Thomas Helbling zu den Ausschreitungen in Basel
publiziert: Montag, 15. Mai 2006 / 20:32 Uhr / aktualisiert: Montag, 15. Mai 2006 / 22:53 Uhr

«Mit dem Hooligangesetz wären einige nicht im Stadion gewesen», sagt Thomas Helbling, der Präsident der Sicherheits- und Fan-Kommission der Swiss Football League (SFL).

Die Klubs müssten sich noch intensiver um die ´guten Fans´ kümmern, sagt Helbling.
Die Klubs müssten sich noch intensiver um die ´guten Fans´ kümmern, sagt Helbling.
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Er hat die schlimmen Szenen im St.-Jakob-Park am Samstagabend im Stadion gesehen. Am Tag danach sprach Helbling über mögliche Konsequenzen für den FCB, über die Hoffnung auf das Hooligangesetz sowie über die geringen Möglichkeiten, welche die SFL hat, ins Sicherheitsdispositiv der Vereine einzugreifen.

Thomas Helbling, einmal mehr ist es in Basel zu Ausschreitungen gekommen, weil die Fans auf das Spielfeld dringen konnten. Was geht Ihnen dabei durch den Kopf?

Helbling: «Was geschehen ist, ist sehr gravierend. Aber wir dürfen daraus nicht ein Basler Problem machen. Es gibt keinen Super-League-Verein ohne gewalttätige Fans. Das Problem ist nicht die Tatsache, dass die Fans auf den Rasen dringen können, sondern dass ein Teil der Fans mit einer unglaublichen Gewaltbereitschaft ins Stadion kommt.»

Der Teil der Gewaltbereiten ist in Basel offenkundig grösser als anderswo in der Schweiz. Welchen Konsequenzen seitens der Swiss Football League muss der FCB entgegensehen?

Helbling: «Es wird ein Disziplinarverfahren geben. Aber fragen Sie mich jetzt nicht, wie das Urteil ausfallen wird. In der Vergangenheit musste Sion einmal ein Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen, weil eine Petarde einen Gegenspieler getroffen hatte. Die Muttenzer Kurve wurde einmal bei einem Basler Heimspiel gesperrt, nachdem es dort zu Ausschreitungen gekommen war. Ich hoffe, dass es nicht eine Frage von Monaten sondern von Wochen ist, bis das Urteil verkündet werden kann.»

Disziplinarverfahren beschäftigen sich jeweils mit Ereignissen aus der Vergangenheit. Gibt es für die Swiss Football League auch Möglichkeiten, präventiv einzugreifen?

Helbling: «Wir können von einem Verein nicht fordern, beispielsweise Zäune aufzustellen, wenn die Reglemente dies nicht vorsehen. Und die Reglemente werden von den 28 Vereinen der Swiss Football League aufgestellt. Wir können allenfalls Strafen aussprechen, die so hart sind, dass sie die Vereine disziplinieren und die Klubs von sich aus reagieren. Deshalb heissen sie ja auch Disziplinarstrafen.»

Am 1. Januar 2007 tritt das kontrovers diskutierte Hooligangesetz in Kraft, sofern nicht das Referendum ergriffen wird. Ist es realistisch, dass dieses Gesetz zu einer Verbesserung führt?

Helbling: «Sicher ist, dass mit dem Hooligangesetz einige der Gewalttäter nicht ins Stadion gekommen wären. Heute ist es so, dass Fans trotz Stadionverbot relativ einfach ins Stadion kommen. Mit einer Sonnenbrille oder mit einer Mütze kann man sich leicht unkenntlich machen. Mit dem Hooligangesetz und der Datenbank ist Datenaustausch möglich, es wird einfacher sein, die Gewalttäter zu identifizieren. Und die Massnahmen, die uns dann zur Verfügung stehen (Rayonverbot, Meldepflicht, Polizeigewahrsam), greifen nicht nur im Stadion.»

Ironischerweise hat es nun die schwersten Ausschreitungen im Schweizer Klub-Fussball in Basel gegeben. Im Umfeld des Vereins, der als letzter in der Schweiz ein Fan-Projekt unterhält?

Helbling: «Die Erfolgschancen der Fan-Projekte sind zu relativieren. Die Fan-Projekte richten sich nämlich an Leute, die gewillt sind, sich im Stadion gesittet zu verhalten. Die anderen lassen sich dagegen bei der Fanbetreuung kaum ansprechen. Die Gewaltbereiten sind den Vereinen meistens ja nicht einmal bekannt. In dieser Thematik sind aber auch die ´guten Fans´ ein Problem. Sie sind in der Mehrheit und unternehmen trotzdem nichts gegen die Gewalttäter. Das heisst nichts anderes, als dass sie sich mit ihnen stillschweigend solidarisieren. Deshalb fordere ich die Klubs auf, dass sie sich noch intensiver um die ´guten Fans´ kümmern. Die Vereine setzen ihre finanziellen Mittel in der Fanbetreuung zum grossen Teil für die ´schlechten Fans´ ein.»

(ht/Si)

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