Chaotische Szenen am Rande der Beerdigung Al-Hassans in Beirut
«Tag des Zorns» in Beirut
publiziert: Sonntag, 21. Okt 2012 / 21:39 Uhr
Beirut: Viele der schwarz gekleideten Menschen riefen auf ihrem Weg in die Innenstadt anti-syrische Parolen.
Beirut: Viele der schwarz gekleideten Menschen riefen auf ihrem Weg in die Innenstadt anti-syrische Parolen.

Beirut - Der Konflikt in Syrien wird nun auch für den Libanon zu einer echten Zerreissprobe: Am Rande der Trauerfeier für die Opfer des verheerenden Bombenanschlages in Beirut versuchten Hunderte aufgebrachte Demonstranten am Sonntag, den Sitz der pro-syrischen Regierung zu stürmen.

7 Meldungen im Zusammenhang
Mit Tränengas und Warnschüssen versuchten Soldaten, sie daran zu hindern. Wie der arabische Sender Al-Dschasira berichtete, versuchte die Menschenmenge in den Serail, den Amtssitz von Ministerpräsident Nadschib Mikati, vorzudringen.

Auf Bildern des Nachrichtensenders CNN war zu sehen, wie Verletzte weggetragen wurden. Mehreren hundert Demonstranten gelang es, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und bis auf 50 Meter an den Eingang zum Regierungssitz vorzudringen.

Erst die Schüsse der Soldaten schienen sie zu stoppen. Einheiten der Armee schwärmten mit Schlagstöcken in den Strassen aus. Die Lage entspannte sich dann aber.

Trauerfeier für Al-Hassan

Die chaotischen Szenen in der Hauptstadt des Libanon ereigneten sich am Rande der Trauerfeierlichkeiten für den Geheimdienstchef Wissam al-Hassan, der am Freitag gemeinsam mit sieben weiteren Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden war.

Bei der Trauerfeier wurden die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Geheimdienstchef Al-Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter durch die Strassen von Beirut getragen.

An der Feier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Al-Hassans waren aus Frankreich angereist.

Al-Hassans Grab wird neben dem von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri sein, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Al-Hassan hatte Rafik Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei Al-Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert. Beweise dafür gab es bislang jedoch nicht.

Drahtzieher in Syrien vermutet

Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag vom Freitag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah.

Premier Mikati hatte Suleiman am Vortag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Die Opposition, die für Sonntag zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen hatte, besteht aber auf einem Rückzug der Regierung.

Zerstrittenes Land

Der multireligiöse Libanon ist tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern Assads. Viele Schiiten unterstützen den ihrer Konfession nahestehenden Alawiten Assad, die meisten Sunniten stehen auf der Seite seiner Gegner.

Der UNO-Sicherheitsrat verurteilte das Attentat. Einstimmig wurde die Tat als Terroranschlag eingestuft. US-Aussenministerin Hillary Clinton warnte vor einer Destabilisierung des Libanon. Ähnlich äusserten sich auch die EU, Frankreich und der Vatikan. Auch der Iran - ein Verbündeter Assads - verurteilte die Tat.

 

(fest/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Beirut/Damaskus - Eine Waffenruhe, wie sie der Sondergesandte Lakhdar Brahimi vorgeschlagen hat, scheint im syrischen ... mehr lesen
Sondergesandter Lakhdar Brahimi hatte eine Waffenruhe vorgeschlagen - leider zwecklos.
Keine Waffenruhe in Sicht. (Symbolbild)
Beirut - Der syrische Bürgerkrieg weitet sich nach den blutigen Protesten am ... mehr lesen
Beirut - In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat es am Montag erneut ... mehr lesen
Die vermummten und teils mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffneten Männer hatten Strassensperren errichtet. (Symbolbild)
Die Lage im Libanon ist nach dem Attentat vom Freitag angespannt. (Archivbild)
Beirut - In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es in der Nacht zu Feuergefechten gekommen. Mit Gewehren und Panzerfäusten ... mehr lesen
Washington - Nach dem verheerenden Terroranschlag mit acht Toten im Libanon werden Rufe nach einem Rücktritt ... mehr lesen
UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon rief alle Beteiligten im Libanon auf, sich von dem «abscheulichen Terrorakt» nicht provozieren zu lassen.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Beirut - Eine gewaltige Explosion einer Autobombe hat am Freitag die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert. Die staatliche Nachrichtenagentur berichtete, es gebe Tote und Verletzte. mehr lesen 
Khan Toumane liegt rund zehn Kilometer südwestlich von Aleppo.
Über 70 Tote bei Kämpfen in der Nähe von Aleppo  Aleppo - Bei schweren Kämpfen in der Nähe von Aleppo zwischen Truppen der syrischen Regierung und Einheiten der Al-Nusra-Front sollen mehr als 70 Personen getötet worden sein. Die Kämpfe sollen sich im strategisch wichtigen Ort Khan Toumane zugetragen haben. 
Kriegsverbrechen bei Flüchtlingslager-Angriff? New York/Damaskus - Die Vereinten Nationen haben den Luftangriff auf ein ...
Sinfoniekonzert vor Ort  Palmyra - Mit einem Sinfoniekonzert vor Ort hat Russland die Befreiung der antiken ...
Syrische Rebellen erobern Stadt von IS-Miliz Amman - An der Grenze zur Türkei haben syrische Rebellen die Stadt al-Rai erobert. Einheiten der Freien ...
Die IS wurde von den Rebellen zurückgedrängt.
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Aufnahme "ob die Kommission das wirklich ernst meine, sagte der polnische ... gestern 12:53
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    In... einem freiheitlichen Rechtsstaat mit starker Zivilgesellschaft wie z. ... Di, 03.05.16 20:25
  • Kassandra aus Frauenfeld 1747
    Offenbar verstehen die USA nichts vom Verhandeln, dafür mehr vom Erpressen. Die Schweiz zahlt Milliarden ... Mo, 02.05.16 10:27
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Das... Problem ist, dass man am Anfang berauscht von der eigenen Güte nicht ... Do, 28.04.16 08:45
  • HeinrichFrei aus Zürich 424
    Wer sich zum Islam bekennt, wird nach all den Terroranschlägen verdächtig Nach den Terrorattacken in Paris und in Brüssel werden Menschen die ... Do, 28.04.16 06:47
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Abkommen "Griechenland hatte am Mittwoch insgesamt 49 illegal eingereiste ... Mi, 27.04.16 13:36
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    Die Türkei... ist aktive Kriegspartei in Syrien. Dort kämpfen viele "Rebellen" aus ... So, 24.04.16 09:07
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3896
    TTIP... ist das Beste was Europa passieren kann. Es braucht strenge ... Sa, 23.04.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Wettbewerb
   
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zum Release des siebten Teils der Star Wars-Serie («Das Erwachen der Macht») verlosen wir zwei DVDs.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 4°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Basel 8°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
St. Gallen 6°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Bern 4°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 3°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 6°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Lugano 10°C 20°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten