Taliban planen Anschläge auf internationale Medien
publiziert: Dienstag, 16. Okt 2012 / 10:14 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 16. Okt 2012 / 15:08 Uhr
In keinem anderen Land wurden seit 2009 so viele Journalisten getötet, wie in Pakistan. (Symbolbild)
In keinem anderen Land wurden seit 2009 so viele Journalisten getötet, wie in Pakistan. (Symbolbild)

Karatschi/Wien - Nachdem vergangene Woche die 14-jährige Aktivistin Malala Yousafzai von Taliban niedergeschossen und schwer verletzt worden ist, sind in Pakistans grösster Stadt Karatschi am Sonntag Zehntausende Menschen auf die Strassen gegangen, um ihre Solidarität mit dem Mädchen auszudrücken.

7 Meldungen im Zusammenhang
Die Taliban haben indes angekündigt, dass sie zwölf Selbstmordattentäter auf Auslandsbüros von internationalen Medienhäusern ansetzen wollen, weil sie mit deren Berichterstattung über den Übergriff nicht zufrieden sind.

Regierung machtlos

«Die Lage ist für Journalisten in Pakistan sehr gefährlich. Die Taliban versuchen mit Anschlägen und Übergriffen die ganze Gesellschaft einzuschüchtern und die ausländischen Journalisten dazu zu bringen, das Land zu verlassen. Es ist ein Feuer angezündet worden, das nicht leicht zu löschen sein wird», sagt Rubina Möhring, Präsidentin von Reporter ohne Grenzen Österreich, im pressetext-Interview. Der Publizistin zufolge kann sich die Regierung nicht gegen die Machenschaften der terroristischen Organisation durchsetzen. «Die Taliban sind zu stark», so Möhring, die durch die Vorfälle der vergangenen Monate in Pakistan erschüttert ist.

Wie ranghohe Militärs berichten, planen die Taliban eine Reihe von Anschlägen auf die Niederlassungen von westlichen Medien, die kritisch über den gewalttätigen Übergriff auf das Mädchen berichtet haben. Es sollen Treffen von wichtigen Vertretern der Terrororganisation stattgefunden haben, bei denen beschlossen wurde, andere Aktivitäten im Land einzuschränken und sich verstärkt auf die Auslandspresse zu fokussieren. Laut Angaben eines Informanten wurden bereits zwölf Attentäter ausgewählt und auf ausländische Medien und deren Journalisten angesetzt.

Heftige Kritik aus Afghanistan

Journalisten berichten, dass in den vergangenen Tagen viele Drohungen eingelangt sind, vor allem bei Medien, die über den Übergriff berichtet hatten. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden nach den Ankündigungen der Taliban verstärkt und einige Journalisten, die in den Medien besonders präsent waren, werden jetzt vom Militär beschützt.

Eine der ersten Solidaritätsbekundungen für die Journalisten und die 14-Jährige kam aus Afghanistan. Präsident Hamid Karsai verurteilte den Anschlag und schickte Briefe an die pakistanische politische und geistliche Elite: «Es ist ein abscheulicher Vorfall, mit dem wir uns befassen müssen», so Karsai. Er fordert, dass beide Länder im Kampf gegen den Terrorismus zusammenarbeiten müssen.

Kind als Aufdeckerin

Yousafzai machte bereits vor drei Jahren auf sich aufmerksam, als sie in einem Blog Kritik an den Gewalttaten der Taliban und der prekären Situation von Frauen in Pakistan übte. Für ihr Engagement wurde das Mädchen im vergangenem Jahr für den Internationalen Kinder-Friedensnobelpreis nominiert. Die von den Taliban angeschossene Friedensaktivistin wurde von der pakistanischen Regierung zur Behandlung nach Grossbritannien ausgeflogen. Laut offiziellen Angaben bedarf die 14-Jährige einer längeren Betreuung, um sich von den körperlichen und psychischen Folgen des Übergriffs zu erholen.

In keinem anderen Land wurden seit 2009 so viele Journalisten getötet, wie in Pakistan. Auf der Weltrangliste der Pressefreiheit rangiert Pakistan auf Platz 151 von 179 Ländern.

(knob/pte)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Etschmayer Wenn «Gotteskrieger» eine 15jährige umzubringen versuchen, so ist das kein Ausdruck religiösen Eifers sondern menschlicher Impotenz. Dass in der Folge Zehntausende in Pakistan demonstrierten, erstaunte ... mehr lesen
Malala Yousafazai: Dieses Mädchen macht den Taliban Angst...
Islamabad/Moskau/London - Nach dem Anschlag auf die 14-jährige Malala Yousafzai hat die pakistanische Regierung 100 Millionen Rupien (970'000 Franken) Kopfgeld auf den Sprecher der Taliban ausgesetzt. Innenminister Rehman Malik verkündete die Belohnung für die Ergreifung von Ehsanullah Ehsan, am Dienstag bei einem Besuch im Swat-Tal. mehr lesen 
Islamabad - Die bei einem Taliban-Überfall schwer verletzte 14-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai ist zur weiteren medizinischen Versorgung nach Grossbritannien gebracht worden. Das teilte ein Sprecher des Militärs mit. mehr lesen 
Malala Yousafzai war im Swat-Tal von pakistanischen Taliban angeschossen worden. (Archivbild)
Islamabad - Die bei einem Taliban-Überfall schwer verletzte 14-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala ... mehr lesen
Islamabad - Nach dem Mordanschlag der Taliban auf die 14-jährige pakistanische Friedenspreisträgerin Malala ... mehr lesen
Raja Pervez Ashraf
Weitere Artikel im Zusammenhang
Peshawar - Die Taliban haben im Swat-Tal im unruhigen Nordwesten Pakistans eine junge Kinderrechtsaktivistin angegriffen, die durch Kritik an der radikalislamischen Bewegung zu Bekanntheit gelangt ist. Die Jugendliche wurde am Kopf verletzt; sie ist ausser Lebensgefahr. mehr lesen 
Bagdad - Dutzende Menschen sind im Irak am Donnerstag bei einer Serie von Sprengstoffanschlägen und Angriffen von Extremisten ums Leben gekommen. Die Anschläge und Schiessereien ereigneten sich in mindestens zehn Städten in verschiedenen Teilen des Landes. mehr lesen 
Die Terrormiliz Islamischer Staat erzeugt Abscheu durch extrem barbarenhafte Handlungen.
Die Terrormiliz Islamischer Staat erzeugt Abscheu durch extrem ...
IS-Vormarsch  Washington - Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) hat offenbar einen weiteren als Geisel genommenen US-Journalisten grausam hingerichtet. Die IS veröffentlichte am Dienstag ein Video, das die Enthauptung des 31-jährigen Reporters Steven Sotloff zeigen soll. 1
IS: Millionen für amerikanische Geisel Damaskus/Washington - Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) verlangt für eine als ... 2
Entführter US-Journalist in Syrien freigelassen Doha - Der vor zwei Jahren in Syrien verschleppte US-Bürger Peter Theo ...
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2404
    Der... Krieg in Syrien folgte einem legitimen Begehren von Bürgern nach der ... gestern 21:06
  • kubra aus Port Arthur 3124
    Ich habe aus meinem Standpunkt nie einen Hehl gemacht, thomy. Putin hat grosses ... gestern 20:43
  • keinschaf aus Wladiwostok 2613
    Danke! :-) Natürlich ist KenFM für Sie eine Gefahr. Ein Grund mehr, weitere ... gestern 19:45
  • kubra aus Port Arthur 3124
    Ich habe aus meinem Standpunkt nie einen Hehl gemacht, thomy. Putin hat grosses ... gestern 19:41
  • thomy aus Bern 4165
    Ich habe nochmals nach gelesen ... Es ist so verrückt, was hier, ich meine Putin, ausgelöst hat und nicht ... gestern 19:20
  • kubra aus Port Arthur 3124
    Nein thomy wie kommen Sie auf die Idee? gestern 18:44
  • thomy aus Bern 4165
    kubra! Würden Sie es schätzen, wenn SIE vor den Russen, vor wilden Horden, ... gestern 17:35
  • kubra aus Port Arthur 3124
    Die Flüchtlingsströme werden von unterschiedlichen Faktoren gelenkt, zombie1969 Die ... gestern 16:28
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MI DO FR SA SO MO
Zürich 7°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 6°C 15°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 9°C 15°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 7°C 19°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 9°C 20°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 12°C 20°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 16°C 26°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten