Tennis: Boris Becker mit Lobeshymnen
publiziert: Freitag, 4. Jul 2003 / 21:52 Uhr

Zwei Männer beherrschten in den letzten 20 Jahren die All England Championships: Pete Sampras und Boris Becker. Während der Amerikaner den sportlichen Vorruhestand geniesst, zählt Becker beim wichtigsten Turnier der Welt zum brillanten Kommentatoren-Team der BBC.

Boris Becker im Kommentatoren-Team der BBC.
Boris Becker im Kommentatoren-Team der BBC.
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Zusammen mit den ehemaligen britischen Spitzenspielern John Lloyd und Andrew Castle sass der deutsche Tennis-Siegfried gestern beim Halbfinal-Knüller zwischen Roger Federer und Andy Roddick in der Box. Der dreifache Champion und viermalige Finalist Becker, der denkt, dass diese beiden sowie Lleyton Hewitt das Tennis in den nächsten zehn Jahren prägen werden, war voll des Lobes über Federer. Auszüge aus der Matchanalyse des "Roten Barons".

Erster Satz, Aufschlagbeginn Roddick

1:0 (nachdem Federer vornehmlich hinten blieb): "Roger fühlt sich wohl an der Grundlinie, er hat schon Titel auf Sand gewonnen und hat darum so gegen Roddick gute Chancen. Später im Match muss er aber aggressiver werden."

1:1 (auf die Anspielung, dass Becker zu Federers Jugendidolen zählte): "Vielen Dank, Roger, aber ich bin noch zwei Schritte weiter gekommen als Du. Also let´s do it!"

1:1, 15:30: "Da hatte Roger eine kleine Chance, aber die Rückhand blieb an der Netzkante hängen. Wir sehen aber, wieso er Roddick schon dreimal geschlagen hat, er kann seinen Aufschlag perfekt lesen."

2:1, 30:30 (mit leiser Kritik an Federers Taktik): "Federer serviert weiter auf Roddicks Vorhand, die stärkere Seite. Er musste jetzt schon viermal hintereinander vollieren."

2:2, 15:30: "Roddick serviert mit bis zu 130 Meilen, aber Federer bringt jeden Return zurück oder mindestens das Racket an den Ball. Das muss Roddick bei seiner Aufschlagstärke stören, denn er will viele saubere Asse."

3:3, 40:30 (nach einem brillanten Federer-Return und anschliessendem Vorhand-Winner): "Dieser Winner war wieder auf den ersten Aufschlag und das muss Andy zu denken geben. Die meisten anderen Spieler würde es aus den Schuhen hauen, aber Federer bringt beinahe alle zurück."

4:3 (Zwischenbilanz): "Roddick hat enormen Respekt vor ihm. Roger ist wie beinahe immer sehr ruhig, für meinen Geschmack sogar etwas zu ruhig, vor allem, als er den ersten Breakball vergab (bei 1:1, Red.). Da muss er mehr Emotionen zeigen."

5:4 (auf die ersten Gedanken an ein Tiebreak): "Ein Tiebreak wäre sehr interessant. Federer hat alle drei bisherigen gewonnen, war also immer der bessere Spieler. Für Roddick ist dies psychologisch der klar schwierigste Match."

5:4, 0:15 (nach einem Federer-Ass durch die Mitte): "Er variiert stark. Das ist reines Talent, das kann man nicht lernen. Jeder Spieler hat eine Strategie, Federer kann man aber nicht einschätzen. Ich wüsste als Spieler auch nicht, was ich gegen ihn machen müsste."

5:4, 0:30: "Roddick ist völlig aus dem Rhythmus."

6:6, 6:8: "Federer war der bessere Spieler in diesem Satz. Er kontrollierte die Mitte des Feldes und liess Roddick nach links und rechts laufen. Zudem kann er Federers Aufschlag nicht lesen, ich würde ihm raten, weiter hinten zu returnieren."

Zweiter Satz, Aufschlagbeginn Federer

1:0, Vorteil Service: "Das war schon wieder ein Aufschlag von 135 Meilen und Federer bringt ihn beinahe mühelos zurück. Logisch, dass Roddick verwundert ist."

4:1, 0:15: "Er spielt jetzt richtig mit Roddick."

5:2 (kurz nach einem kleinen Disput von Roddick mit dem Schiedsrichter): "Federer ist in allen Aspekten der bessere Spieler. Roddicks Stärke ist seine Persönlichkeit, bisher ist er zu brav. Er muss mehr amerikanisch sein."

6:3 (nach einem zu-Null-Game mit vier Winnern, bei denen Roddick jeweils Meter vom Ball weg war): "Alle Kids, die Tennis lernen wollen, müssen Federer zuschauen. Er schreibt das Tennis-Lehrbuch neu. Dieser Halbvolley-Vorhandwinner beim Satzball dürfte eigentlich gar nicht erlaubt sein."

Dritter Satz, Aufschlagbeginn Roddick

2:3 (nach Federers Break): "Das Resultat spricht Bände, aber für Roddick ist es noch nicht zu spät, es wird noch viel Tennis geben. Roger war noch nie in einem Major-Final, früher oder später werden die Nerven eine Rolle spielen. Die Tür für ihn ist nun aber offen und er wird früher oder später hindurchgehen."

2:3, 0:15 (nach einem weiteren As): "Alles sieht bei ihm so einfach aus, ob dies nun der Aufschlag oder die Grundschläge sind."

3:5 (dazu, dass Federer sagte, er könne im Halbfinal ohne Druck aufspielen): "Das zeigt, unter welchem Druck er sich vorher fühlte. Wenn er sagt, er sei ohne Druck, dann ist das unglaublich, schliesslich schauen etwa 800 Millionen bei einem solchen Spiel zu."

3:6: "Das ist ein sehr spezieller Moment. Die Zuschauer geben ihm eine Standing Ovation, sie haben die Geburtsstunde einer neuen Ära erlebt. Dieser junge Mann aus der Schweiz wird sehr lange dabeisein. Roddick hatte eigentlich nur eine Chance, den Satzball im ersten Durchgang. Wenn er den macht, gibt es ein viel längeres Match. Federer ist ein Spieler, der alle Schläge kann, von denen gibt es nicht mehr viele. Ich kann kaum den Final zwischen ihm und Mark Philippoussis erwarten."

(bert/sda)

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