Karl Wüst: Quelle,sfd
Theater: Zürcher Festspiele 2003 eröffnet
publiziert: Montag, 23. Jun 2003 / 08:44 Uhr

Zürich - So wuchtig körperbetont sind die Zürcher Festspiele noch nie eröffnet worden: Mit viel Elan und einem überaus fitten Ensemble hat Stephan Müller am Freitag im Theater an der Sihl Elfriede Jelineks "Sportstück" inszeniert.

Bild: Einar Schleef-Inszenierung des "Sportstücks" von Jelinek aus dem Jahre 1998.
Bild: Einar Schleef-Inszenierung des "Sportstücks" von Jelinek aus dem Jahre 1998.
SOMMERGUIDE-INFOBOX

Zürcher Festspiele

8008 Zürich
Schweiz
Standort
zuercher-festspiele.ch
Mit ihrem Monsterstück hat die Jelinek den Zeitgeist getroffen: Sport ist zum Massenphänomen geworden.

Ob es allerdings eine direkte Verbindung zwischen Sport und Krieg, Gewalt, Faschismus gebe, ob die körperliche Ertüchtigung mit ihren modernen Auswüchsen (Doping, Vergötterung der Helden) tatsächlich ursächlich zur Entmenschlichung der Welt beitrage, ob diese Zuspitzung also ernst zu nehmen sei, scheidet die Geister.

Gelungene Entschlackung

Sechs Stunden dauerte 1998 Einar Schleefs Wiener Uraufführung. Stephan Müller, von 1993 bis 1998 Ko-Intendant am Theater Neumarkt in Zürich, hat das Stück auf knapp zwei Stunden gekürzt und damit entschlackt.

Die Zähne hat es dabei nicht verloren, im Gegenteil. In der Konzentration hat es gewonnen: an Witz, an satirischer Schärfe und vor allem an der Stärke der Bilder.

Der Raum ist eine Turnhalle mit Betonwänden, ausstaffiert nur mit einem metallenen Möbel - es ist Tisch, Liege und Turngerät zugleich - und mit aufgereihten Sesseln und Sofas (Bühne: Alexander Stierli).

Darin kommt es in Begleitung wummernder Bässe zu Schweiss treibenden Airobics-Ekstasen (Choreographie: Graham Smith), dass einem die Lust auf Sport gänzlich abhanden kommt.

Held Arnold

Schwangere und ehrgeizige Mütter kämpfen bevormundend um die Liebe verlorener Söhne. Andi heissen sie, arme Bauernbuben sind sie, zugrunde gerichtet von Anabolika und ihrem Ehrgeiz, so zu werden wie Arnold Schwarzenegger.

Und dann taucht die Jelinek selbst auf: die Dichterin mit braunem Perret und Zöpfen, die in dieser kulturlosen Gesellschaft nichts zu suchen hat.

Sie wird gekillt von einer Meute jugendlicher Rambos, deren Blutrausch in eine Orgie von Vergewaltigungen mündet. Sind das die Auswüchse des Sports? Man kann nur hoffen, dass sich Jelineks Stück als Hirngespinst erweist, dass sich ihr Hass auf die Männer dominierte Kriegsgesellschaft ein falsches Ventil geschaffen hat.

Kein "Sportstück" ohne Sport

Wie auch immer: Müllers Inszenierung ist ein Bravour-Stück. Er nutzt den Raum in seiner ganzen Grösse und bringt so ständig Abwechslung ins Spiel. Die Inhalte der zum Teil ellenlangen Monologe treten hinter die starken visuellen Eindrücke zurück (was nicht schadet, die Reden wären ohnehin nicht zu begreifen).

Und vor allem hat Müller die 30 Schauspielschülerinnen und -schüler des Theaters an der Sihl und die drei Mitglieder des Schauspielhaus-Ensembles zu einem vorzüglich agierenden Trupp zusammengeschweisst. Ohne ausserordentliche sportliche Leistungen ist das "Sportstück" nicht zu meistern, das ist die Ironie der Stück-Geschichte.

Zarte "Rosamunde"

Ganz und gar unsportlich, dafür zart und schwebend leicht ging es am Samstag in der Gessnerallee zu und her. Auch hier stand ein Jelinek-Stück auf dem Festspiel-Programm: "Rosamunde", das dritte der Prinzessinnendramen, an denen die österreichische Dichterin unter dem Sammeltitel "Der Tod und das Mädchen" noch immer arbeitet. Uraufgeführt wurde es letzten Oktober in Hamburg.

Unter der Regie von Ruedi Häusermann kreierten Isabelle Menke und fünf Musikerinnen und Musiker (Violine, Viola, Violoncello und Percussion) eine Tonkulisse aus geflüsterten Worten, flirrenden, vibrierenden Klängen und harmonischen Melodien.

Dann holte Menke zu einem Monolog aus. Auch er mehr Musik als Text. "Was ist Liebe?", fragt die gekränkte Rosamunde. "Liebe ist ein Knabentraum."

(bsk/)

?
Facebook
SMS
SMS
Leona Lewis gibt mit 'Cats' ihr Broadway-Debüt.
Leona Lewis gibt mit 'Cats' ihr Broadway-Debüt.
Grosse Ehre  Sängerin Leona Lewis (31) versucht sich jetzt als Musicalstar: Am New Yorker 'Broadway' wird sie in 'Cats' zu sehen sein. 
35 Jahre CATS «CATS», das Erfolgsmusical zieht weltweit die Zuschauer in ihren Bann. Heute feiert es ein Jubiläum.
«Dieser Plan ist zwar hart, aber notwendig, um in drei Jahren die Krise zu bewältigen.«
Arena von Verona  Verona - Ein drakonischer Sanierungsplan zur Rettung der schwer verschuldeten Arena von ...  
Titel Forum Teaser
  • jorian aus Dulliken 1752
    SRG: Eishockey & und der ESC Wer am Leutschenbach nicht gehorcht, muss den ESC oder die Eishockey WM ... Fr, 13.05.16 05:44
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3937
    Die... Entscheidung von A. Merkel ist völlig richtig: -Sie ist juristisch ... So, 17.04.16 14:13
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3937
    Komiker... Böhmermann wird vermurlich, damit die Türkei-Deal-Marionetten in Berlin ... Di, 12.04.16 13:37
  • Bogoljubow aus Zug 349
    Sind Sie sicher dass es nicht Erdowann oder gar Erdowahn heisst? So, 03.04.16 10:47
  • HeinrichFrei aus Zürich 431
    Zürich: von «Dada» zu «Gaga» Die «Dada» Veranstaltungen in Zürich zeigen, dass «Dada» heute eher zu ... Mo, 15.02.16 22:51
  • Midas aus Dubai 3810
    Finde den Unterschied Ah ja, wieder der böse Kapitalismus. Wie gesagt, haben Sie ein besseres ... Mo, 01.02.16 02:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1760
    Schöner kann man's nicht erklären «Es handelt sich hier um ausserordentlich sensible Figuren. Da ist zum ... So, 31.01.16 16:48
  • Pacino aus Brittnau 723
    Stimmt . . . Als Selbstständiger ist Polo definitiv auf jeden Franken angewiesen. Es ... Do, 21.01.16 17:26
art-tv.ch Gotthard. Ab durch den Berg Das Forum Schweizer Geschichte in Schwyz zeigt die Tunnelbauten ...
Felix Steinbild
news.ch hört sich jede Woche für Sie die interessantesten neuen CDs an und stellt sie Ihnen hier ausführlich vor.


Online hören

Play
PlayerEQ
Mit Flash Player hören
Mit dem eigenen Player hören

Jetzt läuft

timer

Letzte 10 Titel

timer
 
Wettbewerb
   
Die Alp Grosser Mittelberg im Justistal.
Viel Glück  Die Alpsaison steht vor der Tür. Damit Wanderfreunde den Weg zu den schönsten Alpbeizli finden, haben wir ein Gewinnspiel parat.
Mitmachen und gewinnen.  Rechtzeitig zur Premiere von «The First Avenger: Civil War» verlosen wir zwei Fan-Pakete mit jeweils zwei Kinoeintritten.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter gewitterhaft
Basel 13°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Gewitter möglich
St. Gallen 14°C 23°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Bern 13°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Luzern 14°C 25°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewitterhaft
Genf 12°C 26°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Gewitter möglich
Lugano 16°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Gewitter möglich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten