Sturm der Geschichte
publiziert: Donnerstag, 8. Mai 2008 / 11:06 Uhr / aktualisiert: Montag, 12. Mai 2008 / 08:45 Uhr

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Auch wenn Staatsphilosophen und manche Historiker es nicht gerne akzeptieren: Naturkatastrophen und andere einschneidende Umweltereignisse formten die menschliche Geschichte zum Teil mehr als jene Menschen, die selbst in Anspruch nehmen, diese zu machen.

Ein früher Wintereinbruch in Russland hat den zweiten Weltkrieg womöglich stärker beeinflusst als jedes andere Ereignis. Wandelnde klimatische Bedingungen zwangen ganze Völkerschaften zur Flucht aus ihren angestammten Landen und brachten so das römische Reich zum Zusammenbruch. Dürren, Erdbeben, Überschwemmungen haben schon Dynastien zu Staub zerfallen und zusammenbrechen lassen, haben ganze Nationen weggeschwemmt.

Trotz allem hängen sehr viele Mächtige, und solche, die sich dafür halten, immer noch der Illusion an, dass sie den Fortgang der Geschichte – ihrer eigenen und der ihres Landes – bestimmen. Die Visionen, welche meist Illusionen sind, bestimmen das Handeln und können auch dann nicht fallen gelassen werden, wenn eine Naturkatastrophe eintritt und ein völlig neues Denken erforderte.

Die birmesischen Nullen in Uniform, die momentan den Tod Zehntausender Menschen auf ihrem Gewissen haben und mit ihrer schreienden Unfähigkeit, sich von ihren grandios-unnützen Visionen zu trennen, noch Heerscharen neuer Toter verursachen werden, sind ein Paradebeispiel für diese Art der Hybris.

Gefangen in der Angst vor Machtverlust, konfrontiert mit ihrer seit Jahrzehnten praktizierten Unfähigkeit auf politischer, wirtschaftlicher und humanitärer Ebene und der daraus erwachsenden Wut des Volkes, fürchtet die birmesische Militärjunta nichts anderes mehr, als ihre Macht zu verlieren. Dass das Referendum über die neue Verfassung, an der seit 15 Jahren rumgebastelt wurde, auch nach der Katastrophe als extrem wichtig betrachtet wird und trotz der praktischen Vernichtung des Landes immer noch im Mai durchgeführt werden soll, zeigt, in was für einer abgekoppelten Parallelwelt das Regime existiert.

Die Militärs wollen offenbar weiter in der Illusion leben, dass sie alles im Griff haben und dies dem Volk auch zeigen. Hilfe fremder Länder, von denen sie wegen ihrer Menschenrechtsverletzungen kritisiert worden waren, wollen sie möglichst nicht annehmen. Derweil stirbt das Volk weg wie die Fliegen und wenn sich auch noch Seuchen ausbreiten werden, wird die Katastrophe apokalyptische Ausmasse annehmen.

Dabei ist der Junta längst die Kontrolle entglitten – mit der Zerstörung der Mangrovenwälder und der Küste, die sich jedes Jahr weiter ins Landesinnere frisst, wird die Natur jede der unfähigen Bemühungen der Militärs zunichte machen. Jene Bewohner, die überleben, werden fliehen und keine Armee kann diese Legion von Flüchtlingen dauerhaft zurück halten.

Es gäbe Möglichkeiten, selbst ein so verwundbares Land wie Birma wieder zu stabilisieren: technische und ökologischen Mittel bestünden. Doch solche Projekte können nur von funktionierenden Zivilgesellschaften in Angriff genommen werden, die das Gemeinwohl des Volkes als Ziel haben.

Es ist gut möglich, dass die Folgen dieses Zyklons die Junta in Rangun wegfegen und den Weg zu einer solchen Gesellschaft frei machen werden. Es wäre nicht das erste und bestimmt nicht das letzte Mal, dass ein Sturm der Geschichte sprichwörtlich ein solcher gewesen wäre.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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