TV-Bilder strafen Frei Lügen
publiziert: Sonntag, 20. Jun 2004 / 21:08 Uhr

Die Richter der Disziplinarkommission der UEFA haben Alex Frei am Sonntagnachmittag mangels Beweisen freigesprochen. Doch neue Bilder des portugiesischen Fernsehens beweisen eindeutig: Alex Frei hat doch gespuckt und alle angelogen.

Alex Frei hat alle hintergangen.
Alex Frei hat alle hintergangen.
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Die Ereignisse um Alex Frei und seine Spuckaffäre haben sich überstürzt. Um 15.40 Uhr wurde der Schweizer Stürmer vom siebenköpfigen UEFA-Gremium unter dem Vorsitz des Spaniers freigesprochen.

Es liessen sich keine stichhaltigen Argumente finden, dass der Anklagte Steven Gerrard im EM-Spiel gegen England am Donnerstag angespuckt hatte.

Ein schaler Nachgeschmack blieb aber, obwohl Rechtsanwalt Peter Stadelmann, der Präsident der Swiss Football League, den beschuldigten Stürmer mit viel Geschick verteidigt hatte.

Gelogen oder nicht?

Die Frage blieb vorerst im Raum: hat er oder hat er nicht? Die neu an die Öffentlichkeit gelangten TV-Bilder belegen es deutlich: Frei hat gespuckt und muss für sein nun gravierenderes Vergehen zur Rechenschaft gezogen werden. Denn er hat alle hintergangen: Mannschaft, Trainer, die ganze Delegation, die UEFA, die Medien und die ganze Öffentlichkeit.

Sanktionen sind vom Schweizer Fussballverband SFV nach Konsultation der neuen Fakten sofort zu ziehen. Obwohl Alex Frei gegen Frankreich bis dato auflaufen dürfte, wäre Köbi Kuhn, der doch so für Recht und Ordnung in seiner "Fussballfamilie" plädiert, gut beraten, auf seinen Lügner zu verzichten.

Verfahren neu aufgenommen

"Wenn neue Beweismittel vorliegen und Berufung eingelegt wird, kann das Verfahren fortgesetzt werden", erklärte Peter Stadelmann, der Frei doch so brillant rausgeboxt hatte.

Ein UEFA-Sprecher erklärte nach der Visionierung der neuen Bilder: "Sie belegen klar, dass Frei gespuckt hat. Es liegt eine neue Sachlage vor. Das Verfahren wird wohl wieder aufgenommen. Ein Termin wurde noch nicht festgelegt."

Der österreichische Chefankläger Gerhard Kapl liess sich zum delikaten Fall mit folgenden Worten zitieren: "Eine neue Berufung ist möglich, wenn neue Beweise vorliegen. Ein Urteil könnte aufgrund von Indizien milder, aber auch erschwerend ausfallen. Erschwerend könnte für Frei sein, dass er nicht sofort ein Tatsachengeständnis ablegte."

Frei ist (noch) spielberechtigt

Für die Schweizer Delegation galt bis Sonntagabend (noch) das Urteil vom Nachmittag, wie Stadelmann versicherte. So lange wir die neuen Fakten nicht visioniert haben, will niemand dazu Stellung beziehen. Dem Einsatz von Alex Frei im entscheidenden Gruppenspiel gegen Frankreich in Coimbra stünde damit nichts im Wege.

Sowohl der Angeklagte Frei wie auch die beiden englischen Zeugen David Beckham und Steven Gerrard waren am Sonntagnachmittag an der Anhörung in Lissabon wegen der unmittelbaren Spielvorbereitung ihrer Länderauswahlen am Sitz der UEFA erschienen. Das Gremium fand nach 75-minütigem Hearing und 20-minütiger Beratung schnell zum (vorläufigen) Verdikt: unschuldig.

"Ich habe nicht anderes erwartet. Ich bin mir keiner Schuld bewusst und freue mich auf den Einsatz gegen Frankreich", meinte Frei unmittelbar nach der Urteilsverkündung.

Und auch Köbi Kuhn hat den Freispruch in Luso, wo sich die Schweiz auf den kapitalen Match gegen den EM-Titelverteidiger vorbereitet, zunächst wohl mit Genugtuung und Erleichterung entgegengenommen. Dem sonst ruhigen Nationalcoach dürfte aber ob der neuen Entwicklung die Spucke weggeblieben sein.

Stolzer Stadelmann

Freis Interessen bei der UEFA in Lissabon vertraten Rechtsanwalt Peter Stadelmann sowie SFV-Generalsekretär Peter Gilliéron. Stadelmann war nach dem Freispruch berechtigt stolz: "Zwei vage Erklärungen zweier Beteiligten reichten nicht aus, um Frei zu bestrafen. Die vorliegenden Indizien waren lückenhaft und brüchig. Deshalb konnte und durfte man Alex Frei gar nicht bestrafen", sagte Stadelmann nach der Urteileröffnung.

Die konsultierten Videobänder liessen keine klaren Schlüsse zu, ob Frei tatsächlich Gerrard nach unnötiger Rempelei und unflätiger Wortwahl angespuckt hat. "Auch Spucke war auf keinem Bild zu sehen", ergänzte Stadelmann, "alles war eine Verknüpfung unglücklicher Zusammenhänge. Gerrard könnte mit seiner Handbewegung am Nacken auch Schweiss abgewischt oder eine Mücke vertrieben haben", folgerte er.

Da es vorerst keine eindeutigen Beweismittel gab, war nur ein Urteil möglich: in dubio pro reo (im Zweifel für den Angeklagten). Das dürfte mit den neuen Beweismitteln widerlegt werden.

Hektik seit Freitag

Am Freitag brachte ein TV-Dokument des ZDF den "Fall Frei" ins Rollen. Eine Kamera hatte für einen Hintergrundbericht auch Szenen aus dem Spiel Schweiz gegen England in Coimbra eingefangen. Der Sender deutete an, dass Frei einen totti-mässigen Aussetzer gehabt habe.

Die UEFA wurde darauf hellhörig, der Österreicher Gerhard Kapl formulierte nach einer Voruntersuchung eine Anklage. Der Verdächtigte Frei und die Zeugen Gerrard und Beckham hatten bis Samstag um 17 Uhr schriftlich ihre Stellungsnahmen einzureichen.

"Ich bin leer, traurig und geknickt", bekannte Frei noch am Sonntagmorgen an der Medienkonferenz in Obidos. "Ich habe schlecht geschlafen". Vielleicht wusste er auch, warum.

(bsk/Si)

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