
Oslo - 21 Jahre nach der Zuerkennung des Friedensnobelpreises hat die burmesische Oppositionschefin Aung San Suu Kyi in Oslo ihren Nobelvortrag nachgeholt. Sie forderte am Samstag zu koordinierter internationaler Hilfe bei den Reformen in ihrer Heimat auf.
Hier hatte Suu Kyi am 10. Dezember 1991 die Auszeichnung für ihren gewaltlosen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte nicht selbst in Empfang nehmen können. Sie wurde von der damaligen Militärjunta unter Hausarrest gestellt und in Oslo von ihrem 1999 verstorbenen Ehemann Michael Aris und den beiden Söhnen Alexander und Kim vertreten.
Seit den Parlamentswahlen im April kann sie ungehindert als Chefin der Opposition wirken. An der nachgeholten Nobel-Feier nahm, wie bei den jährlichen Verleihungen üblich, Norwegens König Harald V. teil.
Hoffen auf politische Lösungen
Wenige Tage nach den blutigen Ausschreitungen zwischen Buddhisten und Muslimen mit mindestens 31 Toten im Bundesland Rakhine sagte Suu Kyi zur Lage in Burma, sie hoffe auf politische Lösungen durch Waffenstillstandsvereinbarungen.
Zu generellen politischen Entwicklung in Burma meinte sie: «Die von Präsident Thein Seins Regierung in Gang gesetzten Reformmassnahmen können nur dauerhaft wirken, wenn alle inneren Kräfte intelligent kooperieren.» Dazu gehörten das Militär, die ethnischen Gruppen, politische Parteien, die Medien, die Zivilgesellschaft, Organisationen, Wirtschaft und vor allem die Öffentlichkeit insgesamt.
Zur Bedeutung des Friedensnobelpreises während der Isolierung durch zwei Jahrzehnte Hausarrest und politischer Unterdrückung meinte die Burmesin: «Der Preis hat die Aufmerksamkeit der Welt auf den Kampf für Demokratie und Menschenrechte in Burma gelenkt. Wir wurden vor dem Vergessen bewahrt.»
«Moralische Führungsgestalt»
Der Chef des norwegischen Nobelkomitees, Thorbjørn Jagland, nannte Suu Kyi in seiner Laudatio eine «moralische Führungsgestalt für die ganze Welt». Sie habe in zwei Jahrzehnten persönlicher und politischer Verfolgung weder Bitterkeit noch Feindseligkeit entwickelt. «Wenige haben mehr dafür geleistet, dass die Welt ein besserer Platz für uns alle wird.»
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte, es werde Realität, was vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen sei: Burma öffne sich der Welt. Es sei zu hoffen, dass die dortigen Reformen fortgeführt und vertieft würden.
In der kommenden Woche will Suu Kyi in London mit beiden dort lebenden Söhnen ihren 67. Geburtstag feiern. Sie absolviert seit Mitte der Woche eine Europareise durch fünf Länder (Schweiz, Norwegen, Irland, Frankreich und Grossbritannien).
(laz/sda)
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