Stockholm-Syndrom: Paradoxe Opfer-Täter-Beziehung
publiziert: Donnerstag, 24. Aug 2006 / 18:06 Uhr

Hamburg - Bei lang andauernden Geiselnahmen und Entführungen ist wiederholt das so genannte Stockholm-Syndrom beobachtet worden.

Bestimmte Schutzmechanismen sorgen dafür, dass sich das Opfer mit dem Täter solidarisiert.
Bestimmte Schutzmechanismen sorgen dafür, dass sich das Opfer mit dem Täter solidarisiert.
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Für Aussenstehende auf den ersten Blick unverständlich, entwickeln die Opfer in einer lebensbedrohlichen, als ausweglos empfundenen Situation Sympathie für die Täter oder solidarisieren sich gar mit ihnen.

Das Phänomen ging 1973 nach einem Banküberfall in der schwedischen Hauptstadt in die wissenschaftliche Literatur ein, als sich dort ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Geiselnehmern und Opfern entwickelt hatte.

Bei dem auch bei den Tätern zu beobachtenden Syndrom handelt es sich um einen unterbewussten psychologischen Schutzmechanismus. Vor dem Gefühl, ausgeliefert zu sein, schützen sich die Betroffenen seelisch dadurch, dass sie sich mit ihren Peinigern identifizieren.

Polizei als Bedrohung

Diese Bindung kann auch nach dem Ende der Gefahr weiter bestehen. In Extremfällen stellen sich die Opfer bei ihrer Befreiung sogar vor ihre Entführer und sehen die Polizei als Bedrohung an.

Beobachtet wurde das Syndrom etwa 1996/97 bei einigen der weit mehr als 400 Geiseln von linksgerichteten peruanischen Guerilleros in der japanischen Botschaft in Lima.

Entführte wechselte die Seiten

Als bisher extremstes Beispiel gilt die Entführung von Patricia Hearst. Die Enkelin des US-Zeitungskönigs William Randolph Hearst solidarisierte sich während ihrer Geiselnahme 1974 mit den sozialrevolutionären Zielen ihrer Entführer und wechselte die Seiten. Wegen ihrer Beteiligung an Banküberfällen wurde sie später zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt.

Der britische Psychiater William Sargant schrieb zu dem Fall: «Bei einem Menschen, dessen Nervensystem einem ständigen Druck ausgesetzt ist, kann eine paradoxe Gehirnaktivität auftreten - das Böse wird zum Guten und das Gute zum Bösen.»

(fest/sda)

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