Terrorberichte: Polizei bindet britischer Presse die Hände
publiziert: Montag, 9. Jul 2007 / 23:48 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 10. Jul 2007 / 07:55 Uhr

London - Im Zuge der vereitelten Bombenattacken haben sich britische Medien über die strengen Beschränkungen bei der Berichterstattung von laufenden Polizeiermittlungen beklagt. Die Regeln in Grossbritannien gehören zu den strengsten in den demokratischen Industrieländern, berichtet die New York Times.

Haben es schwer bei Ermittlungen gegen Terror-Verdächtige: Britische Journalisten.
Haben es schwer bei Ermittlungen gegen Terror-Verdächtige: Britische Journalisten.
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Demnach hätte das Bild eines der mutmasslichen Drahtzieher der geplanten Anschläge auf London, Mohammed Asha, in den Zeitungen gar nicht veröffentlicht werden dürfen.

Die strengen Vorschriften sollen faire Gerichtsverfahren garantieren, indem Geschworene nicht mit nachteiligen Informationen gefüttert werden. Laut Medienanwälten gibt es noch einen weiteren Grund, warum die Behörden Fotos von Verdächtigen in den Medien verhindern wollen.

Die gehäufte Veröffentlichung der Bilder von Männern nahöstlicher Herkunft könnte den Rassismus gegen britische Muslime anheizen.

Geteilte Meinungen

Vergangenen Montag sendete Scotland Yard eine E-Mail an alle Redaktionen aus mit der Forderung, Bilder von den Verdächtigen nicht zu veröffentlichen. Die Reaktionen der Medien waren gemischt.

Während die Boulevardblätter The Sun und The Mirror Fotos mit dem vollen Namen von Mohammed Asha auf der Titelseite abdruckten, gaben sich The Times und The Guardian die Mühe, die Person auf den Fotos unkenntlich zu machen.

In den Online-Ausgaben der Süddeutschen Zeitung und der Welt wurde Ashas Foto normal veröffentlich. «Es liegt im Ermessen der Redaktionen darüber zu entscheiden.

Namensabkürzungen

In der Regel sollte der Name abgekürzt werden, denn ein Verdächtiger ist eben nur ein Verdächtiger», sagt Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV).

Gesetzlich dürfen Medien nur den Namen, das Alter sowie die vorliegende Anklage einer beschuldigten Person veröffentlichen. Im aktuellen Fall veröffentlichte die Polizei nicht einmal die Namen der Verdächtigen, so dass die Journalisten die Namen auf eigene Faust herausfinden mussten.

Das Vorenthalten neuer Informationen bringt die Gefahr mit sich, dass sich die Spekulationen der Journalisten als falsch erweisen und damit den Ruf unschuldiger Personen schädigen, wie es im vergangenen Sommer bei den Berichten über eine geplanten Flugzeuganschlag bereits geschehen ist.

Detailsuche wichtig

«Es ist wichtig, dass die Medien nach Details angeblicher Anschläge suchen und sich nicht blind auf fade, offizielle Stellungnahmen verlassen, so als ob man in einer Art Polizeistaat wäre», schreibt Steve Dyson, Herausgeber von The Birmingham Mail, auf der Meinungsseite des Guardian. Eine weitere Kritik an den strengen Bestimmungen bezieht sich auf die immer stärker werdende Rolle des Bürgerjournalismus.

Schwierige Argumentation

Im Internet tauchen viele ungefilterte Informationen und Behauptungen über beliebte Themen wie den Terrorismus auf. Ausserdem können Handy-Fotos und -Videos, die von Passanten gemacht werden, leicht ins Internet gestellt werden.

Anwälte betonen, dass es dadurch immer schwieriger zu argumentieren sei, warum ein Medium solche Bilder nicht veröffentlichen dürfe. Auch das Argument, die Geschworenen vor Voreingenommenheit zu schützen, sei in Zeiten des Internets absurd, meint etwa der Londoner Medienanwalt Richard Parkes.

(tri/sda)

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