Stromsparen: von der Kür zur Pflicht
publiziert: Dienstag, 18. Sep 2012 / 09:21 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 18. Sep 2012 / 14:09 Uhr
Gastautorin Sara Stalder ist Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz SKS.
Gastautorin Sara Stalder ist Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz SKS.

Seit Jahren setzt sich die Stiftung für Konsumentenschutz SKS dafür ein, dass Stromsparen für Privathaushalte attraktiv wird. Wir sind überzeugt, dass jede eingesparte Kilowattstunde mehrfachen Nutzen erzeugt und daher Sparmodelle gefördert werden müssen. Doch in unserem Land haben die wenigsten Stromfabrikanten und -lieferanten oder deren Besitzer den unermesslichen Wert des Stromsparens erkannt.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Stromeffizienz-Initiative
«Für eine sichere und wirtschaftliche Stromversorgung»
stromeffizienzinitiative.ch

Als eindrückliches und langjähriges Beispiel für den Nutzen von Sparmodellen steht die Situation in Kalifornien: Seit den 1970er-Jahren wird die Stromwirtschaft belohnt, wenn sie weniger Strom produziert als im Voraus festgelegt. Die Auswirkungen sind eindrücklich: Heute verbraucht ein Durchschnittskalifornier einen Drittel weniger Strom als ein Durchschnittsamerikaner und der Stromabsatz Pro-Kopf hält sich seit Jahrzehnten auf gleichem Niveau.

In der Schweiz sind wir jedoch von solchen Eingriffen in die «freie Stromwirtschaft» mindestens so viele Meilen entfernt, wie die geografische Distanz unseres Landes zu Kalifornien misst. Wir müssen daher kleinere Schritte und Alternativen umzusetzen versuchen.

Grundtarife abschaffen

Ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt gerät wegen seiner Stromrechnung kaum in finanzielle Nöte und hat in der Regel keine Ahnung, wie hoch der Betrag der vierteljährlichen Stromrechnung ist - eine Beeinflussung des Verhaltens über das Portemonnaie scheint deshalb auf den ersten Blick wenig erfolgreich. Es ist aber erwiesen, dass sich Nutzerverhalten sehr schnell ändern, wenn spürbare finanzielle Einsparungen erreicht werden können. Auch beim Stromverbrauch könnte dieser Umstand genutzt werden: Würden die ungerechtfertigt hohen «Grundtarife» oder «Sockelgebühren» auf ein Minimum beschränkt, könnte stromsparendes Verhalten endlich monetär belohnt werden. Doch bisher haben nur die vier Stadtwerke von Zürich, Basel, Lausanne und Genf diese Abrechnungsumstellung getätigt und sind - aller Unkenrufe zum Trotz - deswegen nicht in finanzielle Schieflage geraten. Trotz mehrfacher Intervention von unserer Seite sehen die anderen Stromlieferanten bislang keinen Bedarf, diese faire Verrechnungsart einzuführen.

Die Volksmeinung ist gefragt

Um den äusserst zögerlichen offiziellen Stromspar-Bemühungen endlich Schub zu verleihen, braucht es die Stimme des Volks. Seit einigen Tagen läuft die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative «Für eine sichere und wirtschaftliche Stromversorgung (Stromeffizienz-Initiative, siehe weiterführende Links zur Meldung)». Die Initiative sieht ein verbindliches Stromeffizienzziel vor, ohne vorzugeben, wie das erreicht werden kann. Ideen zur Umsetzung gibt es einige, unter anderem die beiden obengenannten. Das politische System in der Schweiz würde vermutlich dazu führen, dass ein Puzzle von Massnahmen zur Auswahl stünde und die landesübliche Autonomie zu einer Massnahmenvielfalt führte.

Wichtigster Pfeiler: Stromeinsparung

In der neuen Energiestrategie muss dem Stromsparen die grösste Beachtung geschenkt werden: Allein mittels Effizienzmassnahmen könnte schliesslich in 20 Jahren auf die Stromproduktion von mehr als vier Kernkraftwerken in der Grösse Mühleberg verzichtet werden. Unverantwortlich, wer solche Potenziale nicht bis auf die letzte Kilowattstunde ausnutzt!

Stromsparen ist der Schlüssel für eine bezahlbare Energiewende mit Versorgungssicherheit. Welche Massnahmen zum Ziel führen, ist sekundär - nur verzögertes Handeln ist definitiv keine Option mehr.

(Gastautorin Sara Stalder/ETH-Zukunftsblog)

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