Suche nach neuer Hierarchie hält an
publiziert: Samstag, 13. Mrz 2010 / 00:00 Uhr

Die Suche nach er aktuellen Hierarchie in der Formel 1 kam fürs Erste dem Lesen im Kaffeesatz gleich. Der Trainingsauftakt für die Saison-Premiere vom Sonntag in Bahrain vermochte wie erwartet keinen Aufschluss zu geben.

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Klarere Konturen in der Hackordnung im seit Jahren bestbesetzten Fahrerfeld wird das Qualifying von heute Samstag bringen, zumal die Autos dannzumal mit (praktisch) identischer, minimaler Benzinladung versehen sein werden. Der Kampf um die Vormachtstellung ist also um (mindestens) einen Tag verschoben.

Unspektakuläres Comeback

Derart verlief auch die Rückkehr von Michael Schumacher nach drei Jahren Absenz trotz Platz 3 am Nachmittag unspektakulär. Gleichwohl war der Rekordchampion abseits der Strecke bereits wieder der «Mann der Begierde». Die Ansammlung von Medienvertretern vor der Hospitality seines Arbeitgebers Mercedes war jedenfalls ungleich grösser als jene bei McLaren, das mit Jenson Button und Lewis Hamilton den Titelhalter und dessen Vorgänger beschäftigt, oder bei Ferrari mit dem neuen Aushängeschild Fernando Alonso, dem Weltmeister von 2005 und 2006.

Bei McLaren hatte im unmittelbaren Vorfeld das Auto wegen einer neuen Errungenschaft am Heckflügel mehr im Mittelpunkt gestanden als die zwei Fahrer. Eine schlitzförmige Öffnung, die der Optimierung der Aerodynamik dient, hatte Fragen betreffend Legalität aufgeworfen. Die Zweifel sind mittlerweile beseitigt; Charlie Whiting, der technische Delegierte der FIA, hat die Konformität des bei der Konkurrenz in den Fokus geratenen Teils bestätigt.

Tankverbot macht das Rennen spannend

Der Weisheit letzter Schluss wird aber auch die Startaufstellung nicht sein. In den Rennen werden wegen des Tankverbots nochmals andere Qualitäten gefragt, der Gewichtsunterschied frappant sein. Haben die Fahrer in der Qualifikation jeweils rund 5 Kilogramm Sprit an Bord, werden es vor dem Start zu den Grands Prix rund 160 Kilogramm sein. Der nach 17 Jahren wieder ins Reglement aufgenommene Passus, durch den das Fassungsvermögen der Tanks von 130 bis 140 Liter auf 220 bis 230 Liter angestiegen ist, lässt den Reifen und vor allem den Bremsen eine noch bedeutendere Rolle zukommen.

Immense Unterschiede in Bezug auf die Spritladungen dürften die Autos auch während den ersten zwei je anderthalb Trainingsstunden aufgewiesen haben. Die ungewöhnlich grossen Differenzen bei den Rundenzeiten deuten jedenfalls darauf hin und machen es unmöglich, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Autos schlüssig zu beurteilen. Aus dieser Warte müssen die Bestwerte von Adrian Sutil in der ersten und Nico Rosberg in der zweiten Session mit Vorbehalt betrachtet werden. Aus dem Kreis der (erwarteten) Favoriten war jeder Fahrer zumindest einmal in einer vorderen Position zu finden, Alonso als Zweiter im ersten, Hamilton ebenso als Zweiter und Sebastian Vettel als Fünfter im zweiten Klassement, Button als Fünfter und Vierter.

Die ohnehin diffizile Abstimmungsarbeit an den Autos wird in Sakhir durch den Umbau des Rundkurses zusätzlich erschwert. Der neue Teil, der die Strecke um gut 800 Meter auf 6,3 Kilometer verlängert und acht zusätzliche Kurven bringt, erfordert einen Kompromiss. In den Sektoren 1 und 2, auf denen Spitzentempi von über 300 Stundenkilometern erreicht werden, ist wenig Abtrieb gefragt, im nachträglich errichteten zweiten Abschnitt mit den zahlreichen Richtungsänderungen so viel Abtrieb wie möglich.

Buemi am Nachmittag Zuschauer

Sébastien Buemi konnte sich mit den Gegebenheiten nicht wunschgemäss vertraut machen. Der Waadtländer war am Nachmittag wegen der streikenden Hydraulik am Toro Rosso zum Zuschauen verurteilt. «Ein Training komplett zu verpassen ist ärgerlich. Zum Glück habe ich die Strecke zur Genüge im Simulator 'befahren'. Ausserdem kann ich von den Anaylsen von Jaime (Alguersuari, Teamkollege) profitieren», berichtete Buemi.

Die Suche nach dem optimalen Set-up geht auch für das Sauber-Team weiter. Weder Pedro de la Rosa noch Kamui Kobayashi sind mit dem Stand der Dinge zufrieden. Der Spanier sprach von Verbesserungen im Laufe des Tages, «doch wir müssen unbedingt an der Abstimmung weiterarbeiten». Der Japaner, der im ersten Training einen platten Reifen eingefangen hatte, pflichtete seinem Stallgefährten bei. Er machte primär Probleme im neuen Sektor aus. «Dieser wellige Streckenabschnitt machte es bisher recht schwierig.»

Schlussklassement:
Sakhir. Grand Prix von Bahrain. Freies Training. Erster Teil: 1. Adrian Sutil (De), Force India-Mercedes, 1:56,583 (194,508 km/h). 2. Fernando Alonso (Sp), Ferrari, 0,183 Sekunden zurück. 3. Robert Kubica (Pol), Renault, 0,458. 4. Felipe Massa (Br), Ferrari, 0,472. 5. Jenson Button (Gb), McLaren-Mercedes, 0,485. 6. Lewis Hamilton (Gb), McLaren-Mercedes, 0,580. 7. Vitantonio Liuzzi (It), Force India-Mercedes, 0,611. 8. Nico Rosberg (De), Mercedes, 0,616. 9. Mark Webber (Au), Red Bull-Renault, 0,672. 10. Michael Schumacher (De), Mercedes, 1,079. 11. Jaime Alguersuari (Sp), Toro Rosso-Ferrari, 1,139. 12. Nico Hülkenberg (De), Williams-Cosworth, 1,311. 13. Sebastian Vettel (De), 1,360. 14. Sébastien Buemi (Sz), Toro Rosso-Ferrari, 1,816. 15. Rubens Barrichello (Br), Williams-Cosworth, 2,199. 16. Witali Petrow (Russ), Renault, 2,297. 17. Pedro de la Rosa (Sp), Sauber-Ferrari, 3,667. 18. Kamui Kobayashi (Jap), Sauber-Ferrari, 4,805. 19. Timo Glock (De), Virgin-Cosworth, 7,097. 20. Heikki Kovalainen (Fi), Lotus-Cosworth, 7,265. 21. Jarno Trulli (It), Lotus- Cosworth, 7,387. Ohne Zeit: Lucas di Grassi (Br), Virgin-Cosworth. Bruno Senna (Br), HRT-Cosworth. Karun Chandhok (Ind), HRT-Cosworth. -- 23 Fahrer im Training.

Zweiter Teil: 1. Rosberg 1:55,409 (196,487 km/h). 2. Hamilton 0,445. 3. Schumacher 0,494. 4. Button 0,667. 5. Vettel 1,050. 6. Hülkenberg 1,092. 7. Massa 1,146. 8. Petrow 1,341. 9. Alonso 1,731. 10. De la Rosa 1,846. 11. Kobayashi 1,943. 12. Sutil 1,952. 13. Barrichello 2,043. 14. Liuzzi 2,424. 15. Kubica 2,746. 16. Alguersuari 4,390. 17. Webber 5,035. 18. Kovalainen 5,464. 19. Trulli 5,581. 20. Glock 6,628. 21. Di Grassi 6,779. 22. Senna 11,559. Ohne Zeit: Buemi. Chandhok. -- 23 Fahrer im Training.

(David Bernold, Sakhir/Si)

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