«Islam-feindlicher Film»
Sturm auf US-Botschaften in Kairo und Bengasi
publiziert: Mittwoch, 12. Sep 2012 / 09:39 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 12. Sep 2012 / 22:33 Uhr

Kairo/Bengasi - Aus Protest gegen einen angeblich Islam-feindlichen Film haben Demonstranten in Ägypten und Libyen US-Konsulate gestürmt. In der libyschen Stadt Bengasi kam ein amerikanischer Diplomat ums Leben, als Demonstranten Schüsse abgaben und die US-Vertretung niederbrannten. In Kairo wurde die US-Flagge herunter gerissen.

13 Meldungen im Zusammenhang
US-Aussenministerin Hillary Clinton bestätigte den Tod eines Mitarbeiters in Bengasi. Sie verurteilte den Angriff und erklärte, sie habe mit dem libyschen Präsidenten Mohammed al-Megarif telefoniert, um den Schutz von Amerikanern in Libyen zu koordinieren.

Clinton zeigte sich besorgt, dass die Proteste sich auf andere Länder ausweiten könnten. Die USA arbeiteten mit Partnern in der ganzen Welt zusammen, «um unsere Mitarbeiter, unsere Missionen und amerikanische Bürger weltweit zu schützen», sagte sie.

Die Proteste entzündeten sich an einem Film über den Propheten Mohammed, den ein Amerikaner in Kalifornien produzierte. In dem Film, von dem Ausschnitte im Internet bei YouTube zu sehen sind, wird der Prophet beim Sex gezeigt und seine Rolle als Überbringer von Gottes Wort angezweifelt. Das Video wird von einem ägyptischen Christen in den USA beworben.

US-Mission niedergebrannt

In Bengasi feuerten die Angreifer nach Angaben von Augenzeugen automatische Waffen und Granaten auf das Konsulat ab. Die libyschen Wachleute zogen sich angesichts der zahlreichen Demonstranten zurück. Ein Grossteil des US-Konsulats brannte nieder.

Ein Amerikaner wurde erschossen, ein zweiter an der Hand verletzt, wie ein Mitarbeiter des Innenministeriums in Bengasi erklärte. Die Ausschreitungen hätten etwa drei Stunden gedauert, danach habe sich die Lage beruhigt.

Stunden zuvor waren Hunderte Demonstranten vor die US-Botschaft in Kairo gezogen. Die meisten Mitarbeiter hatten das Gebäude bereits verlassen, weil es zuvor Warnungen vor den Protesten gegeben hatte. Die Demonstranten in der ägyptischen Hauptstadt, bei denen es sich mehrheitlich um Islamisten handelte, holten die amerikanische Flagge ein und zerrissen sie.

Die Menge wuchs im Verlauf des Abends immer mehr an, bis schliesslich Tausende vor der Botschaft versammelt waren. Das ägyptische Aussenministerium versicherte in einer Stellungnahme, es werde die diplomatischen Vertretungen sichern.

Video wird vorerst nicht entfernt

Ein Sprecher von YouTube erklärte, die Website werde das Video nicht entfernen. Sam Bacile, der Amerikaner, der nach eigenen Angaben das Drehbuch für den zweistündigen Film schrieb, ihn produzierte und auch Regie führte, sagte, er habe mit solch einer Reaktion nicht gerechnet. «Es tut mir leid für die Botschaft», erklärte er. «Ich bin wütend.» Er sei Jude und kenne die Region.

Der vollständige Film sei noch nicht gezeigt worden. Angebote für einen Vertrieb habe er bisher abgelehnt, sagte Bacile.

Der in Ägypten geborene Christ Morris Sadek bewarb das Video auf seiner Website und in diversen Fernsehsendern, wie er erklärte. Beide betonten, der Film zeige, wie koptische Christen in Ägypten unterdrückt würden.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - Ein Untersuchungsbericht zum tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi moniert schwere Sicherheitsmängel rund um die diplomatische Mission in Libyen. Die Sicherheitsvorkehrungen zur Abwehr solcher Angriffe waren laut dem Bericht zutiefst unzureichend. mehr lesen  1
Washington - Die ägyptischen Behörden haben laut einem Medienbericht einen mutmasslichen Extremistenführer festgenommen. ... mehr lesen
Die US-Geheimdienste hätten die lokalen Behörden unterstützt. (Symbolbild)
Bengasi - Nach der jüngsten Gewalt in Libyen haben die Behörden die Auflösung aller «illegitimen» Milizen beschlossen. ... mehr lesen
Alle bewaffneten Gruppen, welche sich nicht unter der staatlichen Autorität befinden, werden aufgelöst. (Symbolbild)
Bengasi - In Libyen haben hunderte Demonstranten drei Stützpunkte radikalislamischer Milizen gestürmt. Dabei kamen in der Nacht zum Samstag in Bengasi nach Spitalangaben zwei Demonstranten ums Leben, 30 weitere wurden verletzt. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Bengasi: Besonnene Stimmen gegen Moblems (Moblems = Moslems, die einen Mob bilden)
Valentin Abgottspon Es gibt «die Moslems» ebenso wenig, wie es «die Christen» oder «die Ausländer» gibt. Nur eine kleine, radikale, gewaltbereite Minderheit (die Moblems; also Moslems, die ... mehr lesen 4
Dhaka/Kabul - Die Regierung von Bangladesch hat sich für das Verbot eines in den USA privat hergestellten antiislamischen Schmähvideos ausgesprochen. Kein Muslim könne eine Verunglimpfung des Propheten Mohammed tolerieren, sagte Ministerpräsidentin Sheikh Hasina am Sonntag in der Hauptstadt Dhaka. mehr lesen 
Sydney - Der Angriff auf das US-Konsulat in Libyen am vergangenen Dienstag war ein Racheakt für die Tötung der ... mehr lesen
Etschmayer Die Proteste gegen den kontroversen und von fast niemandem in seiner Gänze gesehenen Mohammed-Film werden noch einige ... mehr lesen 2
Wenn Fanatiker Fanatiker fanatisieren (Symbolbild)
Bengasi/Washington/Kairo - Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi haben sich die anti-amerikanischen Proteste auf andere muslimische Länder ausgeweitet. Im Jemen wurden bei Protesten vor der US-Botschaft gegen einen anti-muslimischen Film vier Demonstranten getötet. mehr lesen  1
Kairo - Hunderte aufgebrachte Islamisten haben am Dienstagabend in Kairo vor der US-Botschaft demonstriert. Einigen gelang es, die ... mehr lesen 1
Die Flagge wurde durch ein islamisches Banner ersetzt.
Der Kustos der Schweizer Franziskaner, Pater Raphael Fässler vom Kloster Maria Dreibrunnen (Bild), betont dass das humanitäre Hilfswerk «Missionsverein der Schweizer Franziskaner in keinem Zusammenhang mit der Ordensleitung in Rom steht.
Der Kustos der Schweizer Franziskaner, Pater Raphael Fässler vom ...
Kirche  Wil SG - Die Schweizer Franziskaner sind von den finanziellen Unregelmässigkeiten in der Ordenszentrale in Rom nicht betroffen. Die Franziskanerkustodie Helvetia ist finanziell eigenständig und wirtschaftlich von der Ordenskurie in Rom unabhängig. 
Franziskaner am Rande der Pleite Rom - Der Franziskaner-Orden hat dubiose Finanzgeschäfte innerhalb der Organisation aufgedeckt. Er steht nach eigenen ...
Der Orden steckt in finanziellen Schwierigkeiten. (Symbolbild)
Verhüllungsverbot  Bern - Ein Verbot für der Burka würde in der Schweiz nach einer Umfrage eine Mehrheit finden. 62 Prozent ...   1
Auch in der eher weltoffeneren Romandie sprachen sich 60 Prozent der Befragten für ein Burkaverbot aus.
Sonntagsblätter berichten über Wahlumfrage und Burka-Verbot Bern - Eine Umfrage der «SonntagsZeitung» zeigt einen leichten Aufwärtstrend für fast alle ...
Die Sonntagspresse de­bat­tie­rt u.a. über die Léger-Wahlumfrage.
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1100
    Die Musen sterben! Es wäre ja eine schöne Sache, wenn alle Waren der Welt überall frei ... Sa, 22.11.14 20:28
  • LinusLuchs aus Basel 51
    Demokratie im Niedergang? Ihre Überlegungen finde ich absolut plausibel und sehr spannend, ... Sa, 22.11.14 11:32
  • Kassandra aus Frauenfeld 1100
    Kapitalismus im Niedergang? Ich möchte mich mal nur auf den Schluss ihres Beitrages konzentrieren, ... Fr, 21.11.14 18:36
  • LinusLuchs aus Basel 51
    Inquisition Reloaded Das Festhalten am Bekannten, Bewährten und damit am Sicheren, ... Fr, 21.11.14 13:45
  • jorian aus Dulliken 1534
    Die verdammten Fakten Warum heisst Grönland Grönland? Warum kann man in Schottland keinen ... Fr, 21.11.14 04:03
  • Kassandra aus Frauenfeld 1100
    Ideologische Scheuklappen? Sie haben wohl Recht, LinusLuchs, wenn Sie bezüglich der Aussage "„Dass ... Do, 20.11.14 18:34
  • Kassandra aus Frauenfeld 1100
    Das kann ich aus meinem Berufsleben unbedingt bestätigen. Mitarbeiter im Verkauf und den ... Do, 20.11.14 00:51
  • LinusLuchs aus Basel 51
    Neoliberalismus keine Ideologie? Patrik Etschmayer war bei diesem Satz wohl einen Moment etwas ... Mi, 19.11.14 13:18
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SO MO DI MI DO FR
Zürich 0°C 3°C leicht bewölkt sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Basel 0°C 3°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 2°C 4°C leicht bewölkt sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Bern 0°C 6°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig nebelig nebelig nebelig nebelig nebelig
Luzern 4°C 6°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Genf 0°C 8°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 11°C 11°C sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
mehr Wetter von über 6000 Orten