Neuer Versuch
Syrien-Vermittler sieht Verhandlungsbereitschaft
publiziert: Donnerstag, 23. Jan 2014 / 07:23 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 23. Jan 2014 / 19:07 Uhr
Lakdahr Brahimi in Montreux.
Lakdahr Brahimi in Montreux.

Montreux - Nach dem konfrontativen Auftakt der Syrien-Friedenskonferenz hat sich der UNO-Vermittler Lakhdar Brahimi zuversichtlich geäussert, dass sich die Konfliktparteien doch noch annähern.

8 Meldungen im Zusammenhang
"Wir haben einige eindeutige Hinweise, dass Parteien bereit sind, Fragen wie den Zugang zu Bedürftigen, die Freilassung von Gefangenen und örtlich begrenzte Feuerpausen zu diskutierten", sagte Brahimi.

Er traf sich am Donnerstag in Montreux getrennt mit Vertretern der syrischen Regierung und der Opposition, um zunächst einen Konsens in humanitären Fragen wie etwa der Versorgung der notleidenden Bevölkerung zu erreichen. Oppositions-Unterhändler Haitham al-Maleh sagte, die Stimmung sei ungeachtet des ersten schwierigen Verhandlungstages positiv.

Maleh sprach von einem Prozess in zwei Stufen. Bevor die politische Zukunft des Landes erörtert werden könne, müssten praktische Fragen wie der Austausch von Gefangenen, Feuerpausen, der Verzicht auf schwere Waffen sowie die Einrichtung von Hilfskorridoren besprochen werden.

Die eigentliche Friedenskonferenz sollte am Freitag in Genf fortgesetzt werden. Zum Auftakt in Montreux hatten der syrische Aussenminister Walid al-Mualem und die Oppositionsvertreter sich mit verbalen Angriffen überzogen. Der Syrien-Konflikt dauert seit fast drei Jahren an. Dabei sind mehr als 100'000 Menschen getötet worden.

Al-Kaida-Chef fordert islamistische Rebellen zur Einigkeit auf

Neben den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungseinheiten gab es zuletzt immer mehr Gefechte zwischen einzelnen islamistischen Gruppen. Insbesondere die Al-Kaida-nahe Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante (ISIL) war in den vergangenen Wochen in zahlreiche Kämpfe verstrickt.

Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri forderte die islamistischen Rebellen in Syrien auf, sich nicht weiter gegenseitig zu bekämpfen und sich zusammenzuschliessen. "Wir rufen all unsere Brüder in den dschihadistischen Gruppen auf, ... daran zu arbeiten, den Aufruhr zu beenden", hiess es in einer auf islamistischen Internet-Seiten veröffentlichten Ton-Aufnahme, die al-Sawahiri zugerechnet wurde.

Kurden und Christen wollen an Konferenz teilnehmen

Vertreter von Kurden und syrischen Christen beantragten in Genf, an der Friedenskonferenz zu Syrien beteiligt zu werden. Eine politische Lösung könne nur unter Einbezug sämtlicher Volksgruppen gefunden werden, sagte Bassam Ishak, ein Vertreter der syrischen Christen.

Der Präsident der syrisch-kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Mohammed Saleh Muslim sagte: "Man versucht, die Kurden von einer politischen Lösung auszuschliessen."

Weiter meinte er, Genf II werde keinen Waffenstillstand erreichen können, weil die Leute in der Delegation der Oppositionellen keine Kontrolle über die Kampftruppen in Syrien hätten.

Bericht über Folter zurückgewiesen

Das syrische Justizministerium wies einen Bericht dreier Juristen aus Grossbritannien und den USA über systematisch zu Tode gefolterte Häftlinge in Gefängnissen des Landes als parteilich zurück. 
In einer Erklärung vom Mittwoch hiess es, dem Bericht fehle es an "Aufrichtigkeit", "Objektivität" und "Professionalität". Die beigefügten Fotos seien "gefälscht". "Jeder, der im Bereich kriminalpolizeilicher Ermittlungen arbeitet, wird sagen, dass diese Fotos gefälscht sind und in keiner Weise mit Häftlingen in syrischen Gefängnissen zu tun haben", hiess es in der Erklärung.

Bei einigen der auf den Fotos gezeigten Toten handle es sich um "ausländische Terroristen", die im Kampf gegen Regierungstruppen getötet oder um Menschen, die von "bewaffneten terroristischen Gruppen" getötet oder zu Tode gefoltert worden seien. Ziel des unmittelbar vor der internationalen Syrien-Konferenz in Montreux veröffentlichten Berichts sei es, die Friedensbemühungen für Syrien zu torpedieren.

Der Bericht war am Dienstag zuerst von der britischen Tageszeitung "Guardian" und dem US-Fernsehsender CNN veröffentlicht worden. Er soll sich auf Aussagen und grausame Fotomotive eines Überläufers aus den Reihen der syrischen Militärpolizei stützen. Den Bericht hatte das Golfemirat Katar in Auftrag gegeben, das die syrischen Rebellen finanziell und militärisch unterstützt. Die Verfasser sprachen von "Tötungen im industriellen Ausmass" durch die Staatsführung des syrischen Staatschefs Baschar al-Assad. Rund 55'000 Bilder von etwa 11'000 toten Häftlingen sollen vorliegen.

Verfasst wurde der 31-seitige Bericht vom ehemaligen britischen Chefankläger des Kriegsverbrechertribunals für Sierra Leone, Desmond de Silva, dem im Prozess gegen den liberianischen Präsidenten Charles Taylor vor dem gleichen Tribunal aktiven US-Ankläger David Crane sowie dem britischen Ankläger im Verfahren gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic, Geoffrey Nice.

(fajd/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Lakhdar Brahimi.
Genf - Die syrische Regierung hat ... mehr lesen
Genf - Nach fast drei Jahren Bürgerkrieg keimt erstmals Hoffnung auf eine ... mehr lesen 1
Angeblich hat nur UNO-Vermittler Lakhdar Brahimi das Wort ergriffen.(Archivbild)
Bern - Trotz Hasstiraden und gegenseitigen Anschuldigungen wollen die syrischen Bürgerkriegsparteien ihre Friedensverhandlungen in Genf mit direkten Gesprächen fortsetzen. Das kündigte der UNO-Vermittler Lakhdar Brahimi am Freitagabend nach Einzelgesprächen an. mehr lesen 
Baschar al-Assad.
Montreux - Zum Auftakt der Syrien-Konferenz ist es in Montreux zu Demonstrationen für und gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad gekommen. Nach Angaben der Polizei gab es keine Zwischenfälle. ... mehr lesen 1
Weitere Artikel im Zusammenhang
Montreux - Der Streit über die ... mehr lesen
Syriens Aussenminister Walid al-Muallim.
Ban Ki Moon.
Montreux - Nach knapp drei Jahren ... mehr lesen
London - In syrischen Gefängnissen ... mehr lesen 3
Einige der toten Häftlinge auf den Bildern hatten keine Augen mehr.(Symbolbild)
Die...
Kurden machen ca. 15% der Bevölkerung in Syrien aus. Sie haben ihr historisches Siedlungsgebiet gegen heftige Angriffe der islamistischen Terroristen verteidigt. Haben den grossen Feind des Westens "Al-Kaida" aus ihren Gebieten vertrieben und tausende von den Terroristen getötet. In den kurdischen Gebieten leben verschiedene Ethnien friedlich zusammen. Trotzdem werden sie nicht erwähnt und finden keine Anerkennung. Auch zu den Verhandlungen in Genf werden sie nicht eingeladen. Wie soll eine Lösung in Syrien gefunden werden wenn wichtige teile der Bevölkerung ausgeschlossen werden?
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte gedacht. mehr lesen  
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem Warschauer Gipfel vor grossen Herausforderungen. Einen neuen Kalten Krieg will er trotz mehr Präsenz im Osten vermeiden. mehr lesen   1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 13°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Basel 15°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 14°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Bern 13°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 14°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Genf 17°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 18°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten