Tennis: Weitere kleine Schritte auf dem Weg zum Titel
publiziert: Montag, 12. Apr 2004 / 12:48 Uhr

Viele Leute werden dem 2:3 gegen Frankreich als grosse verpasste Chance auf dem Weg zum möglichen ersten Davis-Cup-Sieg nachtrauern. Vordergründig gesehen mag dies stimmen, aber realistisch ist die Schweiz trotz der Weltnummer 1 noch zu weit von einem grossen Triumph weg. Noch, weil Lausanne trotz allem gute Ansätze brachte.

Roger Federer konnte den Sieg alleine nicht bewerkstelligen.
Roger Federer konnte den Sieg alleine nicht bewerkstelligen.
Ein Blick auf die Davis-Cup-Siegerliste seit 1980 verdeutlicht, dass man die "hässlichste Salatschüssel der Welt" praktisch nicht im Alleingang gewinnen kann. In dieser Zeitspanne haben nur fünf Spieler (John McEnroe, Pat Cash, Boris Becker, Michael Stich und Pete Sampras) im Endspiel zweieinhalb von drei benötigten Punkten geholt, das heisst, ihre beiden Einzel und das Doppel gewonnen.

Was diesen Koryphäen jeweils in einer finalen Partie gelang, muss Roger Federer derzeit mehrmals pro Jahr gelingen, wenn die Schweiz überhaupt eine Partie unter den besten 16 Nationen gewinnen will. In den letzten vier Jahren wurde er im Einzel je einmal von George Bastl und Michel Kratochvil punktemässig unterstützt, an allen anderen Punkten war er selber beteiligt. Er ist das wohl beeindruckendste ambitionierte "Einmann-Team der Neuzeit."

Dabei tut Federer alles, um dies nicht zu sein. Eine grosse Entourage ist für ihn in diesen Tagen der Abwechslung gegenüber dem Einzeltrott wichtig, er selber ist sich für keine Aufgabe zu schade und hat ein Ego, das manchem Fussball-Mitläufer gut anstehen würde. Und auf dem Platz tut er durch seine Siege alles, um den Druck von seinen Mitspielern zu entfernen. Das ist aber (noch) nicht gelungen. Anstatt zu locker, treten seine Kollegen oft verkrampft auf, was sich dann kontraproduktiv auf ihr Spiel auswirkt. Federer glaubt, dass sie sich selber durch diese resultatmässige Diskrepanz noch mehr unter Druck setzen, konzediert aber immerhin, dass man auf dem Weg sei, dieser Problematik langsam Herr zu werden.

Der Superstar erträgt diese für ihn unbefriedigende Situation, die ihm nun schon vier Jahre in Serie konkrete Siegeschancen raubte, mit einer alles andere als selbstverständlichen Engelsgeduld und klaglos. Er dürfte aber an diesem Wochenende trotz des enttäuschenden Ausgangs weitere Zeichen gesehen haben, die zur Zuversicht Anlass geben.

-- Das Publikum reagierte nach dreijährigem Spiel im Exil mit einer gewaltigen Euphorie auf den Leader und Konsorten. Im Nachhinein ist wohl klar, dass man auch in einer doppelt so grossen Halle vor ausverkauftem Haus gespielt hätte. Auch so wird aber ein Reingewinn von etwa einer halben Million Franken erwartet, am dem der Verband und die Spieler je hälftig partizipieren. Vor der nächsten Auslosung dürfte man bei Swiss Tennis einige Stossgebete zu den Tennisgöttern schicken, um weitere Heimspiele zu erhalten.

-- Falls Michel Kratochvil auf diesem Weg weitermacht, Realismus zeigt und von Verletzungen verschont bleibt, kann er durchaus wieder eine valable Nummer 2 werden. Konkurrenz dürfte er erhalten von Stanislas Wawrinka, der die zweite Nicht-Nomination nach verständlicher Enttäuschung gut wegsteckte und möglicherweise von Leuten wie Marco Chiudinelli, Jean-Claude Scherrer, Michael Lammer, Stéphane Bohli oder Roman Valent.

-- Yves Allegro ist nicht nur der Teamplayer schlechthin, er kann durchaus auch auf dem Platz im Doppel mehr als noch recht mithalten. Vor einem Jahr war dies noch undenkbar gewesen.

-- Marc Rosset ist zwar der Poker mit der Nomination von Ivo Heuberger voll misslungen, er blüht aber als Captain auf und findet die richtigen Worte, um seine Spieler zu motivieren. Diese Rolle dürfte ihm auch helfen, den Ablösungsprozess vom Spieler Rosset zu vollziehen. Mit seiner "Selbst-Nichtselektion" gegen seine Copains dürfte auch seine glorreiche Davis-Cup-Aktivkarriere zu Ende gegangen sein.

Alles kleine Punkte nur, die aber dazu beitragen könnten, das Mosaik zu vervollständigen. Und Federer dürfte vorerst geduldig bleiben, denn erstens liebt er diesen Wettbewerb über alles und zweitens hat er sich genau mit derselben Politik der kleinen Schritte einst der Weltspitze angenähert. Und dann ging plötzlich alles schnell...

(von Marco Keller/Si)

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