«Staatsdienst ist Staatsdienst»
Streit um «Tannhäuser» - Theaterdirektor in Sibirien entlassen
publiziert: Montag, 30. Mrz 2015 / 17:42 Uhr
Die orthodoxe Kirche macht Ärger und der Kreml lenkt ein.
Die orthodoxe Kirche macht Ärger und der Kreml lenkt ein.

Nowosibirsk - Gotteslästerung in Wagners «Tannhäuser»-Oper: Dieser Vorwurf aus Kirchenkreisen kostet einen sibirischen Theaterchef den Job. Es ist der erste Fall dieser Art in Russland - Kulturschaffende verurteilten den Rausschmiss als «Zensur». Wird das Stück nun abgesetzt?

Nach wochenlangem Streit über eine Inszenierung von Richard Wagners «Tannhäuser» hat das russische Kulturministerium den Direktor des Operntheaters in Nowosibirsk entlassen. Boris Mesdritsch habe sich der Anweisung widersetzt, Szenen der Arbeit von Regisseur Timofej Kuljabin zu ändern, teilte die Behörde in Moskau mit. Sie reagierte damit auf Kritik der russisch-orthodoxen Kirche, die Mesdritsch eine Verletzung religiöser Gefühle vorwirft.

Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Schritt als normalen Vorgang. Der Staat unterstütze Kultureinrichtungen mit viel Geld und dürfe erwarten, dass Künstler die Öffentlichkeit nicht erzürnten. Mesdritsch habe gegen dieses Prinzip verstossen. «Staatsdienst ist Staatsdienst», sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Der Vizechef der Kremlverwaltung, Magomedsalam Magomedow, forderte, dass Theater künftig neue Stücke vorab zur Prüfung vorlegen müssten.

In einer Szene der Aufführung, die im Dezember in der Millionenstadt Nowosibirsk Premiere hatte, ist Jesus als Filmfigur mit halbnackten Frauen zu sehen. Vize-Kulturminister Wladimir Aristarchow sagte, solche Szenen in einem mit Steuergeldern finanzierten Staatstheater seien «unzulässig». Teile der Bevölkerung fühlten sich beleidigt.

Bereits Nachfolger gefunden

Nur das Theater als Eigentümer der Inszenierung könne über Änderungen entscheiden, meinte Regisseur Kuljabin. Sollten aber Szenen gestrichen werden, «würde diese Inszenierung in ihrem ursprünglichen Ansatz praktisch aufhören zu existieren», sagte er in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

In Russland kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen Kirchenfunktionären und Kulturschaffenden. So war jüngst auch der Oscar-nominierte Film «Leviathan», der eine unheilige Allianz zwischen Kirche und Staat aufzeigt, in die Kritik geraten.

Mesdritsch hatte die «Tannhäuser»-Inszenierung bis zuletzt verteidigt - auch gegen Strassenproteste von Orthodoxen. Sein Vertrag lasse keinen Widerspruch gegen die Kündigung zu, sagte der bisherige Direktor.

Als Nachfolger wurde bereits der Oligarch Wladimir Kechman eingesetzt, der zudem das Michailowski-Theater in St. Petersburg führt. Kechman werde an diesem Dienstag dem Ensemble vorgestellt, Journalisten seien dazu nicht zugelassen, sagte Theatersprecherin Jelena Medwedski. Der neue Direktor kündigte an, dem Haus den früheren Namen Bolschoi Theater Sibiriens zurückzugeben.

Filmschaffende setzen sich für Mesdritsch ein

Die Organisation alternativer Filmschaffender in Russland forderte die sofortige Wiedereinstellung von Mesdritsch. Kulturminister Wladimir Medinski müsse wegen seiner «Anti-Kulturpolitik» sofort zurücktreten, hiess es in einer Erklärung. Ein Sprecher von Medinski sagte der Agentur Interfax, die Behörde habe monatelang vergeblich versucht, dem Direktor sein «inkorrektes Verhalten klarzumachen».

Wagners 1845 uraufgeführte Oper basiert auf Volksballaden. Im Zentrum der drei Akte steht ein Wettstreit («Sängerkrieg») auf der Wartburg.

(fest/sda)

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