leide zutiefst darunter, dass er in tragischen Umständen versehentlich seine Freundin erschossen habe. Pistorius brach während des Plädoyers zum wiederholten Mal in Tränen aus.

Pistorius sei ein gebrochenen Mann, erklärte Roux am vierten Tag der Strafmass-Anhörungen. «Er hat alles verloren», sagte Roux. «Er hat einen Menschen verloren, den er liebte, seine Selbstachtung, die meisten seiner Freunde, all sein Geld.» Direkt an die Richterin gewandt, fragte der Anwalt: «Ist das ein Mensch, den Sie aus der Gesellschaft entfernen müssen? Wir sagen: Nein.»

(bert/Si)

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