Pause in Genf bis Ende Februar
Syrien-Friedensgespräche ausgesetzt
publiziert: Mittwoch, 3. Feb 2016 / 19:54 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 3. Feb 2016 / 21:00 Uhr
UNO-Syrienbeauftragter Staffan de Mistura. (Archivbild)
UNO-Syrienbeauftragter Staffan de Mistura. (Archivbild)

Genf - Die Genfer Friedensgespräche für Syrien werden bis Ende des Monats ausgesetzt, noch bevor sie richtig begonnen haben. Der UNO-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura sagte am Mittwoch in Genf, die Gespräche seien bis zum 25. Februar «vorübergehend unterbrochen».

9 Meldungen im Zusammenhang
Nicht nur für die UNO stehe "noch Arbeit" an, sondern auch für die Konfliktparteien. Das bedeute nicht "das Ende oder das Scheitern der Gespräche", fügte de Mistura hinzu. Es werde aber dringend internationale Unterstützung namentlich der USA und Russlands benötigt.

De Mistura hatte seit Freitag in getrennten Treffen mit Vertretern der syrischen Regierung und ihrer Gegner versucht, die indirekten Verhandlungen zur Beendigung des syrischen Bürgerkriegs zum Laufen zu bringen.

Grundlage der Genfer Gespräche ist eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats vom 18. Dezember. Diese sieht einen mehrstufigen Zeitplan zur Beendigung des Konflikts vor, an dessen Ende eine Übergangsregierung stehen soll.

De Mistura hatte noch am späten Dienstagabend im Schweizer Fernsehen eindringlich vor einem Scheitern der Gespräche gewarnt. Sollte dies passieren, "wäre alle Hoffnung verloren", sagte er. Das Vertrauen zwischen der Delegation des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und den Vertretern der Rebellen sei "gleich null", klagte er.

Treffen mit Oppositionsführer

Ein für Mittwochnachmittag angesetztes Gespräch zwischen de Mistura und Riad Hidschab, dem Koordinator der im Hohen Verhandlungskomitee (HNC) zusammengeschlossenen Assad-Gegner, hatte Hoffnungen geweckt, es könne einen Ausweg aus der verfahrenen Lage geben. Hidschab, ein ehemaliger Regierungschef unter Assad, war 2012 zu dessen Gegnern übergelaufen. Er gehört keiner islamistischen Gruppierung an.

Das HNC verlangte vor Verhandlungsbeginn humanitären Zugang zu allen von Regierungssoldaten belagerten Städten, die Freilassung tausender Gefangener und ein Ende der Luftangriffe auf Zivilisten seitens der Armee Syriens und Russlands.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagte aber am Mittwoch, die Angriffe in Syrien würden so lange fortgesetzt, bis alle "Terrorgruppen" im Land vernichtet seien. Er sehe "keinen Grund", weshalb die Luftangriffe eingestellt werden sollten.

Moskau und Damaskus werfen dem HNC vor, mit "Terroristen" durchsetzt zu sein, zu denen auch der Chefunterhändler, der Islamist Mohammed Allusch von der Gruppierung Dschaisch al-Islam, zähle. Die syrische Regierungsdelegation unter Leitung von Syriens UNO-Botschafter Baschar al-Dschafaari bezichtigte das HCN ausserdem, schlecht organisiert zu sein und keine Unterhändler benannt zu haben.

Versorgungsroute der Rebellen gekappt

In Syrien kappte derweil die Armee des Regimes nach Militärangaben eine Versorgungsroute der Rebellen von Aleppo zur türkischen Grenze. Es gibt allerdings eine zweite Versorgungsstrasse, die noch von den Aufständischen kontrolliert wird. Die Metropole Aleppo ist geteilt: Den Westen kontrollieren Regierungstruppen, den Osten die Rebellen.

Syriens Armee war in den vergangenen Tagen unterstützt von Luftschlägen der verbündeten Russen nördlich von Aleppo vorgerückt. Nach Angaben der syrischen Nachrichtenagentur Sana hatten die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad dabei auch die Belagerung der Dörfer Nubul und Sahraa beendet. Die Orte waren drei Jahre lang von Rebellenverbänden eingeschlossen gewesen.

Mehr Hilfsgelder gefordert

Unter den fortdauernden Kämpfen leidet die Zivilbevölkerung. Mehr als 90 internationale Hilfsorganisationen, die in Syrien und den Anrainerstaaten aktiv sind, forderten die Teilnehmer der am Donnerstag in London beginnenden Syrien-Geberkonferenz zu einer deutlichen Aufstockung der Hilfsgelder auf.

Nötig seien ausserdem ein besserer Schutz der Zivilisten, ein besserer Zugang für Kinder zu Schulen und bessere Arbeitsmöglichkeiten für geflohene Syrier in den Nachbarstaaten, erklärten sie am Mittwoch.

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Beirut - Die syrische Opposition will an der neuen Gesprächsrunde zur Beilegung des Syrien-Konflikts teilnehmen. Das Hohe ... mehr lesen
Die Gespräche werden am Donnerstag in Genf stattfinden.
Die Schweiz arbeitet mit Baschar al-Assads Regierung zusammen.
Bern - Die Schweiz verhandelt seit drei Jahren direkt mit der Regierung von Syriens ... mehr lesen
Washington - US-Aussenminister John Kerry hat Russland erneut vorgeworfen, bei seinen Luftangriffen in Syrien zahlreiche ... mehr lesen
«Weder Assad noch seine Unterstützer haben dies gewährleistet», sagte Kerry.
Aleppo - Der Vormarsch der Regimetruppen in Nordsyrien zwingt zehntausende ... mehr lesen
London - Die Weltgemeinschaft zahlt mehr als zehn Milliarden Dollar an internationale Hilfsorganisationen für syrische ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Geberkonferenz will Milliarden-Hilfen für die Flüchtlinge und Opfer des Bürgerkriegslandes sammeln.
London - In London hat am Donnerstag eine internationale Syrien-Geberkonferenz begonnen, die Milliarden-Hilfen für die ... mehr lesen
Washington - Die USA haben Russland eine Mitschuld an der dreiwöchigen ... mehr lesen
John Kerry sieht die Schuld eindeutig auch bei Russland.
Die Lage in Syrien ist weiterhin heikel.
Genf - Das wichtigste syrische ... mehr lesen
Genf - Während die Syrien-Friedensgespräche in Genf nur in winzigen Schritten vorankommen, geraten die Rebellen im Norden ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 16
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Russland und Westen kooperieren bei Syrien-Hilfe Berlin - Russland und westliche Staaten arbeiten bei der humanitären Hilfe für die syrische Bevölkerung ... 1
Rund 150'000 Binnenflüchtlinge hätten Schutz im syrisch-türkischen Grenzgebiet gesucht.
Über 60 Luftangriffe wurden geflogen. (Symbolbild)
Dschihadisten bei Luftangriffen in Syrien getötet Beirut - Bei Luftangriffen im Nordwesten Syriens sind nach Angaben von Aktivisten am Donnerstag mindestens 16 ... 1
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Blödsinn! Das Schaf ist selbst daran Schuld, dass es vom Wolf gerissen wird, ... Mi, 01.06.16 00:50
  • Pacino aus Brittnau 731
    Radikale führen immer . . . . . . in die Sackgasse. Es ist auch die Linke, die die AfD gefördert ... Di, 31.05.16 07:36
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 18°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 20°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 17°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 18°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 18°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 20°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 21°C 27°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten