Verrechnungssteuer
Steuerabzug oder Meldung an die Steuerbehörde?
publiziert: Mittwoch, 17. Dez 2014 / 17:30 Uhr
Ein Vorschlag des Bundesrats. (Symbolbild)
Ein Vorschlag des Bundesrats. (Symbolbild)

Bern - Bei der Verrechnungssteuer sollen Personen in der Schweiz künftig die Wahl haben: Entweder wählen sie den Steuerabzug mit Rückerstattung, oder die Bank meldet die Vermögenswerte und den Ertrag der Steuerverwaltung - ein freiwilliger Verzicht auf das Bankgeheimnis. Dies schlägt der Bundesrat vor.

2 Meldungen im Zusammenhang
Die Reform sei insbesondere im Zusammenhang mit dem geplanten automatischen Informationsaustausch wichtig, sagte Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf vor den Medien. Zum einen soll mit der Reform die Kapitalaufnahme im Inland erleichtert werden. Zum anderen soll das neue System besser gegen Steuerhinterziehung wirken.

Heute wird die Verrechnungssteuer auf Zinsen, Beteiligungserträgen, Lotteriegewinnen und bestimmten Versicherungsleistungen erhoben. Sie sichert die Besteuerung inländischer Erträge, weil die bezahlte Verrechnungssteuer nur zurückerstattet wird, wenn die entsprechenden Erträge in der Steuererklärung deklariert werden.

Bank überweist Betrag an Steuerverwaltung

Die Steuer wird heute nach dem Schuldnerprinzip erhoben: Der Schuldner - beispielsweise die Gesellschaft, die Obligationen ausgibt - überweist dem Begünstigten den um den Steuerbetrag gekürzten Zinsertrag. Den Steuerabzug von 35 Prozent überweist er der Steuerverwaltung.

Der Bundesrat will nun zum Zahlstellenprinzip wechseln. Der Schuldner überweist den gesamten Ertrag der Bank. Diese entscheidet, ob eine Verrechnungssteuer zu erheben ist, kürzt allenfalls den Betrag an den Begünstigten und überweist die Steuer der Steuerverwaltung.

Ausweichen über das Ausland

Zu den Nachteilen des heutigen Systems gehört, dass Schweizer Konzerne der Steuer häufig ausweichen, indem sie ihre Finanzierungen über ausländische Gesellschaften abwickeln. Dadurch fällt die Wertschöpfung im Ausland an. Ausserdem vermag die Verrechnungssteuer die Deklaration von ausländischen Erträgen nicht zu sichern.

Der Systemwechsel birgt jedoch das Risiko, dass Personen mit Wohnsitz in der Schweiz die Steuer vermeiden, indem sie ihre Vermögenswerte zu einer ausländischen Bank verlegen. Dies funktioniert allerdings nur, so lange der geplante automatische Informationsaustausch nicht eingeführt ist.

Mit automatischem Informationsaustausch

Bedingung für den Systemwechsel ist deshalb die Einführung des automatischen Informationsaustauschs: Die Reform soll erst in Kraft gesetzt werden, wenn dieser mit wichtigen Finanzplätzen etabliert ist. Umgekehrt soll die Verrechnungssteuerreform negative Folgen des automatischen Informationsaustauschs für den Schweizer Finanzplatz verhindern.

Im Inland soll es keinen solchen Automatismus geben. Personen mit Wohnsitz in der Schweiz sollen die Bank aber anweisen können, anstelle des Steuerabzugs der Steuerverwaltung den Ertrag und den Vermögenswert zu melden. Sie würden damit freiwillig auf einen Teil des Bankgeheimnisses verzichten.

Widmer-Schlumpf sprach von einer "Alternative zu Gunsten der Steuerpflichtigen". Bei höheren Zinsen könne es interessant sein, nicht ein Jahr auf die Rückerstattung der Verrechnungssteuer warten zu müssen. Dies gilt indes nur für "steuerehrliche Personen", wie es im Vernehmlassungsbericht heisst.

Finanzielle Folgen ungewiss

Die finanziellen Folgen der Reform hängen nicht zuletzt davon ab, ob viele Steuerpflichtige von der Meldeoption Gebrauch machen. Die Verrechnungssteuer ist mit jährlich rund 5 Milliarden Franken eine wichtige Einnahmequelle des Bundes. Der Bundesrat schätzt, dass sich Mindereinnahmen im Umfang von rund 200 Millionen Franken ergäben.

Die Vernehmlassung dauert bis zum 31. März 2015. In Kraft treten soll die Reform 2019 - falls es mit dem automatischen Informationsaustausch nach Plan läuft. Die Vorlage dazu präsentiert der Bundesrat voraussichtlich in den nächsten Wochen oder Monaten.

(awe/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Zürich - Das Bankgeheimnis fällt auch ... mehr lesen
Die Schweizer Banken fürchten sich vor der Auflösung des Bankgeheiminisses
Aymo Brunetti wird dem Bundesrat auch in Zukunft Empfehlungen unterbreiten. (Archivbild)
Bern - Die Finanzplatz-Expertengruppe unter Leitung von Aymo Brunetti hat am Freitag ihren Schlussbericht veröffentlicht. Unter anderem empfiehlt sie, die Anreize zur ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Johann Schneider-Ammann eröffnet den Gotthard-Basistunnel.
Johann Schneider-Ammann eröffnet den Gotthard-Basistunnel.
Beginn mit Segnung  Bern - Mit einem Treffen der Verkehrsminister der Alpenländer am Dienstagnachmittag werden die Feierlichkeiten zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels eingeläutet. Wenige Stunden später wird der Tunnel der SBB übergeben. mehr lesen 
353 Millionen Franken für den Asylbereich  Bern - Der Nationalrat hat am Dienstag die Staatsrechnung 2015 sowie die Nachtragskredite zum ... mehr lesen   1
Mit 124 zu 64 Stimmen genehmigte die grosse Kammer den Bundesbeschluss über den Nachtrag I zum Voranschlag 2016.
Gotthard steht im Zentrum  Bern - In Bern beginnt heute Montag die Sommersession der eidgenössischen Räte. In der ersten Woche steht allerdings nicht das Bundeshaus, sondern der Gotthard im Zentrum: Wegen der Eröffnung des Basistunnels findet am dritten Sessionstag keine Sitzung statt. mehr lesen  
Der Bundesrat müsse dafür sorgen, dass sich der Tunnel bezahlt mache.
Gotthard 2016  Altdorf - Die Alpen-Initiative fordert den Bundesrat auf, mit der Verlagerung der Gütertransporte von der Strasse auf die Schiene vorwärts zu machen. Die Mitglieder ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 1°C 5°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Basel 4°C 7°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 3°C 4°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Bern 0°C 4°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Luzern 1°C 6°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt
Genf 3°C 7°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 2°C 4°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten