«Suizid eines Symbols» - Alitalia Opfer des Wahlkampfs
publiziert: Samstag, 5. Apr 2008 / 15:15 Uhr

Rom - «Das ist unannehmbar.» Jean-Cyril Spinetta stand vom Verhandlungstisch in Rom auf und ging. Nach wochenlangem Ringen um eine Übernahme der maroden Fluggesellschaft Alitalia schlug der Chef von Air France-KLM die Tür zu.

Silvio Berlusconi zog das Alitalia-Debakel in das ansonsten eher müde Wahlgeplänkel.
Silvio Berlusconi zog das Alitalia-Debakel in das ansonsten eher müde Wahlgeplänkel.
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Zuvor hatten die ebenso mächtigen wie kriegerisch gestimmten Gewerkschaften auch den jüngsten Kompromissvorschlägen der französisch-niederländischen Kaufinteressentin die kalte Schulter gezeigt. «Monsieur Spinetta», wie er von der Presse genannt wird, und die Rettungspläne für die einst stolze Airline Italiens waren gescheitert. Der Alitalia droht so endgültig der Absturz.

«Suizid eines Symbols», Italiens Aushängeschild Alitalia am Ende, so umschreibt die Tageszeitung «La Repubblica» diese neue Etappe im Niedergang der Fluggesellschaft. Persönliche Konsequenzen zog als erster Alitalia-Chef Maurizio Prato - er hatte ein Zusammengehen mit Air France-KLM trotz der von Paris daran geknüpften Bedingungen befürwortet.

Prato trat zurück, während seine immer stärker von Insolvenz bedrohte Alitalia den Verwaltungsrat zu einem Krisentreffen zusammentrommelte. Vom NATO-Gipfel in Bukarest aus beklagte der geschäftsführende Ministerpräsident Romano Prodi einen «Irrtum der Gewerkschaften», die den Bruch erzwungen hätten.

Opfer des italienischen Wahlkampfes

Je länger die zähen Verhandlungen mit Air France-KLM dauerten, desto mehr geriet das Geschäft in den Strudel des italienischen Wahlkampfes. Das Land wählt nach dem Scheitern von Prodis Mitte-Links-Regierung am 13./14. April ein neues Parlament.

Silvio Berlusconi, Oppositionschef und ziemlich aussichtsreicher Mitte-Rechts-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, zog das Alitalia-Debakel in das ansonsten eher müde Wahlgeplänkel: Mit einer finanzkräftigen Seilschaft könnte noch eine «italienische Lösung» auf die Beine gestellt werden, meinte er.

Dem Mitte-Links-Steuermann Walter Veltroni blieb der fromme Wunsch, man möge Alitalia aus dem Wahlkampf heraushalten.

Was jetzt, Alitalia?

Die Gewerkschaften stemmten sich gegen die Air France-KLM-Pläne zum Abbau von 2100 Arbeitsplätzen und einer Flottenverringerung - aber auch gegen eine herabgestufte Drehscheibe Mailand-Malpensa für Alitalia. So verbanden sich gewerkschaftliche mit regionalen Interessen.

«Auf diesem Unternehmen liegt ein Fluch, nur ein Exorzist kann es retten», brachte es Prato auf einen Nenner: 15 Mrd. Euro Verlust in 15 Jahren. Kein Wunder, dass der italienische Staat seinen Anteil von 49,9 Prozent loswerden will. Es war Prodis Regierung, die einen Deal mit Air France-KLM anstrebte.

Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa sagte unterdessen, es gebe keinen anderen Käufer für Alitalia, dies bleibe ein Wunschtraum. Im römischen Parlament führte der Minister die Sanierung von Swiss und Sabena als erfolgreiche Vorbilder an.

Nach dem Gesetz bleibt nun als eine Möglichkeit die Ernennung eines Alitalia-Kommissars, der die Schulden der in den letzten Zügen liegenden Fluggesellschaft einfriert und über Liquidation oder Sanierung entscheidet. Doch zunächst einmal geht Italien wählen.

(Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa/sda)

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