Chaos in der Schweiz und Deutschland
Sturmtief «Niklas» fordert ein Todesopfer
publiziert: Dienstag, 31. Mrz 2015 / 18:51 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 31. Mrz 2015 / 22:42 Uhr

Bern - Das Sturmtief «Niklas» ist mit stürmischen Winden und Orkanböen über die Schweiz hinweggefegt. Dabei kam eine Person ums Leben, mindestens acht Personen wurden verletzt. Mehrere Bahnen und Bergbahnen mussten den Betrieb sicherheitshalber einstellen.

7 Meldungen im Zusammenhang
Ein 75-jähriger Autolenker verlor in Andelfingen ZH im Sturm sein Leben, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte. Als der Mann einem Waldrand entlang fuhr, stürzte ein Baum auf sein Fahrzeug und verletzte ihn so stark, dass er noch an der Unfallstelle verstarb. Die Feuerwehr musste ihn mit schwerem Gerät aus dem Auto bergen.

In Bubikon im Zürcher Oberland stürzte ein Baum auf das fahrende Auto einer 57-jährigen Frau. Die Lenkerin wurde verletzt und musste ins Spital gebracht werden, wie die Zürcher Kantonspolizei mitteilte.

In Kriens LU stürzte ein Velofahrer und verletzte sich. Er war von einem durch die Luft fliegenden Trampolin überrascht worden, das von einem Balkon geweht worden war. In Goldau SZ traf ein herumfliegendes Blech einen Arbeiter. Auch dieser Mann wurde verletzt.

In Wittenbach SG wurde ein 71-jähriger Spaziergänger von einer umstürzenden Tanne getroffen und eingeklemmt, wie die St. Galler Kantonspolizei mitteilte. Die Feuerwehr befreite ihn, und er wurde mit unbestimmten Rückenverletzungen ins Spital gebracht. Auf der Strasse von Goldach nach Untereggen fiel ein Baum auf ein Auto. Der 50-jährige Lenker erlitt unbestimmte Verletzungen und wurde ins Spital eingeliefert.

Die Aargauer Kantonspolizei meldete drei Leichtverletzte. Eine Frau wurde in einem Waldstück zwischen Kölliken AG und Gretzenbach SO von einem Baum verletzt. Sie konnte nach einer grösseren Suchaktion geborgen werden. In Brugg AG fiel ein Kantholz von einem Gerüst und verletzte zwei Bauarbeiter leicht.

Halbes Kirchendach in der Luft

Bei den Polizeien gingen wegen "Niklas" um die 200 Schadenmeldungen ein. In der Stadt Zürich riss der Sturm ein halbes Kirchendach fort. Das mehrere Hundert Kilo schwere Kupferteil stürzte auf die Strasse. Der Zwischenfall verlief glimpflich: Verletzt wurde niemand, drei Autos wurden stark beschädigt.

Umgestürzte Bäume und Bauabschrankungen behinderten in und um Zürich den Verkehr. Auch losgerissene Gerüste, Verkehrsschilder und losgerissene Schiffe hielten die Polizei auf Trab.

Auch im Thurgau machte "Niklas" der Polizei und den Feuerwehren viel Arbeit. In neun Fällen mussten die Einsatzkräfte teilweise abgedeckte Dächer sichern.

Betrieb eingestellt

Mehrere Bahnen stellten den Betrieb wegen des Sturms aus Sicherheitsgründen ein. Betroffen war die Matterhorn Gotthard Bahn zwischen Andermatt UR und Disentis GR. Der Autoverlad auf die Bahn zwischen Andermatt und Sedrun war deshalb nicht möglich.

Reisende des Glacier Express wurden zwischen Visp und Chur über Bern und Zürich und umgekehrt umgeleitet. Im Unterengadin war die Strecke der RhB zwischen Cinuos-chel-Brail und Zernez unterbrochen, weil ein Baum aufs Trassee gestürzt war.

Auch für einige Bergbahnen bedeutete der Sturm Stillstand, darunter für die Anlagen im Titlisgebiet und am Gemsstock bei Andermatt UR . Der Luzerner Hausberg Pilatus war per Bahn nicht erreichbar. Die für Dienstag geplante Eröffnungsfeier zur Inbetriebnahme der neuen Luftseilbahn von Fräkmüntegg auf den Pilatus wurde abgeblasen.

Orkanböen im Flachland

Auf dem Crap Masegn im Kanton Graubünden blies der Wind mit 164 Stundenkilometern, wie Meteonews am Abend mitteilte. Auf dem Säntis fegte der Sturm mit 160 km/h und auf dem Pilatus mit 150 km/h.

Auch im Flachland blies es heftig. Nach Angaben von Meteonews wurden im Mittelland Böen zwischen 70 und 100 Stundenkilometern registriert, in exponierten Lagen waren es örtlich bis zu 140 km/h. Selbst Orkanböen (über 118 km/h) meldete Meteonews aus Strengelbach AG mit 119 km/h und aus Schaffhausen. Dort wurden 118 km/h gemessen.

Der kräftige Wind heizte tüchtig ein. Im Südtessin sorgte der Nordföhn für den ersten "Sommertag": In Locarno-Magadino wurden 25,1 Grad gemessen. Über 21 Grad gab es in Schattdorf UR, über 20 Grad in Vaduz und in Altdorf. In Schwyz war es rund 19 Grad warm und in Luzern mit rund 18 Grad nur wenig kühler.

Drei Todesopfer in Deutschland

In Teilen Deutschlands legte Orkan "Niklas" den Verkehr lahm. Drei Menschen kamen dabei ums Leben.

In Sachsen-Anhalt starb ein Mann, als ihn eine umstürzende Betonmauer begrub, wie die Polizei mitteilte. In Rheinland-Pfalz erschlug ein umgestürzter Baum zwei Menschen. Laut Polizeiangaben fiel der Baum auf ein Dienstfahrzeug der Strassenmeisterei.

Im österreichischen Mauthausen starb ein Mann, der während des Sturms seine Terrassenüberdachung sichern wollte. Dabei stürzte er von der Leiter und zog sich tödliche Kopfverletzungen zu, wie die Nachrichtenagentur APA berichtete.

Zugverkehr gestört

Im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen stoppte die Deutsche Bahn am Vormittag den Nahverkehr komplett, im Fernverkehr fuhren nur einzelne Züge. In Bayern stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr wegen des Sturmtiefs komplett ein.

In der Nähe von Osnabrück stürzten am Dienstag mehrere Bäume auf einen Zug und stoppten den Intercity. Der Zug war mit etwa 350 Menschen besetzt. Verletzt wurde nach Angaben der Bundespolizei niemand.

Auch in anderen Bundesländern gab es Behinderungen im Bahnverkehr. Insgsamt waren Zehntausende Reisende und Pendler betroffen.

Dramatisch sah es zeitweise auf einer Autobahnbrücke bei Oldenburg in Niedersachsen aus. Es bestand die Gefahr, dass ein umgewehter Anhänger von einer 26 Meter hohen Brücke in die Hunte stürzt. Helfer konnten das Gespann rechtzeitig bergen.

Probleme im Flugverkehr

Probleme meldete Deutschlands grösster Flughafen in Frankfurt. Bereits seit dem Morgen kam es zu Verspätungen, am Nachmittag sprach der Betreiber Fraport von 55 ausgefallenen Starts und Landungen.

Am Flughafen Düsseldorf entschlossen sich einige Piloten angesichts der Windböen, durchzustarten und für die Landung neu anzufliegen. Dadurch entstanden einige Verspätungen. Am Hamburger Flughafen wurden mehrere Starts und Landungen gestrichen.

(fest/sda)

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