Terrorgefahr jetzt auch auf der «Insel der Seligen»?
publiziert: Freitag, 14. Sep 2007 / 10:25 Uhr

Wien - Die Schlagzeilen der Wiener Tageszeitungen haben die Leser geschockt. «Terroralarm - El Kaida in Wien!», titelte am Donnerstag der «Kurier». Auch die «Salzburger Nachrichten» warnten: «Drohungen gegen Österreich - Islamisten in Wien verhaftet».

Die OPEC befindet sich in Wien - ein mögliches Anschlagsziel, wie 1975?
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Jahrelang galt Österreich, was die internationale Terrorgefahr betrifft, als «Insel der Seligen». «Wir stehen nicht im Fadenkreuz der Extremisten», erklärten Verfassungsschützer noch 2004. Doch die Festnahme von drei Islamisten am Mittwoch in Wien hat die Diskussion nun voll entfacht.

Anschläge in den 70er und 80er Jahren

Schon in den 70er und 80er Jahren war das Land vom internationalen Terrorismus schwer getroffen worden. Im September 1973 nahmen zwei Terroristen nach mehreren Vorwarnungen am Grenzkontrollamt Marchegg fünf jüdische Einwanderer und einen Zöllner als Geiseln.

Sie wollten die Schliessung eines Auffanglagers für jüdische Emigranten aus Osteuropa zu erzwingen. Der damalige Kanzler Bruno Kreisky gab der Forderung - sehr zur Empörung Israels - nach. Kreisky wurde vorgeworfen, dem Terror nachzugeben, um Gewalt von Österreich künftig fernzuhalten.

Carlos-Terror in der OPEC

Zwei Jahre später überfiel der «Welt-Terrorist» Carlos das Gebäude der OPEC in Wien und nahm 70 Geiseln, darunter fast alle Ölminister. Einer von ihnen wurde getötet. Die österreichische Regierung liess Carlos mit Geiseln abreisen.

Daraufhin wurde Wien vorgeworfen, sich bewusst mit dem Terror arrangiert zu haben, um weitere Attentate zu verhindern. Weitere Anschläge folgten, darunter zwei auf die jüdische Synagoge. 1985 schleuderte ein PLO-Kommando am Flughafen Wien-Schwechat vier Handgranaten auf Reisende der israelischen Airline El Al und tötete zwei Menschen.

Ungeachtet dieser Anschläge fühlten sich die Österreicher in den folgenden Jahren sicher. Doch Terrorexperten meinten vor allem nach dem 11. September, Österreich sei sehr wohl ein Magnet für Terroristen, da diese hier weitgehend unbeobachtet operieren könnten.

«Keine Traumwelt» warnte US-Experte 2003

«Die Terroristen benutzen Wien für Logistik, Kommunikation und als Basis. Sie könnten zuschlagen, wo es niemand erwartet. Sie können nicht genug auf der Hut sein», warnte der US-amerikanische Terrorismus-Experte Yonah Alexander bereits 2003.

«Sie haben die OPEC in Wien. Sie haben US-Interessen wie die amerikanische Botschaft. (...) Sie können nicht in einer Traumwelt leben!», warnte er. Doch die mahnenden Worte wurden zunächst nicht allzu ernst genommen.

Empörung löste aus, als die damalige konservative Innenministerin Liese Prokop 2005 eine Untersuchung ihres Ministeriums zitierte, wonach 45 Prozent aller in Österreich lebenden knapp 400'000 Muslime «nicht integrationswillig» seien.

Nur ein Prozent Risiko

Vertreter der islamischen Gemeinschaft in Österreich betonten nach den Festnahmen vom Mittwoch, dass die ganz grosse Mehrheit der Muslime in Österreich demokratisch gesinnt sei. Nach einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universität Wien distanzieren sich 99 Prozent aller jungen Muslime von der Gewalt.

Doch bereits am Donnerstag forderten vor allem die rechtsgerichteten Parteien verschärfte Massnahmen gegen Muslime. So verlangte etwa das rechte «Bündnis Zukunft Österreich» sofort die Einrichtung einer «SOKO Islam».

(Christian Fürst/dpa)

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