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Strategisches Denken Mangelware
publiziert: Freitag, 16. Dez 2011 / 11:51 Uhr
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Sechs Nudeln, ein Winkel, null strategisches Denken und noch weniger Einsicht: Die drei B's der SVP.
Sechs Nudeln, ein Winkel, null strategisches Denken und noch weniger Einsicht: Die drei B's der SVP.

Die drei B's an der Spitze der SVP, Baader, Blocher und Brunner teilen sich immerhin 6 Nudeln auf ihren Batten (o.k. Toni, du hast als Korporal nicht viel zu bieten), das heisst, die zwei Obersten Blocher und Baader sollten das eine oder andere über militärische Dinge wissen. Das diesjährige Wahldesaster zeigt aber, dass da scheinbar nicht viel hängen geblieben ist.

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«Taktik: (von altgriechisch τακτικά taktiká 'Kunst' ein Heer in Schlachtordnung zu stellen') ist die koordinierte Anwendung von militärischen Mitteln nach Kraft, Raum und Zeit zum Zweck des Gefechts.»

«Strategie: (von griech. στρατηγός strategós: Feldherr / στρατηγεία: Feldherrentum, Feldherrenkunst) Strategische Planung legt einen grundsätzlichen und zielorientierten Handlungsrahmen zu Erreichung eines militärischen Zieles fest, der sich an einem langfristigen Zeitrahmen orientiert.»

«Die Linke triumphiert», titelt das Parteiblatt der SVP, und «Volkswille missachtet». Doch ist dem wirklich so? Sind alle anderen schuld? Oder hätten die Miliz-Offiziere der SVP nicht spätestens nach Blochers Abwahl 2007 über die Bücher gehen müssen?

Eine Analyse der Erfolge der SVP bis dort hin hätte nämlich eines gezeigt: Diese waren vor allem von taktischer Natur gewesen. Es gab in der SVP das nebulöse Fernziel einer «unabhängigen, bürgerlichen Schweiz» und den Willen, sich dorthin durch zu Kämpfen, Abstimmung um Abstimmung, Wahl um Wahl. Eine Strategie war aber nie sichtbar, brauchte es scheinbar auch nicht.

Denn die Taktik ging ein ums andere Mal auf. In den einzelnen Scharmützeln war die SVP zum Teil unglaublich stark, scharte grosse Mehrheiten hinter ihre Anliegen, brachte Gesetze durch, die kurz zuvor noch undenkbar gewesen waren, in der Konsens-süchtigen Schweiz.

Die anderen Parteien, vor allem die bürgerlichen Mitte-Vereine CVP und FDP rannten kopflos kreuz und quer durch die Gegend, die SP war auch düpiert und verwirrt - nicht zuletzt durch die erstarkenden Grünen - und die SVP gab den Takt an. Eben taktisch.

Irgendwann stand für die verschiedenen Parteiführer ausserhalb der SVP fest - vor allem bei der vom Aussterben bedrohten CVP, die seinerzeit mit der Metzler-Abwahl das erste Opfer der SVP gewesen war - dass etwas passieren müsste. Es war offensichtlich, dass in den direkten Scharmützeln mit der SVP nicht viel zu gewinnen war. Und im Verband mit der SP wurde scheinbar eine Strategie ausgetüftelt, wie Blochers Kampfmaschine zu schlagen wäre.

Das erste Resultat war die von langer Hand eingefädelte Demontage von Christoph Blocher aus dem Bundesrat. Und hier zeigte sich erstmals die Überlegenheit von Strategie gegenüber reiner Taktik. Die SVP sah die Abwahl als eine taktische Handlung - einen kurzfristigen Racheakt gegen ihren Anführer - und reagierte auf die «Verräterin» Widmer-Schlumpf auch taktisch: Ausschluss aus der Partei. Was zur Folge hatte, dass die BDP gegründet und von der SVP abgespalten wurde. Auch wenn die SVP betont, dass die BDP vor allem von der CVP Stimmen hole - auch sie selbst verlor und verliert an die Schlumpf-Partei.

Doch die Abwahl war strategischer Natur gewesen: Die SP bewies, dass die SVP auch damals, als sie stärker war als heute, zu schlagen war, der Nimbus von Christoph Blocher und seiner Truppe als unbezwingbar war angekratzt und ziemlich beschädigt.

Während die SP also Allianzen schmiedete, Interessen auslotete und so den anderen Parlamentsparteien gewisse Perspektiven öffnete, machte sich die SVP daran, mit einem Gegenangriff alles auf eine Karte zu setzen: Das Stöckli sollte gestürmt und der Stimmenanteil auf über 30% angehoben werden. Dies alles im totalen Konfrontationskurs, auch gegenüber gemässigten Leuten aus den eigenen Reihen.

Das Resultat war - objektiv gesehen - ein achtbares Resultat im Nationalrat und ein totaler Misserfolg im Ständerat. Gemessen an den Ansprüchen der SVP war es aber ein Desaster. Sie hatten alles auf das Schlachtfeld geworfen und verloren: Parteichef Brunner und Parteiguru Blocher scheitern im Ständeratswahlkampf, verloren so entscheidend Ansehen, Hardliner Amstutz flog nach wenigen Monaten gar aus dem Stöckli raus, und im Nationalrat gingen auch Sitze verloren.

Und nun auch noch die Niederlage im Bundesrat. Nirgends lässt sich eine Strategie erkennen, ein Ziel basierend auf der Realität erreichen zu wollen - die SVP wollte immer mit dem Kopf durch die Wand, was sogar dazu führte, dass Sie am Mittwoch letztenendes sogar die FDP frontal angriff, nachdem diese brav für die SVP-Kandidaten gestimmt hatte.

Die Taktiker der SVP haben sich in eine Ecke verrannt. Vielleicht werden Sie die vier kommenden Jahre benutzen, um nach einer Strategie zu suchen und dabei feststellen, dass bei den Schweizer Mehrheitsverhältnissen nichts ohne Verbündete geht... und es nicht klug ist, auch noch die letzten Frontal anzugreifen, die zu einem gehalten hatten. Doch wie gesagt: das einzusehen würde von strategischem Denken Zeugen. Doch davon scheint in der Militär-Partei SVP offensichtlich herzlich wenig vorhanden zu sein.

(et/news.ch)

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Nun gut,
wenn dem tatsächlich so wäre - dass von Taktik und strategischem Denken nicht viel in der SVP vorhanden ist - dann wäre das durchaus nichts negatives, im Sinne des Wählers.

Der Wähler, zumindest der der SVP im Schnitt - bei der CVP mag das anders sein - erwartet von seiner Wahl primär eine VERTRETUNG, nicht einen Opportunisten, der sich von Fall zu Fall entscheidet, wem er sich anbiedern soll, um vielleicht einen Sitz zu sichern.

Seltsam. Noch vor wenigen Monaten klang es ganz anders - auch aus Ihrer Ecke. Der SVP wurde ja genau dies ständig zum Vorwurf gemacht, sie operiere nur im strategischen Eigeninteresse, tue dies und jenes nur, um Wähler zu gewinnen.
Jetzt ist alles doch umgekehrt? Man grübelt, wie rasch sich die Vorwürfe um pi rad drehen können, ohne dass die Betroffenen das merken.

Immerhin wäre das strategische Vorgehen, Wähler zu gewinnen, demokratisch legitim. Ganz im Gegensatz dazu ist das strategische Operieren der gewählten Volksvertreter bei der Bestellung der Regierung undemokratisch. Dass dies von den bisher unter der SVP "leidenden" Parteien und Wählern nicht ganz so intensiv wahrgenommen wird, kann ich streckenweise verstehen.
Nicht ganz verstehen kann ich allerdings Kommentatoren und Manipulatoren in den hiesigen Blättern - da wähne ich Sie allerdings nicht in den vordersten Reihen. Ihre Analyse ist nicht unfair. Schade nur, wenn die persönlichen Ressentiments so weit durchdringen, dass die journalistische Sorgfalt dabei blockflöteln zu gehen droht.
Etschmeyer for Bundesrat
Nein ehrlich, wie schaffen Sie es immer wieder die Dinge nüchtern und sachlich auf den Punkt zu bringen, ohne den Emotionen zu erliegen.

Leider wird, so wahr alles ist was Sie schreiben, dies aber an den Blocheranhänger völlig abprallen, denn schliesslich ist alles was mit Kritik zu tun hat "linke Presse" und Verschwörung gegen die SVP.

Sie haben immer das richtige Gefühl für die Dinge. Am Schluss lese ich heraus, dass Sie offenbar wenig Hoffnung haben, dass die SVP die Kurve kriegen wird.

Danke vielmals für diesen Artikel. Ich fühle mich verstanden und bestätigt.
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