Laut Umfragen interessieren sich zwischen 30 und 40% der Bevölkerung überhaupt nicht für Fussball und auch dieser Kolumnist geniesst die Fussball-WM vor allem, weil an schönen Orten im Grünen während gewisser Spiele so viel Freiraum ist, wie sonst nie bei schönem Wetter.
Die Distanziertheit zu dem Gekicke auf dem grünen Rasen hat verschiedenste Gründe. Einer davon ist seit Sonntag wieder in aller Munde: Der «Schiedsrichterentscheid». Diese wunderbare Regel, die vom Walliser FIFA-Napoleon Sepp Blatter verbissen verteidigt wird, ergänzt das Spiel auf dem Rasen, das so schon bereits von sehr vielen Unwägbarkeiten beeinflusst wird, um den Faktor der garantierten Ungerechtigkeit.
Schon seit Anfang der WM beherrschen denn auch die Schiedsrichter mit ihren zwei Fahnen schwenkenden Assistenten die Kommentare und Analysen: Rote Karten für nicht begangene Tätlichkeiten, Tore aus der Abseitsposition oder, wie im Spiel Deutschland gegen England, ein nicht gegebenes Tor, das (es war nicht möglich, die Szene in den Nachrichten NICHT zu sehen) eindeutig drin war.
Entsprechend die Kommentare über die Unparteiischen: Unfähig und dilettantisch seien sie, nicht gut genug für dieses Turnier, eine Schande... und so weiter, und so fort. Was man eben immer so über Schiedsrichter hört.
Dabei sind die meisten völlig unschuldig an den Fehlentscheiden. Es sei eigentlich, so Neurologen, verblüffend, dass nicht noch viel schlechter gepfiffen werde. Die Aufgabe eines Schiedsrichters sei für ein normales Hirn eigentlich nicht erfüllbar. Dies beginne mit der Perspektive, aus der ein Schiedsrichter das Spiel beobachtet, geht weiter mit dem Wesen des Spieles, das ja unter anderem darin besteht, den Gegner zu überraschen (und damit auch den Schiri) und dem Faktum, dass sehr viele sich gleichzeitig bewegende Vektoren beobachtet werden müssen. Eine Aufgabe, mit der unser Hirn schnell überlastet ist. Das Resultat: Fehlentscheide.
Nun ist das in Regionalligen noch ziemlich egal (obwohl, sage das mal jemand einem engagierten Amateur-Spieler). Doch sobald auf nationalem oder gar internationalem Niveau gespielt wird, sind das nicht mehr nur lustige Spielchen auf dem Gras, es handelt sich um Kämpfe millionenschwerer Unternehmen um Werbeeinnahmen, Entschädigungen aus TV-Rechten und die Gelegenheit, weiter in dem Turnier oder der entsprechenden Liga spielen zu können.
Vor diesem Hintergrund wird das Geschäft Fussball zur totalen Absurdität. Man stelle sich vor, bei einem Patentstreit zwischen zwei Firmen müsste der Richter anhand dessen entscheiden, was er sieht, wenn man die Prozessakten einmal in die Luft wirft.
Weiterhin auf den Videoentscheid zu verzichten und so diese Absurdität weiter zu führen, ist daher völlig unverständlich – doch es wird nur zwei, drei Spiele ohne Skandalpfeife brauchen und die FIFA wird diese Diskussion erleichtert unter den Kunstrasen kehren, entspricht doch diese trübe Nummer genau dem kuriosen Rechtsempfinden von Sepp Blatter, das sich auch beim eben abgewürgten Schmiergeldprozess manifestierte.
Das Verfahren gegen hochrangige Offizielle des Fussball-Weltverbandes FIFA, die erwiesenermassen von der Firmengruppe ISL/ISMM, ehemals Weltmarktführer im Sportmarketing, viele Millionen Euro Schmiergeld erhalten haben, ist nämlich eingestellt worden, nachdem eine Zahlung von 5.5 Millionen Franken aus unbekannter Quelle getätigt worden ist. Die Namen der geschmierten Funktionäre bleiben unter Verschluss, da das Verfahren abgeschlossen sei. Das steuerbefreite Milliarden-Unternehmen FIFA, dass sich überall um die Zahlung von Abgaben herum drückt (so auch in Südafrika), hat nun auch noch von Schweizer Staatsanwälten rückwirkend bestätigt bekommen, dass Mauscheln und Schmieren in Ordnung ist.
Die juristische Quasi-Exterritorialität des Fussball-Verbandes und die Unsicherheit durch den «Schiedsrichterentscheid» haben System und erlauben die Manipulation der Spiele, des Sportes und dessen Organisation zum Vorteil des Verbandes und seiner Funktionäre. Die Absurdität, in einer Zeit, in der mit dem Fussball Milliarden gemacht werden, den Monopolisten wie eine Wohltätigkeitsorganisation zu behandeln, ist schreiend. Fussball - und jeder andere Profisport auch - muss den gleichen Gesetzen wie jede legitime ökonomische Tätigkeit unterliegen: Transparenz, Verantwortlichkeit und Rechenschaft sind dabei die Punkte, die dringend adressiert werden müssten – zu hoffen, dass die FIFA etwas freiwillig macht, ist allerdings sinnlos.
Dass dieser Verband auch noch steuerbefreit in den Kinderzimmern bei X-Box- und PS-3 Spielen abkassiert, mit denen unterdessen fotorealistisch die WM nachgespielt werden kann, macht alles noch verrückter. Allerdings fehlt bei diesen Games noch eine wichtige Komponente, welche die FIFA bis zur nächsten WM hoffentlich ausbessern lassen wird: Scheinbar entscheiden die Schiedsrichter dort nämlich immer richtig....
(von Patrik Etschmayer/news.ch)
die FIFA könnte man auch direkt in MA FIA umtaufen. Damit ist wohl alles gesagt.
Schwalben und Betrügereien auf Seiten der Spieler gehören zum guten Ton, sind aber ein miserables Vorbild für alle jungen Fussballspieler. Da sind die Wettskandale nur einer Ergänzung des Betruges.
Ich gehe noch einiges weiter wie Herr Etschmayer. Nicht nur das Milliarden-Business der Fifa ist schuld, sondern auch die Miliardenumsätze der grossen Vereine, Stars und Sponsoren. Fussball auf dem Nievau ist kein Spiel mehr, sondern ein zeitweise sehr schmutziges Geschäft in dem sich viele "Gangster" die Klinke in die Hand reichen, um mit vollen Taschen aus dem Haus zu laufen.
Durm habe ich auch nicht das geringste Erbarmen gegenüber einer Mannschaft die durch einen Schiedsrichterentscheid benachteiligt wird.
Erst wenn der eigene Fan den Spieler der Betrügt ächtet, dann wird sich im Fussball vieles zum sportlicheren ändern.
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