Gegen die Arbeitsmarktreform
Tausende gehen in Frankreich auf die Strasse
publiziert: Mittwoch, 9. Mrz 2016 / 17:45 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 9. Mrz 2016 / 22:59 Uhr

Paris - Die von der französischen Regierung geplante Reform des Arbeitsrechts stösst auf Widerstand. Bei zahlreichen Kundgebungen im ganzen Land protestierten am Mittwoch mehrere Hunderttausend Menschen gegen den Vorschlag, der den Arbeitsmarkt flexibler gestalten soll.

5 Meldungen im Zusammenhang
Gewerkschaften schätzten die Zahl der Teilnehmer landesweit auf 400'000 bis 500'000. Das Innenministerium und die Pariser Polizeipräfektur schätzten die Zahl dagegen auf bis zu 224'000, davon bis zu 29'000 in Paris.
Mit der Reform sollen unter anderem die 35-Stunden-Woche und der Kündigungsschutz gelockert werden. Mehrere Gewerkschaften fordern, dass Staatschef François Hollande die Pläne komplett zurückzieht.

"Wir müssen nochmal ganz von vorne anfangen für ein Arbeitsrecht, das die Beschäftigten wirklich schützt", sagte der Chef der Gewerkschaft CGT, Philippe Martinez, der einen Demonstrationszug zum Arbeitsministerium anführte. "Es beginnt ein Tauziehen, von dem niemand weiss, wie es enden wird", sagte Jean-Claude Mailly, die Nummer eins der Gewerkschaft Force Ouvrière (FO).

Zu den Demonstrationen hatten Gewerkschaften, Studentenvereinigungen sowie Schüler- und Jugendorganisationen aufgerufen. Am früheren Nachmittag versammelten sich die Demonstranten auf der Place de la République in der Pariser Innenstadt und riefen "Arbeitsgesetz - Nein danke!"

Demonstriert wurde auch in einer Reihe weiterer französischer Städte. So gingen im nordfranzösischen Rouen den Behörden zufolge rund 4500 Demonstranten auf die Strasse, in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille rund 5000. Bereits am Morgen hatten Schüler nach Angaben einer Schülerorganisation landesweit rund 100 Schulen blockiert.

Kündigungen erleichtern

Im Kampf gegen die Rekordarbeitslosigkeit in Frankreich wollen Hollande und sein Premierminister Manuel Valls den häufig als zu starr kritisierten Arbeitsmarkt reformieren.

Die nach Arbeitsministerin Myriam El Khomri benannte Reform sieht unter anderem vor, die 35-Stunden-Woche zu lockern, betriebsbedingte Kündigungen zu erleichtern und eine Obergrenze für Abfindungen bei sogenannten ungerechtfertigten Entlassungen einzuführen.

"Es ist traurig, das zu sehen - vor allem von den Sozialisten", sagte die Studentin Lucie Ferreira in Paris. Force-Ouvrière-Chef Mailly warf der Regierung im Sender RTL vor, mit der geplanten Arbeitsmarktreform das Arbeitsrecht in Frage zu stellen. "Die Regierung folgt einer liberalen Logik."

Die Pläne stossen nicht nur bei den Gewerkschaften auf massiven Widerstand. Auch bei Hollandes Sozialisten gibt es teils heftige Kritik. Vertreter des linken Parteiflügels werfen der Regierung vor, Forderungen der Unternehmerverbände eins zu eins umzusetzen und dabei soziale Errungenschaften für Arbeitnehmer abzuschaffen.

Lösung nicht in Sicht

Ursprünglich sollte die Reform am Mittwoch das Kabinett passieren. Angesichts des Streits verschob die Regierung das Vorhaben aber auf den 24. März, um Zeit für Beratungen mit Gewerkschaften, Arbeitgebern und parteiinternen Kritikern zu gewinnen. Eine Lösung des Konfliktes zeichnet sich aber nicht ab.

Während besonders linke Gewerkschaften wie Force Ouvrière und die CGT eine komplette Aufgabe der Reformpläne fordern, wollen reformorientierte Gewerkschaften wie die CFDT lediglich "Veränderungen" erreichen. Sie haben für kommenden Samstag zu einer eigenen Kundgebung aufgerufen. Demonstriert werden soll ausserdem am 31. März.

(pep/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Paris - Bei Protesten gegen eine geplante Reform des Arbeitsrechts in Frankreich ist es am Donnerstag zu Zusammenstössen ... mehr lesen
Es kam zu Ausschreitungen zwischen Zivilisten und Polizei.
Paris - Tausende Schüler und Studenten haben in Frankreich erneut gegen eine Reform des Arbeitsrechts protestiert. Sie ... mehr lesen
Paris - Wegen eines Streiks müssen Reisende in Frankreich von Dienstagabend bis ... mehr lesen
In der Schweiz sind am Mittwoch die TGV-Verbindung zwischen Basel und Paris, zwischen Genf respektive Lausanne und Paris sowie zwischen Genf und Nizza betroffen.
Madrid - Zehntausende Menschen haben am Samstag in Spanien und Frankreich für eine Verlegung von inhaftierten ... mehr lesen
Die Kundgebungen richtete sich gegen die Aufteilung der inhaftierten ETA-Mitglieder auf dutzende Haftanstalten in Spanien und Frankreich.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 17
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. (Archivbild)
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. ...
«Überall ist Taksim, überall ist Widerstand»  Istanbul - Zum dritten Jahrestag des Beginns der Gezi-Proteste haben in Istanbul Hunderte Menschen gegen die islamisch-konservative Staatsführung der Türkei demonstriert. mehr lesen 1
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Russland und Westen kooperieren bei Syrien-Hilfe Berlin - Russland und westliche Staaten arbeiten bei der humanitären Hilfe für die syrische Bevölkerung ... 1
Rund 150'000 Binnenflüchtlinge hätten Schutz im syrisch-türkischen Grenzgebiet gesucht.
Über 60 Luftangriffe wurden geflogen. (Symbolbild)
Dschihadisten bei Luftangriffen in Syrien getötet Beirut - Bei Luftangriffen im Nordwesten Syriens sind nach Angaben von Aktivisten am Donnerstag mindestens 16 ... 1
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Blödsinn! Das Schaf ist selbst daran Schuld, dass es vom Wolf gerissen wird, ... Mi, 01.06.16 00:50
  • Pacino aus Brittnau 731
    Radikale führen immer . . . . . . in die Sackgasse. Es ist auch die Linke, die die AfD gefördert ... Di, 31.05.16 07:36
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 18°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 17°C 28°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
St. Gallen 17°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig gewitterhaft
Bern 16°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig gewitterhaft
Luzern 18°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
Genf 14°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
Lugano 19°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten