Tiefe Sorgenfalten bei Cablecom
publiziert: Dienstag, 3. Jun 2003 / 08:25 Uhr

Der Schweizer Kabel-Provider könnte bald unter der Last von 3,8 Milliarden Franken an Krediten zusammenzubrechen. Als letzte Hoffnung bleibt eine Umverteilung des Schuldenberges.

Auch das Telefonieprojekt der Cablecom zeigte nicht die gewünschte Wirkung.
Auch das Telefonieprojekt der Cablecom zeigte nicht die gewünschte Wirkung.
Schon bald könnten viele Haushalte ohne Fernsehanschluss dastehen und viele Internetsurfer ohne Hispeed Zugang.

Nach Informationen des der SonntagsZeitung ringt das Unternehmen mit Gläubigerbanken aus aller Welt um eine Umschuldung des Schuldenberges. Am Montag ist die Schonfrist für die Rückzahlung der Kredite abgelaufen.

Experten schätzen die Situation kritisch ein. Es sei nicht wahrscheinlich, dass Cablecom die Milliarden zur Entschuldung aufbringen könne.

Es liege durchaus im Bereich des Möglichen, dass im Sommer die Fernseher der rund 1,5 Millionen Cablecom-Abonnenten schwarz bleiben. Auch der Highspeed-Internet-Zugang über das Fernsehkabel müsste ad acta gelegt werden.

Die SonntagsZeitung zitiert Jeffrey A. Brodsky, Chef der Cablecom-Eignerin NTL Europe, mit den Worten: "Cablecom und zwei ihrer Tochterfirmen sind nach Schweizer Recht überschuldet."

Brodsky habe desweiteren gegenüber der US-Börsenaufsicht eingeräumt, dass die Revisionsfirma Ernst & Young die Cablecom-Verantwortlichen in aller Schärfe gewarnt habe, was deren Pflichten aus der Überschuldung der Cablecom seien: "Wenn kein einvernehmliches Übereinkommen über eine umfassende finanzielle Restrukturierung der Cablecom erzielt oder eine Verschiebung der Fälligkeit oder andere Massnahmen getroffen werden, die die Überschuldung beseitigen, dann wäre der Verwaltungsrat verpflichtet, ein Schweizer Gericht anzurufen und die Bilanzen der Cablecom und ihrer Tochterfirmen sofort zu deponieren, was ein Insolvenzverfahren auslöst."

Was nun aus Cablecom wird, ist ungewiss. Die 39 Gläubigerbanken, die der Cablecom vor drei Jahren einen Betrag von insgesamt 4,1 Milliarden Franken liehen, streiten am kommenden Wochenende in Londen über die nur schwer durchschaubaren Details einer der grössten Umschuldungsaktionen in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte.

(bsk/teltarif.ch)

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