Uneinigkeit im Raser-Prozess
Täuffelen: 10 Jahre oder 18 Monate für Unfallverursacher
publiziert: Mittwoch, 9. Dez 2015 / 13:44 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 9. Dez 2015 / 19:11 Uhr
Der Unfallverursacher habe sich absolut verantwortungslos verhalten.
Der Unfallverursacher habe sich absolut verantwortungslos verhalten.

Biel - Im Bieler Raser-Prozess gehen die Vorstellungen über das angemessene Urteil weit auseinander. Der Staatsanwalt fordert zehn Jahre für beide Beschuldigten, der eine Verteidiger 18 Monate bedingt, der andere einen Freispruch.

5 Meldungen im Zusammenhang
Vor dem Regionalgericht in Biel stehen zwei 22-jährige Schweizer. Die Staatsanwaltschaft macht sie verantwortlich für den Tod eines Familienvaters am 17. Dezember 2011 in Täuffelen am Bielersee.

Der eine Mann verlor mit gegen 100 km/h die Kontrolle über sein Fahrzeug und erfasste eine Familie auf dem Trottoir. Die Frau des Getöteten und der kleine Bub wurden verletzt, ebenso ein korrekt entgegenkommender Autofahrer.

Rennen zwischen den Beschuldigten

Aus Sicht von Staatsanwalt Peter Schmid haben sich beide Beschuldigte der eventualvorsätzlichen Tötung und des mehrfachen Versuchs dazu schuldig gemacht. Die zwei Freunde hätten sich zuvor auf dem Weg vom Nachbardorf Hagneck nach Täuffelen ein Rennen geliefert, sagte er am Mittwoch in seinem Plädoyer.

Auf der Hauptstrasse in Täuffelen habe der eine Mann seinen Kollegen in hohem Tempo überholt und kurz darauf mit gegen 100 statt 50 km/h die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren.

Der Unfallverursacher habe sich «absolut verantwortungslos» verhalten, sagte der Staatsanwalt. Er sei nach dem Überholmanöver in eine Rechtskurve gerast, obwohl er gewusst habe, dass nach 70 Metern ein Fussgängerstreifen folge und dass an einem belebten Samstagnachmittag mit Gegenverkehr zu rechnen sei.

Ebenso schuldig sei aber der Kollege des Unfallverursachers. Dieser habe verhindern wollen, dass er überholt werde, und damit seinen Beitrag zum Rennen mit fatalem Ausgang geleistet. «Ohne ihn wäre kein Rennen möglich gewesen.»

Zweifel an Vorgeschichte des Unfalls

Ganz anders sehen es beide Verteidiger. Der Anwalt des Unfallverursachers betonte, sein Klient sei bereit, die Konsequenzen für sein Fehlverhalten zu tragen. Es handle sich aber klar um einen Fall von fahrlässiger Tötung.

18 Monate bedingt sei eine angemessene Strafe. Eine hohe Strafe mache wenig Sinn, sein Klient werde sowieso ein Leben lang an den Folgen seines fatalen Fehlers leiden.

Ausserdem sei die Vorgeschichte des Unfalls nicht eindeutig geklärt. Dass es sich um ein Rennen gehandelt habe, sei überhaupt nicht erwiesen. Unklar sei zudem die Rolle eines roten Autos, dass der Unfallverursacher im letzten Moment noch überholt haben soll, ehe er die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor.

Mehrere Zeugen haben diesen Wagen beschrieben. Der Lenker konnte aber bis heute nicht ausfindig gemacht werden.

Freispruch für zweiten Fahrer gefordert

Der Verteidiger des zweiten Mannes betonte: «Mein Klient hat mit all dem nichts zu tun.» Das Vorgefallene sei eine absolute Katastrophe, die aber sein Klient auf keine Art und Weise hätte verhindern können. Er habe sich korrekt verhalten. Von einem Rennen könne keine Rede sein. Ein Freispruch sei angebracht.

Der Verteidiger geisselte auch die Vorverurteilung seines Klienten in den Medien, wo er als Raser gebrandmarkt worden sei. Dabei habe man ihm eine überhöhte Geschwindigkeit vor dem Unfall gar nicht nachweisen können, und er habe beim verhängnisvollen Überholmanöver den Kollegen nicht schikaniert.

Gerichtspräsidentin Sonja Koch will das Urteil am kommenden Montag (14. Dezember) verkünden.

(bg/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Biel - Vier Jahre nach dem schweren Raserunfall im bernischen Täuffelen hat der Prozess gegen zwei junge Schweizer begonnen. Die Staatsanwaltschaft macht sie für den Tod eines Familienvaters verantwortlich. mehr lesen 
Der tragische Verkehrsunfall in Täuffelen sorgte für Aufsehen.
Biel - Vier Jahre nach dem Tod eines ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Buchhaltung: Digital oder in Papierform?
Das Ausstellen einer Rechnung ist in der Schweiz rechtlich genau geregelt. Besonders Jungunternehmer und Startups sehen sich zu Beginn mit einer grossen Zahl verschiedener Anforderungen in diesem Bereich konfrontiert. Dabei herrscht Unklarheit darüber, welche Fallstricke tatsächlich beachtet werden müssen, um ein gesetzlich gültiges Papier abzugeben. Wir haben den Fokus deshalb auf die wichtigsten Grundlagen gelegt, die es zu beachten gilt. mehr lesen 
Schiedsgericht-Entscheide nach UDRP bei der WIPO  Um unsere Kunden vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, haben wir bei domains.ch begonnen ... mehr lesen  
Bildquelle: http://alphastockimages.com
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt ... mehr lesen  
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für ... mehr lesen   3
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich -3°C 3°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wechselnd bewölkt, Regen
Basel 0°C 5°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
St. Gallen -3°C 3°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, wenig Schnee Schneeregenschauer
Bern -3°C 2°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Luzern -2°C 4°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wechselnd bewölkt, Regen
Genf 1°C 4°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer anhaltender Regen
Lugano -4°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Schneeregenschauer
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten