Stammzellen: Wüstenrennmäuse hören wieder
publiziert: Montag, 17. Sep 2012 / 09:21 Uhr
Mit Hilfe von Stammzellen hat das Team um Marcelo Rivolta erstmals die Hörfähigkeit von Wüstenrennmäusen wieder hergestellt. (Symbolbild)
Mit Hilfe von Stammzellen hat das Team um Marcelo Rivolta erstmals die Hörfähigkeit von Wüstenrennmäusen wieder hergestellt. (Symbolbild)

Sheffield - Wissenschaftler der University of Sheffield ist laut eigenen Angaben ein grosser Schritt in Richtung der Behandlung von Taubheit gelungen.

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Mit Hilfe von Stammzellen hat das Team um Marcelo Rivolta erstmals die Hörfähigkeit von Wüstenrennmäusen wieder hergestellt. Das Hören verbesserte sich als die Nerven im Ohr, die Geräusche an das Gehirn weiterleiten, wiederhergestellt wurden.

Vielversprechende Therapieoption

Einem in Nature veröffentlichtem Bericht würden die gleichen Fortschritte beim Menschen bedeuten, dass Patienten, die den Verkehrslärm nicht hören können, dann wieder einem Gespräch folgen könnten. Die Behandlung von Menschen liegt derzeit allerdings noch in ferner Zukunft. Radiohören oder ein Gespräch mit einem Freund sind nur dann möglich, wenn das Ohr die Schallwellen in der Luft in elektrische Signale umwandelt, die vom Gehirn ausgewertet werden können.

Tief im Innenohr bewegen Vibrationen winzige Härchen. Diese Bewegung führt zu einem elektrischen Signal. Bei rund einem von zehn Menschen mit schwerem Hörverlust sind die Nervenzellen, die ein Signal erkennen sollten, geschädigt. Das ist dann ungefähr so, als wenn der Stab bei einem Staffellauf nach dem ersten Teilnehmer nicht mehr weitergegeben wird.

Sinneshaarzellen im Innenohr ersetzt

Ziel der Wissenschaftler war es, die Nervenzellen, die den Stab nicht mehr weitergeben, zu ersetzen. Die Sinneshaarzellen sollten durch Stammzellen eines menschlichen Embryos erneuert werden, die durch chemische Zusätze dazu gebracht wurden, sich zu ähnlichen Zellen zu entwickeln. In der Folge wurden diese Zellen in das Innenohr von 18 Wüstenrennmäusen injiziert.

Innerhalb von zehn Wochen verbesserte sich die Hörfähigkeit der Tiere. Am Ende der Laufzeit der Studie war es gelungen, rund 45 Prozent ihres Hörbereiches wiederherzustellen. Rivolta betont, dass es sich um keine vollständige Heilung handelt. Ein Flüstern würde auch nach der Behandlung nicht gehört werden können. Ganz sicher wäre es aber möglich, einem Gespräch in einem Raum zu folgen, berichtet die BBC.

Ansatz beim Menschen nicht erforscht

Rund ein Drittel der Wüstenrennmäuse sprach sehr gut auf die Behandlung an. Ein Teil der Tiere erlangte bis zu 90 Prozent der Hörfähigkeit zurück. Etwas weniger als ein Drittel reagierte kaum auf die Behandlung. Wüstenrennmäuse wurden eingesetzt, da sie in einem ähnlichen Umfang Geräusche hören wie Menschen. Die Verbesserungen des Hörvermögens wurden durch die Messung von Gehirnwellen festgestellt.

Tests wurden an den Tieren nur über einen Zeitraum von zehn Wochen durchgeführt. Sollte dieser Behandlungsansatz auch beim Menschen eingesetzt werden, müsste eine Wirksamkeit über einen viel längeren Zeitraum nachgewiesen werden. Zusätzlich gilt es Fragen der Sicherheit und der Ethik bei der Behandlung mit menschlichen Stammzellen zu klären.

(knob/pte)

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Anthony Patt ist Professor für Mensch-Umwelt-Systeme an der ETH Zürich.
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