Stahel über Schweizer Einsatz in Somalia: Eine Schnapsidee
publiziert: Montag, 22. Dez 2008 / 10:43 Uhr / aktualisiert: Montag, 22. Dez 2008 / 11:30 Uhr

Bern - Die Idee eines Einsatzes Schweizer Soldaten auf Schiffen vor Somalia stösst beim Strategieexperten Albert Stahel auf harsche Kritik: Es handle sich um eine «Schnapsidee». Das Schweizer Seeschifffahrtsamt möchte die Pläne zumindest prüfen.

Albert A. Stahel kritisierte die «mediengerechten Ankündigungen».
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Gefragt sei eine seriöse Lösung, wie etwa der Schutz Schweizer Schiffe durch eine andere Seemacht, sagte Stahel am Montag gegenüber verschiedenen Medien. Das könne etwa dadurch geschehen, dass die Reedereien ihre Schiffe umflaggen, sagte er in der Sendung «HeuteMorgen» im Radio DRS.

Eine solche Umflaggung kommt für den Leiter des Schweizer Seeschifffahrtsamtes, Reto Dürler, aber nicht in Frage. Der Bund werde den Reedereien nicht empfehlen, unter anderer Flagge zu segeln, sagte er gegenüber Radio DRS 4 News.

Abschreckung oder Zielscheibe

Dürler hält den Einsatz für prüfenswert, da er sich eine präventive Wirkung erhofft. Die Piraten wollten mit wenig Aufwand hohe Lösegelder einkassieren, deshalb schrecke sie der Widerstand von Soldaten ab. Israel setze Soldaten auf Schiffen ein und es sei noch kein israelisches Schiff gekapert worden.

Anderer Ansicht ist dagegen Stahel: Er befürchtet, Piraten könnten ein Schweizer Schiff entern, es versenken und die Besatzung gefangen nehmen, wie er gegenüber der Gratiszeitung «.ch» sagte. «Zudem würden sie keine Sekunde zögern und die Soldaten töten.»

Internationale Politik gefordert

Im «St. Galler Tagblatt» kritisiert Stahel, dass offenbar mediengerechte Ankündigungen eher gefragt seien als lösungsorientierte Vorschläge. Gefordert sei die internationale Politik, welche etwa den somalischen Staat wieder aufbauen müsse. Dies sei keine militärische Aufgabe.

Bundespräsident Pascal Couchepin hatte am Sonntag angekündigt, dass der Bundesrat grundsätzlich bereit sei, Schweizer Soldaten auf Schweizer Schiffen vor Somalia einzusetzen. Die Parteien kommentierten die Pläne verhalten bis vehement ablehnend.

Überrascht über Couchepins Äusserungen zeigte sich Hans Schatzmann, Präsident der Schweizerischen Offiziersgesellschaft. «Der Einsatz von Soldaten gegen Piraten war bisher kein Thema», sagte er gegenüber der Gratiszeitung «News». Für ihn sei dies eine «exotische Vorstellung» - der Entscheid liege aber bei der Politik.

(fest/sda)

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