Tennis: Mediale Schwärmereien nach Federers Triumph
publiziert: Montag, 5. Jul 2004 / 16:18 Uhr

Roger Federers zweiter Triumph in Wimbledon lässt auch die Schweizer und englischen Tenniskommentatoren schwärmen. Die Schlagzeilen in der Schweiz reichen von einer "unglaublichen Erfolgsgeschichte" über "King Roger zum Zweiten" bis hin zu "Im Tennishimmel". In England wird Federer mit Harry Potter, Zorro oder Rembrandt verglichen.

'Le seigneur de Wimbledon' ist 'simply the best'.
'Le seigneur de Wimbledon' ist 'simply the best'.
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Für "Le Temps" ist Federer nach seinem neuerlichen Erfolg in London schlicht "Le seigneur de Wimbledon", und "Le Matin" lobt "Simply the best". In den drei grossen Deutschschweizer Tageszeitungen wird neben den spielerischen Qualitäten vor allem Federers Verhalten neben dem Platz gerühmt.

"Die Ruhe und Geduld, mit denen er seinen Pflichten nachkommt, immer wieder die gleichen Fragen intelligent und mehrsprachig beanwortet, sich den Fans stellt und Autogramme verteilt, sind bemerkenswert", schreibt der "Tages-Anzeiger" in seinem Kommentar auf der Titelseite. "Ein Vorbild, das über die Sportwelt hinausreicht." Ähnlich lobt auch die "Neue Zürcher Zeitung" die grosse Reife des erst 22-Jährigen: "Seit dem Sonntag ist Federer ein vielleicht noch überragenderer Leader einer weltweit verbreiteten Top-Sportart, eine in einem gesunden Umfeld unprätentios gebliebene Persönlichkeit, die sich von den inzwischen elf Millionen Dollar an Preisgeld und den zusätzlichen Werbemillionen nicht hat verbiegen lassen."

Weitere Pressestimmen aus der Schweiz

Der Bund: "Mission Titelverteidigung erfüllt. [...] Roger Federer hat den Realitätssinn bewahrt, er geniesst jeden Erfolg, als wäre es der erste -- Tennisfans sollten das auch tun."

Mittelland Zeitung: "Der Kopf, die Beine, das Händchen: Da stimmte alles. Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte."

Basler Zeitung: "Der Wimbledon-Champion steigt noch eine Stufe höher."

Südostschweiz: "Im Tennishimmel"

Berner Zeitung: "Federer wird fast unheimlich. Ein echtes Juwel."

20 Minuten: "King Roger zum Zweiten"

St. Galler Tagblatt: "Federers furioser Zweitling. Ein Reifezeugnis seines Talents."

Tages-Anzeiger: "Mehr als ein Sieger."

Neue Zürcher Zeitung: "Die Spielkultur des Titelhalters im Final stärker als die Brachialgewalt von Roddick."

Blick: "Als die Sonne kam, taute Federer auf. Federer jetzt auf den Spuren von Sampras."

The Times: "Er war verwundbar. Es lief nicht alles so, wie er sich dies vorstellte, aber zuletzt blieb die Normalität gewahrt, als Roger Federer mit dem Pokal zum zweiten Mal hintereinander über den Centre Court schritt. Das Endspiel wogte hin und her, aber am Schluss wurden alle Zweifel durch ein Ass mit 124 Meilen pro Stunde ausgeräumt. Der Champion wurde dann als Novum zum Haupteingang des All England Clubs geführt, wo er die Huldigungen der Masse entgegen nahm, die vorher einen Tag erlebt hatten mit grauen Wolken, Nieselregen, noch mehr Nieselregen und zuletzt einer kurzen Phase von glänzendem Sonnenlicht, von der Roddick, der heroische Amerikaner, geblendet wurde. (...) Dieses Turnier einmal zu gewinnen ist magisch, wiederzukommen und das Gold noch einmal zu berühren, verdoppelt die Leistung des Spielers, des Champions und des Mannes. (...) Im Vorjahr waren es Tränen der Ekstase, diesmal Tränen der Erleichterung, weil er die Partie mehr dank einer Willensleistung gewann als mit perfektem Tennis, obwohl es genug zu sehen gab, dass alle zufrieden stellte, ob sie nun Schweizer, Amerikaner oder neutral waren."

The Daily Telegraph: "Kunst gegen Aggressivität 1:0. Wir können jetzt die Sportwelt durchforsten nach jemandem, dessen Fähigkeiten mit denen von Roger Federer verglichen werden können. Vielleicht gehört noch Zinédine Zidane in das gleiche kleine Pantheon wie der neue Hausherr von Wimbledon. Damit erschöpft sich aber die Suche nach vergleichbarem Talent. In Federers Hand ist der Tennisschläger wie ein Pinsel. Dieses Resultat soll ewig Bestand haben. Die Anmut setzte sich auf dem Centre Court gegen das wilde Bombardement durch."

The Independent: "Wir hätten es wissen sollen: Harry Potter setzt sich am Ende immer gegen Lord Voldemort durch. Es ist zwar nicht ganz fair, Andy Roddick mit dem Prinzen der Dunkelheit aus JK Rowlings Romanen zu vergleichen. (...) Aber Roddick ist, wie Voldemort, ein Meister der dunklen Künste, was im Tennisjargon bedeutet, Asse ins gegnerische Feld zu hämmern und die Gegner in die Unterdrückung zu zwingen. Roger Federer verlässt sich, wie der junge Potter, eher auf pure Zauberkünste. Während dem durch einen Regenunterbruch gestörten ersten Satz schien er seinen Zauberstab verlegt zu haben. (...) Der letzte Spieler, der hier ohne Satzverlust gewann, war Björn Borg 1976. Federer hat ganz klar das Spiel, um Wimbledon so zu dominieren, wie es Borg tat, oder sogar um der grossartigste Spieler zu werden, den Tennis je gesehen hat. (...) Wenn Federer das Racket so gut schwingt wie er kann, dann ist er wie Zorro mit dem Schwert oder Rembrandt mit einem Pinsel."

(bert/Si)

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