In den 60ern ausgegraben
Steinzeitliche Totenmaske wird untersucht
publiziert: Dienstag, 23. Feb 2016 / 15:47 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 23. Feb 2016 / 16:31 Uhr
Der Fund wurde in einer oberschwäbischen Moorlandschaft gemacht. (Symbolbild)
Der Fund wurde in einer oberschwäbischen Moorlandschaft gemacht. (Symbolbild)

Hamburg - Ein Forscher gräbt vor einem halben Jahrhundert ein Stück Keramik aus einer oberschwäbischen Moorlandschaft aus. Nun haben Archäologen herausgefunden, dass es sich um eine Totenmaske handelt. Es ist erst die dritte in Europa gefundene Maske aus der Jungsteinzeit.

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Archäologen haben am Dienstag in einem schwäbischen Moorgebiet im Kreis Biberach das Fragment einer Maske aus der Jungsteinzeit präsentiert. Das Stück Keramik war bereits in den 1960er-Jahren von Forscher Ernst Wall aus dem Moor ausgegraben worden - allerdings konnte er sich keinen Reim darauf machen.

Ein halbes Jahrhundert später stolperten Forscher erneut über den Fund und entdeckten: Es ist eine Gesichtsmaske aus der Jungsteinzeit. Sie gilt unter anderem deshalb als kleine Sensation, weil bisher erst zwei Masken aus dieser Zeit in Europa entdeckt wurden.

Spiegelung des Bruchstücks gab Aufschluss

Es handelt sich um die rechte Gesichtshälfte einer aus Ton gebrannten Maske mit zwei Löchern zur Befestigung vor dem Gesicht. Die Denkmalschützer ergänzten das Maskenstück durch eine spiegelverkehrte Rekonstruktion.

Der Archäologe Helmut Schlichtherle vom Landesamt für Denkmalpflege hatte zunächst versucht, das Keramikfragment zu einem Gefäss zu ergänzen. Er scheiterte aber an den irregulären Formen. «Erst als ich das Objekt spiegelbildlich ergänzte, wurde das Maskengesicht sichtbar.»

Bisher wurden erst zwei Gesichtsmasken aus der Jungsteinzeit in Europa entdeckt - in Ungarn und Rumänien. Die beiden tragen laut Regierungspräsidium sehr schematische Züge.

Utensil aus der Ahnenverehrung

Die Maske aus dem Moor von Schussenried hingegen hat eher eine «naturalistische Physiognomie», wie die Forscher mitteilten, also eine menschlichere Gesichtsform mit eingefallener Unterlippe. Vermutlich ist es das Gesicht eines Toten.

Fasnachtsutensil aus der Steinzeit? Eher nicht. Die Maske gehöre wahrscheinlich in den Zusammenhang der Ahnenverehrung, betonte das Stuttgarter Regierungspräsidium.

Zur Präsentation wurde die Ausgrabungsstelle im südlichen Federseemoor in Bad Schussenried wieder freigelegt. Der Federsee gilt als Schatzkammer für Archäologen. Die Maske wurde am Rand der ehemaligen Siedlung «Riedschachen» gefunden, aus der bereits weitere Keramikfunde aus dem Zeitraum 4200 bis 3700 vor Christus geborgen wurden.

(arc/sda)

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