Taliban schiessen auf junge «Friedensikone»
publiziert: Dienstag, 9. Okt 2012 / 22:11 Uhr
Malala Yousafzai.
Malala Yousafzai.

Peshawar - Die Taliban haben im Swat-Tal im unruhigen Nordwesten Pakistans eine junge Kinderrechtsaktivistin angegriffen, die durch Kritik an der radikalislamischen Bewegung zu Bekanntheit gelangt ist. Die Jugendliche wurde am Kopf verletzt; sie ist ausser Lebensgefahr.

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Die 14-jährige Malala Yousafzai sei am Dienstag auf dem Weg zur Schule in den Kopf geschossen worden, doch habe die Kugel das Gehirn verfehlt, teilte die Polizei mit.

Der Taliban-Sprecher Ehsanullah Ehsan erklärte, seine Organisation sei für den Angriff verantwortlich. «Sie ist ein westlich gesinntes Mädchen. Sie kritisiert uns immer. Wir werden jeden angreifen, der die Taliban kritisiert», sagte der Sprecher. Sie hätten sie mehrfach gewarnt.

Pakistans Präsident Asif Ali Zardari verurteilte den Angriff und betonte, er werde den Willen zum Kampf gegen die Taliban nicht schwächen. Der Informationsminister der Provinz, Mian Iftikhar Hussain, rief zu einer grossangelegten Offensive gegen Extremisten auf.

«Malala wurde angegriffen, weil sie eine Friedensikone ist», sagte Hussain. «Sie hat hart gekämpft, um eine Ausbildung zu bekommen, und sie hat für den Frieden gearbeitet.»

Die Jugendliche war bekannt geworden, als sie vor drei Jahren auf einer Internetseite des britischen Fernsehsenders BBC über Gewalttaten der Taliban im Swat-Tal berichtete. Später trat sie auch wiederholt in Dokumentationen auf.

Trägerin von Friedenspreis

Für ihre Arbeit bekam sie im vergangenen Jahr den ersten je verliehenen Friedenspreis der pakistanischen Regierung und wurde für eine weitere Auszeichnung einer internationalen Organisation nominiert.

Die Taliban hatten 2007 unter Führung des radikalen Geistlichen Maulana Fazlullah das Swat-Tal unter ihre Kontrolle gebracht. Zahlreiche Mädchenschulen wurden geschlossen und zerstört, bevor die Armee in einer blutigen Offensive die Extremisten aus dem Tal vertrieb, das wegen seiner Schönheit lange ein beliebtes Reiseziel war.

In den vergangenen Jahren hat sich die Lage weitgehend stabilisiert, doch trauen sich noch immer nur wenige Touristen in das Tal.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte am Dienstag, der Angriff auf Malala werfe ein Licht auf das «extrem gefährliche Klima» für Menschenrechtler im Nordwesten Pakistans. Besonders weibliche Aktivisten lebten unter der «stetigen Bedrohung durch die Taliban und andere militante Gruppen».

(fest/sda)

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