Tennis: Belgischer Final Clijsters - Henin
publiziert: Donnerstag, 5. Jun 2003 / 19:31 Uhr

Das Damen-Endspiel am Samstag in Roland-Garros wird zu einer belgischen Angelegenheit. Die Wallonin Justine Henin-Hardenne trifft auf die Flämin Kim Clijsters. Henin besiegte Serena Williams 6:2, 4:6, 7:5 und beendete deren Grand-Slam-Siegesserie.

Serena Williams gratuliert Justine Hennin.
Serena Williams gratuliert Justine Hennin.
33 Einzel und vier Major-Turniere hatte Serena Williams in Serie gewonnen. Ihre letzte Einzelniederlage an einem Grand-Slam-Turnier lag vier Tage weiter zurück als Osama Bin Ladens Terroranschlag auf das World Trade Center: Am 7. September 2001 verlor Serena in New York den US-Open-Final gegen Venus Williams 2:6, 4:6. Seither hatte sie ein Major-Turnier verpasst (Australian Open 2002) und die folgenden vier gewonnen, alle mit Finalsiegen gegen Schwester Venus.

Justine Henin-Hardenne (WTA 4) spielte gegen die Nummer 1 der Welt fünf Viertelstunden lang Traum-Tennis -- und hätte beinahe dennoch verloren. Henin: "Bis zum 6:2, 4:4 spielte ich so gut wie vielleicht nie vorher. Doch dann begann die Hand zu zittern. Im dritten Satz bei 2:4 schien schon fast alles verloren. Aber ich habe weitergekämpft und den Rhythmus der Anfangsphase wieder gefunden."

Der Entscheidungssatz verlief nervenaufreibend. Den Spielerinnen unterliefen total sieben Doppelfehler (Williams 4, Henin 3); in den vorangegangenen Sätzen waren es bloss zwei gewesen. Serena Williams führte 4:2 und bei eigenem Aufschlag 30:0, später besass sie noch einen Spielball zum 6:5. Henin holte nach dem 2:4-Rückstand aber fünf der letzten sechs Games. Als sie bei 5:4 und eigenem Aufschlag erstmals zum Matchgewinn aufschlug, versagten aber die Nerven: Dieses Aufschlagspiel verlor Henin-Hardenne mit zwei Doppelfehlern gleich zu Null. Zehn Minuten später war die dritte Saisonniederlage von Serena Williams aber trotzdem perfekt: Beim ersten Matchball nach 140 Minuten produzierte Serena einen ihrer total 75 direkten Fehler.

Neue Grand-Slam-Siegerin

Damit steht fest, dass zum ersten Mal seit Januar 2001 (Jennifer Capriati am Australian Open) wieder eine neue Spielerin eine Major- Trophäe holen wird. Justine Henin stand 2001 in Wimbledon im Final und unterlag Venus Williams in drei Sätzen. Finalgegnerin Kim Clijsters hatte einen Monat vorher das Endspiel am French Open erreicht und denkbar knapp gegen Jennifer Capriati verloren (10:12 im dritten Satz). Viermal fehlten damals Clijsters bloss noch zwei Punkte zum Turniersieg.

Kim Clijsters hatte drei Tage vor ihrem 20. Geburtstag deutlich leichteres Spiel als Henin-Hardenne. Sie besiegte die überraschende Russin Nadia Petrowa in 70 Minuten 7:5, 6:1. Clijsters gewann diese Saison bislang ein Turnier, das Masters-Series-Turnier von Indian Wells. Justine Henin (21) dagegen hat sich schon in Dubai (Siege gegen Capriati und Seles), Charleston (Finalerfolg über Serena Williams) und als Titelverteidigerin in Berlin (6:4, 4:6, 7:5 im Final gegen Clijsters) durchgesetzt.

Wawrinka auf Günthardts Spuren

Beste Werbung in eigener Sache betreibt in Paris Stanislas Wawrinka, der im Juniorenturnier überraschend in den Halbfinals steht. Der 18-jährige Lausanner mit polnischem Namen (Vater ist polnischer Herkunft) ist selbst in Helvetien ein unbeschriebenes Blatt -- obwohl er im nationalen Ranking schon auf Position 9 vorgestossen ist. In der ATP-Weltrangliste belegt Wawrinka Position 375 und hat bekanntere und ältere Hoffnungen wie Roman Valent (Juniorensieger in Wimbledon 2001) oder Michael Lammer (ehemaliger Europameister) bereits überflügelt.

Stanislaw Wawrinka ist nicht unbedingt ein Produkt der Schweizer Nachwuchsförderung. Er ist seinen Weg meistens allein gegangen. Mit Tennis begann er erst mit acht "und nur, weil ich irgendeinen Sport betreiben wollte". Mit 13 traf er auf den Plätzen seines TC Stade Lausanne den Franzosen Dimitri Zavialoff, der ihn seither betreut und ihm die Rückhand von beidhändig auf einhändig umgestellt hat. Zweieinhalb Jahre lang trainierte Wawrinka in Spanien. Seit der Rückkehr aus Spanien befindet sich der Schweizer auch unter den Fittichen von Swiss Tennis. Pierre Paganini, der für die Fitness von Roger Federer verantwortlich ist, kümmert sich auch um Wawrinka.

Es wäre keine Überraschung, wenn Wawrinka schon bald in einem Schweizer Davis-Cup-Aufgebot auftauchen würde. Die Wege von Captain Marc Rosset und des aufstrebenden Juniors kreuzten sich diesen Frühling am Challenger in Napoli. Wawrinka: "Wir haben miteinander lange diskutiert. Marc hat mir gesagt, dass er schon lange auf einen jungen hungrigen Schweizer wartet, der sich einen Platz in der Mannschaft erkämpfen will. Und ich bin sehr hungrig..."

Am French Open liegt für Wawrinka noch mehr als der Halbfinal drin. Seit Heinz Günthardt vor 27 Jahren das Juniorenturnier gewann, ist kein Schweizer Nachwuchsspieler in Roland-Garros mehr so weit gekommen. Nach dem 6:3, 6:4 über den als Nummer 3 gesetzten Dudi Sela (Isr) trifft Wawrinka auf Nicolas Almagro (Sp), den er heuer in Cartagena (Sp) in einem U18-Halbfinal bereits bezwungen hat (6:4, 6:3). Im ATP-Ranking ist der Spanier als Nummer 337 indes 38 Positionen besser als Wawrinka klassiert.

von Rolf Bichsel, Paris

Resultate

Männer-Einzel, Halbfinal-Tableau (Freitag): Costa (9) - Ferrero (3); Verkerk - Coria (7).

Frauen-Einzel, Halbfinals: Justine Henin-Hardenne (Be/4) s. Serena Williams (USA/1) 6:2, 4:6, 7:5. Kim Clijsters (Be/2) s. Nadia Petrowa (Russ) 7:5, 6:1. -- Final am Samstag.

Männer-Doppel, Halbfinal: Bob Bryan/Mike Bryan (USA/3) s. Leander Paes/David Rikl (Ind/Tsch/5) 6:4, 6:3.

Mixed, Halbfinals: Jelena Lichowtsewa/Mahesh Bhupathi (Russ/Ind/3) s. Paola Suarez/Todd Woodbridge (Sp/Au/1) 7:5, 3:6, 6:2. Lisa Raymond/Mike Bryan (USA/2) s. Cara Black/Wayne Black (Sim/4) 6:3, 6:4.

Junioren-Turniere. Junioren-Einzel, Viertelfinals: Stanislaw Wawrinka (Sz/6) s. Dudi Sela (Isr/3) 6:3, 6:4. Brian Baker (USA/8) s. Marcos Baghdatis (Zyp/1) 6:4, 7:5. Nicolas Almagro (Sp/2) s. Mathieu Montcourt (Fr/7) 7:5, 7:5. Jo-Wilfried Tsonga (Fr/4) s. Daniel Gimeno-Traver (Sp/5) 3:6, 7:6 (9:7), 7:5. -- Halbfinal- Tableau: Baker (8) - Tsonga (4); Wawrinka (6) - Almagro (2).

Senioren-Turniere. Jungsenioren-Doppel, Vorrunde: Pat Cash/John Fitzgerald (Au) s. Jose-Luis Clerc/Jakob Hlasek (Arg/Sz) 7:6 (7:4), 6:2. Guy Forget/Henri Leconte (Fr) s. Joakim Nyström/Mats Wilander (Sd) 6:2, 6:3. -- Schlussrangliste (3 Spiele): 1. Cash/Fitzgerald 3. 2. Forget/Leconte 1. 3. Clerc/Hlasek 1. 4. Nyström/Wilander 1. -- Gruppe B: Anders Järryd/Mikael Pernfors (Sd) s. Thierry Tulasne/ Andrej Tschesnokow (Fr/Russ) 6:2, 6:2. John McEnroe/Michael Stich (USA/De) s. Andres Gomez/Emilio Sanchez (Eku/Sp) 6:3, 6:1. -- Schlussrangliste (3 Spiele): 1. Järryd/Pernfors 3. 2. McEnroe/Stich 2. 3. Gomez/Sanchez 1. 4. Tulasne/Tschesnokow 0. -- Gruppensieger im Final.

(bert/Si)

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