Blutbad mit 250 Toten
Syrische Opposition fordert «sichere Zone»
publiziert: Mittwoch, 21. Dez 2011 / 13:10 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 21. Dez 2011 / 19:26 Uhr
Am Dienstag wurden dutzende Soldaten, die zur Protestbewegung überlaufen wollten, getötet.
Am Dienstag wurden dutzende Soldaten, die zur Protestbewegung überlaufen wollten, getötet.

Nikosia - Nach neuen Blutbädern fordert die syrische Opposition die Einrichtung einer «sicheren Zone» in den Provinzen Idlib und Homs. Diese Zone sollte international geschützt werden, hiess es in einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung des Syrischen Nationalrates.

3 Meldungen im Zusammenhang
Das Regime von Präsident Baschar al-Assad habe am Montag und Dienstag in diesen Gebieten Massaker verübt und etwa 250 Menschen getötet.

Gleichzeitig forderte der Rat, der die meisten Oppositionsgruppen repräsentiert, eine Sitzung des UNO-Sicherheitsrates. Die UNO solle das Regime zwingen, seine Truppen aus den belagerten Gebieten abzuziehen.

Die Arabische Liga, die Beobachter nach Syrien schicken will, wurde aufgefordert, gemeinsam mit der UNO Massnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu ergreifen. Die Liga forderte die syrische Führung auf, sofort alle Militäreinsätze gegen Oppositionelle zu beenden.

Massaker an Zivilisten und Deserteuren

In einem Dorf im Westen Syriens sollen Regierungstruppen und Milizionäre am Dienstag mehr als 100 Zivilisten getötet haben. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter teilte am Mittwoch mit, die Namen von 56 Toten seien bekannt. Weitere 55 Leichen seien nach dem Massaker in Kafr Oweid noch nicht identifiziert worden.

Ein Aktivist, der aus der Umgebung des Dorfes stammt und in einem syrischen Flüchtlingslager in der Türkei lebt, sprach von 120 Toten. Er sagte, die Zivilisten seien in einer Moschee erschossen worden. Unter den Toten sei der Prediger der Moschee. Die Angreifer hätten ihn enthauptet und seinen Kopf aufgehängt.

Ebenfalls am Dienstag kamen laut der Beobachtungsstelle in der Provinz Idleb rund 100 Soldaten ums Leben oder wurden verletzt. Auf sie sei geschossen worden, weil sie sich der Oppositionsbewegung anschliessen wollten. Idleb liegt an der Grenze zur Türkei.

Da unabhängige Medienvertreter keinen Zugang zu den Konfliktregionen in Syrien haben, lassen sich derartige Berichte oft nur indirekt, mit zeitlicher Verzögerung oder gar nicht verifizieren.

Internationales Entsetzen

Mit Entsetzen reagierten mehrere Staaten auf Berichte über die Massaker in Syrien. Der Menschenrechtsbeauftragte Deutschlands, Markus Löning, verurteilte die «exzessive Gewaltanwendung durch das syrische Regime» am Mittwoch «aufs Schärfste». «Berichte über Massenexekutionen von syrischen Deserteuren» durch die reguläre Armee seien «erschütternd».

Die US-Regierung verlangte in seltener Schärfe den Rücktritt von Präsident Baschar al-Assad. Ein Machtverzicht Assads sei der einzige Weg zu politischem Wandel.

Frankreich warf den syrischen Sicherheitskräften ein «beispielloses Blutbad» vor, und auch die Türkei protestierte. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil al-Arabi, sagte in Kairo, die jüngsten Berichte über eine Zunahme der Gewalt in Syrien hätten ihn sehr beunruhigt.

Die Liga will an diesem Donnerstag ein Voraus-Team von 14 Diplomaten und Experten nach Damaskus schicken. Diese sollen die Beobachtermission der Liga in Syrien vorbereiten, die Ende Dezember beginnen soll.

Al-Arabi betonte, eine Beendigung der Gewalt sei ebenso Teil der Vereinbarung zwischen Syrien und der Liga wie der Abzug des Militärs aus den Städten und die Freilassung aller inhaftierten Demonstranten.

Erneut Tote

Am Mittwoch töteten die Truppen des Regimes im Umland von Damaskus sowie in den Provinzen Idlib, Daraa, Hama, Homs und Aleppo laut Aktivisten 16 Menschen, darunter ein Kind und ein Polizisten, der sich den Befehlen seines Kommandanten widersetzt haben soll.

In Hama habe der örtliche Vorsitzende der «Politischen Sicherheit» einen Hauptmann der Armee erschossen, weil er sich geweigert habe, auf Demonstranten zu schiessen.

Unterdessen wurden der bekannte syrische Oppositionelle Abdulasis al-Chair ist am Flughafen von Damaskus festgenommen, wie mehrere Oppositionelle berichteten. Al-Chair habe nach Kairo fliegen wollen, hiess es.

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
New York - Im Streit um eine ... mehr lesen
Im UNO-Sicherheitsrat herrscht Unzufriedenheit über Syrien.
Die Kämpfe in Syrien finden kein Ende.
Istanbul/Damaskus - Wenige ... mehr lesen
Istanbul/Damaskus - Kurz vor dem ... mehr lesen
Syrien findet nicht zur Ruhe - Weitere Gefechte zwischen der Armee und «terroristischen Gruppen». (Archivbild)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. Versuche von oppositionellen syrischen Kräften, die am Freitag begonnene ... mehr lesen 1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nahm an der Gedenkfeier teil.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben ... mehr lesen  
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem Warschauer Gipfel vor grossen Herausforderungen. Einen neuen ... mehr lesen   1
Die NATO sei weiterhin an einem Dialog mit Russland interessiert.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 1°C 12°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
Basel 4°C 12°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
St. Gallen 2°C 9°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer sonnig
Bern 2°C 10°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
Luzern 2°C 11°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
Genf 2°C 11°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
Lugano 4°C 12°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten