Symbolhafter Eklat zum Abschied
publiziert: Montag, 15. Dez 2008 / 22:32 Uhr

Washington - Der irakische Fernsehjournalist Montasser al-Saidi hat George W. Bush die letzte Show gestohlen. Der Schuhwurf von Bagdad wird als prägendes Bild der letzten Dienstreise Bushs durch den Irak und Afghanistan bleiben.

Der irakische Fernsehjournalist Montasser al-Saidi bewirft George W. Bush mit Schuhen.
Der irakische Fernsehjournalist Montasser al-Saidi bewirft George W. Bush mit Schuhen.
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«Bushs Hoffnungen auf einen triumphalen Abschiedsbesuch wurden vereitelt», schrieb die konservative «Washington Times» bedauernd. Stattdessen wird es nun «sehr viele Schuhwitze geben», wie der Republikaner selbst später unkte.

Fast symbolisch für die acht Jahre seiner wenig glücklichen Präsidentschaft drückt ein Eklat seiner letzten Auslandsreise einen Stempel auf. Denn seine Amtszeit ist voll von irritierenden Bildern und Peinlichkeiten.

Schuhwerfer als Beleg für Demokratie

Sechs Wochen vor seinem Auszug aus dem Weissen Haus wollte der unpopuläre Präsident mit Blitzbesuchen in den Kriegsgebieten die Erfolge der «jungen Demokratien» feiern. Bush ist stolz auf die jüngsten Fortschritte im Irak. Er sieht in der neuen Strategie und Aufstockung der Truppen die Schlüssel für die Stabilisierung.

Nach wie vor glaubt der Republikaner, dass der Irak und Afghanistan «Bollwerke von Freiheit und Frieden» und «Leuchttürme» in der islamischen Welt sein werden. Selbst in den Schuhwürfen sah Bush den Beleg für Fortschritt: «Das ist, was in freien Gesellschaften geschieht.»

Die «New York Times» sprach von einem «tief symbolischen Akt, der die unterschiedlichen Sichtweisen im Irak über den Mann spiegelt, der Saddam Hussein stürzte, die Besatzung des Landes anordnete und unter enormen Kosten Freiheiten brachte, die unter Saddam undenkbar gewesen wären». Bush glaubt, dass der Irak-Feldzug letztlich eine Erfolgsgeschichte seiner Politik ist.

Mit Iraks Präsident Nuri al-Maliki konnte er in Bagdad in festlichem Rahmen als Beleg das Abkommen über den US-Truppenabzug bis 2011 unterschreiben - aber was war das schon im Vergleich zu der spektakulären Attacke gegen den mächtigsten Mann der Welt, gegen die zornigen Verwünschungen des 28-jährigen Irakers, der Bush im Namen der «Getöteten, Witwen und Waisen» als «Hund» beschimpfte?

Bilder einer verpatzten Präsidentschaft

Es sind schon so viele verstörende, empörende, lächerliche Bilder der Bush-Ära, die im kollektiven Bewusstsein der Menschen weltweit eingebrannt sind - und die das Bild von ihm noch lange prägen werden. Unverständliche Szenen wie jene in einem Klassenzimmer in Florida, als ein Berater ihn über die Terroranschläge des 11. September 2001 informiert, und Bush weiter aus dem Kinderbuch vorliest.

Dramatische Aufnahmen, wie die der erniedrigten und gepeinigten Iraker im US- Gefängnis von Abu Ghoreib. Befremdliche Bilder wie die, als Bush nach dem Hurrikan Katrina an Bord der «Air Force One» aus dem Fenster auf das überflutete, zerstörte New Orleans schaut.

Und viele, viele komische Aufnahmen: Beispielsweise wann immer der Texaner tanzt - gleich ob mit Kindern beim Weihnachtsfest, mit Stammesmitgliedern in Afrika oder gar solo steppend auf den Stufen des Weissen Hauses.

Oder das erschrockene Gesicht von Kanzlerin Angela Merkel, als Bush ihr beim G8-Gipfel in St. Petersburg plötzlich die Schultern massiert. In Bagdad sind nun neue Szenen einer in vieler Hinsicht verunglückten Präsidentschaft dazu gekommen.

(Von Laszlo Trankovits, dpa/sda)

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