System an der Grenze
publiziert: Freitag, 10. Aug 2012 / 12:50 Uhr / aktualisiert: Freitag, 10. Aug 2012 / 13:56 Uhr
Kommt noch eine Dürre dazu, ist das System am Limit.
Kommt noch eine Dürre dazu, ist das System am Limit.

Wir können von Zivilisation und Technologie reden, solange wir wollen, davon, wie wir die Natur beherrschen. Doch nur schon die Tatsache, dass wir uns übers Wetter nerven, beweist, wie hilflos wir eigentlich sind. Und noch hilfloser, wenn auf der Welt das Essen knapp zu werden droht.

14 Meldungen im Zusammenhang
Wer mal schnell «Dürre» suchen geht (und dabei die Suchresultate auf die letzten Wochen eingrenzt), wird von einer wahren Flut von Meldungen überschüttet. Die Hitzewelle in den USA gefährdet bereits einen grossen Teil der Getreide und Maisernte. In Russland werden die Ernteprognosen in eintöniger regelmässigkeit reduziert, die chinesische Yunana-Provinz erlebte die schlimmste Dürre des letzten Jahrhunderts und Südeuropa leidet unter einer Hitzewelle, welche die Bauern zum Teil zwingt, früher zu ernten... wenn es noch was zu ernten gibt.

Der Nahrungspreisindex der FAO nähert sich schon wieder jenem Höchststand, der Anfang 2011 mit für die Aufstände im Nahen Osten verantwortlich war. Entscheidend ist nun, wie sich die Situation weiter entwickelt, wobei momentan leider keine Entspannung in Sicht ist.

Dabei ist nicht primär der momentane Preis das Problem, sondern die Volatilität, die sich in den Preisen seit 2007/2008 zeigen. Die Preise schiessen wild nach oben um dann wieder abzusacken und noch höher rauf zu klettern, wobei das durchschnittliche Niveau tendenziell auch ansteigt.

Nun kann einerseits den Spekulanten die Schuld daran gegeben werden, doch damit greift man zu kurz, denn diese gab es schon in den 90ern. Sie sind - ähnlich wie die so oft zitierten Heuschreckenschwärme - viel mehr Indikatoren dafür, dass hier ein Markt am Rande des Zusammenbruchs steht.

Der durch Erosion und Verwüstung eher schrumpfenden Anbaufläche stehen in vielen Ländern der Welt immer noch wachsende Bevölkerungszahlen gegenüber. Dazu gibt es einen Konkurrenzkampf um die Grundnahrungsmittel: Nicht nur Menschen verzehren Weizen, Soja und Mais: Tiermastbetriebe verwerten Millionen Tonnen von für Menschen geeignete Nahrungsmittel um Kühe, Schweine und Hühner zu mästen. Dazu kommen noch Biotreibstoffe, für die idiotischerweise immer noch Mais verwendet wird.

Alleine diese Faktoren würden schon für einen immer grösseren Marktdruck sorgen. Kommen noch extreme Witterungsbedingungen dazu, kommt das System an die Grenzen. Ernteausfälle oder Missernten haben nicht selten die Weltgeschichte beeinflusst. Die Umbrüche im Nahen Osten sind ein erster Indikator dessen, was auf uns zukommen dürfte - nicht zuletzt, weil die Problemursachen nicht angegangen werden und - selbst wenn dies der Fall wäre - viel zu langsam kämen.

Die fast unmöglichen Lösungen würden eine konsequente Bevölkerungspolitik vor allem in Schwellenländern, eine Einschränkung des Fleischkonsums in den Industrieländern, eine konsequente Abkehr von der Verwendung von Nahrungsmitteln für Biosprit und eine Klimapolitik, die diesen Namen auch verdient, umfassen.

Doch diese Schritte sind in etwa so wahrscheinlich wie eine demokratische Wende in Moskau oder ein Budget-Plus in Griechenland: Vielleicht kommen sie irgend wann... der Autor würde einfach nicht darauf zählen.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rom - Die weltweite Produktion von Nahrungsmitteln wird sich nach einer Schätzung der UNO bis zum Jahr 2021 ... mehr lesen
Dem steigenden Nahrungsbedarf müssten Investitionen in die Landwirtschaft entgegengesetzt werden.
Genf - Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat am Dienstag in Genf die Alarmglocken geläutet. Die aktuellen ... mehr lesen
Ende Juli seien 62,9 Prozent der Fläche der USA von mittelschwerer bis ausserordentlich starker Trockenheit betroffen gewesen.
Washington - US-Medien ignorieren die globale Klimaerwärmung in ihrer Berichterstattung. mehr lesen
Nur nicht mit der eigenen Verantwortung auseinandersetzen. (Symbolbild)
Weitere Artikel im Zusammenhang
Das Landwirtschaftsministerium hat die Ernteprognose deutlich gesenkt.
Washington - Die US-Regierung will Farmern in den USA Fleisch im Wert von 170 Millionen Dollar abkaufen. Damit will sie die ... mehr lesen
Washington - Die Rekordhitze in den USA hat weitaus grössere Schäden auf den Feldern angerichtet als bislang gedacht. Das Landwirtschaftsministerium in Washington senkte am Freitag wegen der schlimmsten Dürreperiode im Land seit mehr als 50 Jahren seine Prognose für die Ernte deutlich. mehr lesen 
Tokio - Das weltweit oft von Dürren und Ernteausfällen begleitete Wetterphänomen El Niño hat sich zurückgemeldet. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass diese gefürchtete Erwärmung der Wassertemperatur im tropischen Pazifik bis zum Winter anhält. mehr lesen 
Rom - Die UNO hat angesichts eines weltweiten Anstiegs der Preise für Lebensmittel vor dem Ausbruch einer ähnlich verhängnisvollen Krise wie vor vier Jahren gewarnt. Die jüngsten UNO-Daten weisen auf den ersten Preisanstieg seit drei Monaten. mehr lesen  6
Washington - Angesichts der schlimmsten Dürre in den USA seit Jahrzehnten hat die US-Regierung geschützte Flächen freigegeben. Dort können die Farmer nun ihr Vieh grasen lassen und Heu einbringen. mehr lesen 
Washington - Die USA werden nach Angaben von Landwirtschaftsminister Tom Vilsack von der schwersten Dürre seit fast 25 ... mehr lesen
USA von schwerster Trockenheit seit 25 Jahren betroffen.
Seoul - Die koreanische Halbinsel leidet unter der schwersten Dürre seit mehr als hundert Jahren. Nordkorea entsandte Soldaten zur Bewässerung ausgedörrter Felder, die südkoreanischen Behörden bemühten sich um den Schutz gefährdeter Tierarten in besonders betroffenen Gebieten. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 1
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle ... mehr lesen  
Künftig mindestens 500'000.-- und die ganze Schweiz inklusive: SwissPass, der schon bald mal GACH heissen könnte.
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und ... mehr lesen  
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. Die Bedrohungen: Differentialgleichungen und ein ... mehr lesen
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat zugenommen.
Shopping 62 Franken pro Kopf für fair gehandelte Produkte Zürich - Schweizerinnen und Schweizer haben 2015 für 520 Millionen Franken fair gehandelte Produkte mit dem Label Max Havelaar eingekauft. Den ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Basel 12°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 12°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Bern 10°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
Luzern 12°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Regen
Genf 13°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 16°C 21°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten