Tennis: Interview mit Roger Federer
publiziert: Mittwoch, 20. Aug 2003 / 15:06 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Aug 2003 / 13:57 Uhr

Roger Federer redet über den Trubel in den USA und darüber, was sich seit seinem Wimbledonsieg verändert hat. Am kommenden Montag startet er ins nächste Grand-Slam Abenteuer, dem US-Open.

Roger Federer: Nur wenige Spieler wissen, wie man ein Grand-Slam Turnier gewinnt.
Roger Federer: Nur wenige Spieler wissen, wie man ein Grand-Slam Turnier gewinnt.
Vor knapp eineinhalb Monaten schaffte Roger Federer mit dem Wimbledon-Sieg den Sprung in die tennissportliche Unsterblichkeit. Am kommenden Montag geht er nun als Mitfavorit ins US Open, das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres.

Nachdem er in Montreal den Halbfinal erreicht hatte und zuletzt in Cincinnati in Runde 2 ausgeschieden war, gönnte sich Federer in Ohio ein paar freie Tage mit einigen Einheiten auf dem Golfplatz und resite am Samstag nach New York.

Ab Mittwoch nimmt er mit Coach Peter Lundgren das Training wieder auf.

Roger Federer, seit Ihrem Wimbledonsieg sind sechs Wochen vergangen. Wie lange hat es gedauert, bis Sie alles verarbeitet hatten?

Roger Federer: "Bis ich nach Gstaad, den Ferien und einigen Tagen mit Pierre Paganini in Biel das nächste Mal auf dem Trainingsplatz war. Da hatte ich schon mit vielen Leuten gesprochen, viele Interviews gegeben und einige Spiele auf Video gesehen. Da habe ich dann schon realisiert, was ich erreicht hatte."

Wie haben Sie den ganzen Hype um Ihre Person erlebt und wurde es Ihnen nie zuviel?

Federer: "Es wäre sicher anders gewesen, wenn ich in der Woche nach Wimbledon kein Turnier gespielt hätte. So war es aber perfekt für die Presse, Gstaad und alle, es war alles super organisiert von der Turnierleitung und von Mirka. Wenn ich mich irgendwo versteckt hätte, wäre es ganz anders gewesen, vielleicht schöner für mich, aber nicht für alle anderen. Und es war mir ja auch recht, dass die Leute Fragen an mich hatten."

Haben Sie einzelne Reaktionen oder Schlagzeilen besonders gefreut oder war es mehr das Gesamterlebnis?

Federer: "Ganz klar das Gesamterlebnis. Manchmal habe ich mich schon gefragt, was ich überhaupt noch Neues erzählen kann. Alle wollten überallhin mitkommen, alle wollten Fotos machen, es war richtig tagebuchmässig. Aber ab Donnerstag und je länger ich im Turnier war, haben mich die Leute dann mehr in Ruhe gelassen."

Nach Wimbledon haben Sie gesagt, es beginne für Sie keine neue Karriere, obwohl Sie nun den Schritt vom Star zum Superstar vollzogen haben. Sind Sie immer noch dieser Ansicht?

Federer: "Auf jeden Fall. Es ist immer noch die genau gleiche Karriere, ich habe einfach einen weiteren Schritt vorwärts gemacht. Der Wimbledon-Sieg war genau so ein Meilenstein wie der Erfolg gegen Pete Sampras (Wimbledon 2001, Red.) oder der Sieg in Hamburg gegen Safin (Mai 2002, erster Masters-Series-Titel, Red.). Die Motivation ändert sich einfach jedesmal, jetzt ist sie riesig, die Nummer 1 zu werden, so wie früher beim ersten ATP-Punkt, beim Sprung in die Top 100, Top 50 oder Top 10. Erst wenn ich die Nummer 1 werde, muss ich mir neue Ziele überlegen. Aber ich bin es noch nicht, also muss ich mir die Frage auch noch nicht stellen."

Haben sich seit dem Sieg viele neue potenzielle Sponsoren gemeldet?

Federer: "Wir haben schon gewisse Anfragen bekommen, sind aber noch nicht genau darauf eingegangen. Bislang fehlte uns noch die Zeit, denn wir sind ja auch mit dem In-House-Management noch im Anfangsstadium und das brauchte ebenfalls einigen Aufwand. Nach dem US Open werden wir die Interessenten aber kontaktieren."

Marc Rossets Olympiasieg 1992 hatte einen ziemlichen Boom in der Schweiz ausgelöst. Hoffen Sie nun auf einen Federer-Boom?

Federer: "Ein Federer-Boom wäre schön, wichtiger wäre mir aber ein Tennisboom oder sogar ein allgemeiner Sportboom, denn ich bin ein Aushängeschild nicht nur für Tennis, sondern für den ganzen Schweizer Sport. Ich hoffe, dass sich da etwas bewegt. Die Reaktionen nach Wimbledon waren unglaublich, und wir haben die Chancen, dass ich zweimal pro Jahr in der Schweiz in Gstaad und Basel spiele und wir jetzt im Daviscup-Halbfinal stehen. Das sollten wir ausnützen, denn wir wollen auch eine starke Daviscup-Mannschaft in zehn, zwanzig oder dreissig Jahren und da bin ich mitverantwortlich. Was können wir genau machen? Das braucht einiges Brainstorming und ich mache mir auch meine Gedanken. Ich bin auch bereit, für den Schweizer Sport Zeit zu investieren."

Zurück in die Zukunft: Sie mussten sich nun wieder neue Ziele setzen. Da sind sicher die Nummer 1 und das US Open sehr wichtig, oder?

Vieles läuft ja über das Selbstvertrauen, das bei Ihnen logischerweise nun sehr gross ist. Sind Sie nun ein besserer Spieler als vor Wimbledon?

Federer: "Puh, schwer zu beantworten. Der Unterschied zwischen gewinnen und verlieren ist nicht sehr gross, ein 7:6 im Entscheidungssatz da, ein 7:6 dort. Manchmal gewinnt man Tiebreaks und enge Matches, und dann gewinnt man auf einmal plötzlich einen Grand Slam. Man lernt mehr dazu und umso mehr enge Matches man spielt, desto wohler fühlt man sich in solchen Situationen. Rückblickend muss ich sagen, war es für mich sehr wichtig, dass ich mich zuerst auf kleinere Turniere konzentriert habe. Dort konnte ich in den Halbfinals und Finals so etwas wie Grand-Slam-Atmosphäre schnuppern und das hat mir dann geholfen, in Wimbledon in den wichtigen Partien besser zu spielen. Ein Vorteil für mich ist sicher auch, dass ich jetzt weiss, wie man einen Grand-Slam-Titel gewinnt. Das können nicht viele andere Spieler von sich sagen."

Werden Sie also auch in Zukunft eher ein Turnier mehr als eines weniger spielen?

Federer: "Da muss man auch aufpassen, nicht zu viel zu spielen. Tendenziell spiele ich eher weniger Turniere, da ich weiter komme als früher. Zumindest war dies in den letzten Monaten so. Wichtig ist auch, den konditionellen Teil nicht zu vernachlässigen und das müssen Pierre, Peter und ich gemeinsam einplanen. Der Kalender ist so gespickt, das kann zu Problemen führen, indem man plötzlich nur noch von einem Turnier zum anderen rennt."

Wie ist nun Ihre eigene Erwartungshaltung? Verspüren Sie mehr oder weniger Druck vor einem Grand-Slam-Turnier als vorher?

Federer: "Der Druck ist immer noch gleich, ich erwarte sehr viel von mir selber. Deshalb lege ich so viel Wert auf eine optimale Vorbereitung, damit ich mir in diesem Bereich nichts vorwerfen muss. Dann ist es wichtig, die ersten beiden Runden zu überstehen, weiter schaue ich am Anfang nicht, das würde mich nur verwirren. Vielleicht ist der Druck von den Medien jetzt grösser, aber für mich geringer, denn ich habe allen bewiesen, dass ich ein Grand-Slam-Turnier gewinnen kann. Von daher bin ich schon sehr, sehr beruhigt."

Ausser, falls Sie nicht hundertprozentig fit sind, werden Sie in Zukunft bei allen Grand Slams auf allen Belägen zum engsten Favoritenkreis zählen, vielleicht zusammen mit Andre Agassi und, falls er in allen Bereichen fit ist, Marat Safin. Wen sehen Sie noch als Hauptkonkurrenten?

Federer: "Juan Carlos Ferrero hat mich in Wimbledon überrascht. Er hat, ohne vorher ein Rasenturnier zu spielen, die Achtelfinals erreicht und gute Leute bezwungen. Dann hat nun auch Andy Roddick X-mal bewiesen, dass er auf jedem Boden stark spielen kann. In Nordamerika ist er der stärkste Roddick des Jahres, das macht ihn zu einem heissen Favoriten für das US Open. Bei Safin muss man schauen, wie er zurückkommt, aber Lleyton Hewitt und Agassi stellen auf jedem Boden eine Riesengefahr dar. Bei Hewitt ist wichtig, dass der Kopf mitspielt und für die Gegner ist es einmal schön zu sehen, dass er jetzt erstmals Schwächen zeigt."

Und dann gibt es noch David Nalbandian, den Sie offenbar einfach nicht schlagen können. Woran liegts?

Federer: "Ich habe ihn zwar noch nie bezwungen, aber auch noch nie klar verloren. Es braucht nicht viel mehr gegen ihn, aber wir müssen analysieren, was jeweils falsch läuft oder wieso andere gegen ihn einfacher zum Sieg kommen."

(Mit Roger Federer sprach Marco Keller/Si)

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