Sünder mit erhobenem Zeigefinger
publiziert: Donnerstag, 15. Nov 2007 / 12:14 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 15. Nov 2007 / 12:42 Uhr

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Wenn es darum geht, anderen Ländern moralisches, ethisches und umweltfreundliches Handeln unter die Nase zu reiben, sind Schweizer vielfach ganz vorne mit dabei. Da wird mit dem Alu-Recycling geprahlt und sich über das Nicht-Tempolimit auf deutschen Autobahnen echauffiert. Und nun das: Das Bundesamt für Energie veröffentlicht eine Studie, nach der wir Schweizer sowohl beim Autofahren als auch beim Heizen, was den CO2-Ausstoss angeht, so ziemlich am Ende in Europa liegen.

Kann darüber ernsthaft jemand überrascht sein? Wer ein wenig über die Parkplätze in der Schweiz spaziert, wundert sich nicht darüber. Zum einen verstellen immer mehr Full-Size-SUVs die Gegend, die plakativsten Spritsäufer. Doch auch unter den normalen Limousinen und Kombis finden sich in der Schweiz jede Menge getarnter Hochleistungssportwagen. Es gibt vermutlich kaum ein Land, in dem pro Einwohner von den Deutschen Premium-Herstellern so viele S-, RS-, M- und AMG-Modelle verkauft werden. Fast alle von diesen verbergen unter ihren harmlos aussehenden Hauben hochdrehende und sehr durstige Acht- und Zehn-Zylinder-Motoren.

Und wer sich nicht grad in die Top-Klasse einkaufen kann, ist immer noch scharf auf kleinere SUVs und die stärkeren Modelle der normalen Baureihen. Das ist ein Luxus, den sich Herr und Frau Schweizer scheinbar leisten wollen: Wenn man schon zum Altglascontainer fährt, dann wenigstens mit Stil und einem potenten Motor unter dem Blech.

Ebenso betrüblich ist die offensichtliche Energieverschwendung, wenn es ums Heizen unserer Häuser, Wohnungen und Büros geht, lässt man die klimatischen Verhältnisse ebenso wie der sich daraus ergebende Heizenergieverbrauch pro Wohnfläche einfliessen. Es ist klar, dass sich kaum jemand finden wird, der wieder bescheidener wohnen will, aber es ist nicht einzusehen, warum in der Schweiz pro Quadratmeter über ein Drittel mehr an Energie zum Heizen verbraucht wird, wie in Schweden oder Finnland.

Sieht man allerdings, dass immer noch an vielen Orten in Miethäusern alte Fenster mit Doppelverglasung drin sind, wundert einen diese Sache schon weniger. Ebenso die immer noch lausige Isolierung von Dächern und Wänden. Man muss nur mal darauf achten, bei wie vielen Häusern schon kurz nach Neuschnee dieser schon wieder vom Dach weg geschmolzen ist, während er auf gut isolierten Häusern noch lange liegen bleibt.

Doch die Schweizer sind nicht nur Verschwender. In der Industrie geht die Schweiz sogar voran und gilt in Europa als Referenz für die effiziente Verwendung von Energie. Beim Energieverbrauch in Relation zur Wertschöpfung schwingen die Schweizer Unternehmen eindeutig oben aus. Zwar schränkt die Studie ein, dass hier auch strukturelle Faktoren eine grosse Rolle spielen, aber es lässt sich trotzdem nicht bestreiten, dass im professionellen Bereich scheinbar wesentlich genauer auf effizienten Einsatz von Energie geachtet wird, als nach dem Feierabend.

Angesichts von ständig steigenden Treibstoffpreisen ist es absurd, dass in der Schweiz immer noch ohne irgend einen Nutzen davon zu tragen, in die Gegend rausgeheizt wird. Es sollte eigentlich sofort damit begonnen werden, Häuser zu sanieren und Treibstoffe so zu verteuern, dass eine Motivation herrscht, auf sparsamere Autos umzusteigen. Mit diesen Einnahmen könnte die energetische Renovierung von Liegenschaften weiter gefördert werden.

Solange wir diese Problematik in der Schweiz nicht wirklich angehen, haben wir überhaupt keinen Grund, bei anderen Ländern mit dem erhobenen Zeigefinger zum Thema Umweltschutz herum zu fuchteln. Joghurt-Deckeli hin, Altglascontainer her...

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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