Wissenschaftler empört
Tierversuchsgegner in der Kritik
publiziert: Montag, 25. Jan 2016 / 15:34 Uhr / aktualisiert: Montag, 25. Jan 2016 / 17:10 Uhr
Wissenschaftler halten Versuche mit Rhesusaffen für absolut notwendig.
Wissenschaftler halten Versuche mit Rhesusaffen für absolut notwendig.

Zürich - Der Verein Forschung für Leben (FfL) übt scharfe Kritik an drei Mitgliedern der Tierversuchskommission, die den Entscheid des Zürcher Regierungsrates zum Affenversuch an das Verwaltungsgericht weitergezogen haben. Das Vorgehen sei verantwortungslos.

2 Meldungen im Zusammenhang
Der Regierungsrat hatte im Dezember den Tierversuch mit Rhesusaffen am Institut für Neuroinformatik (INI) der ETH und der Universität Zürich befürwortet. Dass dieser Entscheid nun an das Verwaltungsgericht weitergezogen werde, sei zu erwarten gewesen, aber deshalb nicht minder verantwortungslos, schreibt der Verein FfL in einer Mitteilung vom Montag.

Das INI und der verantwortliche Forscher würden damit bei der biomedizinischen Forschung auf Monate hinaus behindert. Die Verzögerung koste enorm viel Geld und löse das Dilemma nicht, in dem sich die Forschung mit Primaten befinde.

Im Gegenteil: Der FfL befürchtet, dass wegen des «massiven Drucks von Tierversuchsgegnern» ein guter Teil oder die gesamte Forschung mit und an Affen ins Ausland verlegt werde. Damit würde der Forschungsstandort Schweiz an Bedeutung verlieren.

Versuche «absolut notwendig»

«Durch ihre Sturheit», so FfL in seiner Mitteilung, «retten die Tierschützer keinen einzigen Affen, da diese Versuche, die für das medizinische Verständnis von neurologischen Vorgängen im Gehirn absolut notwendig sind, dann einfach von Forschern in andern Ländern durchgeführt werden.» Und dort seien die Tiere weit weniger geschützt und kontrolliert als in der Schweiz.

Versuche mit «nichtmenschlichen Primaten» hätten in der Vergangenheit dazu beigetragen, das Leben von Hunderttausenden von Menschen zu retten. Die Liste der medizinischen Erfolge mit Affenversuchen sei lang. Dazu gehörten etwa Impfungen gegen Kinderlähmung, Masern und Diphterie, die antivirale Therapie bei HIV oder Immunsuppression nach Organtransplantationen, um Abstossungen zu verhindern.

Im Rahmen des Tierversuchs am INI wollen Forscher bei Rhesusaffen die Aktivität von Nervenzellen messen und so Erkenntnisse zur Funktionsweise des präfrontalen Cortex gewinnen. Das ist jener Gehirnteil, der dem Menschen viele seiner kognitiven Fähigkeiten erlaubt.

Eine neu entwickelte Methode soll die komplexen Nervennetze im präfrontalen Cortex aufschlüsseln. Die Forscher versprechen sich davon wegweisende Ansätze für die künftige Behandlung von psychischen Erkrankungen.

Schon früher umstritten

2009 hatte das Bundesgericht nach einem mehrjährigen Rechtsverfahren einen Tierversuch mit Primaten an der Universität Zürich untersagt. Ausschlaggebend war die schwere Belastung, die den Tieren im Versuch hätte zugefügt werden sollen.

Geplant war die Implantation von Elektroden ins Gehirn sowie eine Kopfhalterung am Schädel, die zur Fixierung der Affen im so genannten «Primatenstuhl» dienen sollte.

Beim geplanten Versuch mit Rhesusaffen sei die Belastung der Tiere geringer als bei früheren Experimenten, begründete der Regierungsrat seine Zustimmung. Den Tieren würden keine übermässigen Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt.

(arc/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) zeigt sich äusserst beunruhigt über den gestern veröffentlichten Entscheid des ... mehr lesen
Das Leiden der Tiere würde erheblich sein.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Francesco Schettino: Weil er das Schiff ...
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht in Florenz bestätigte damit das Urteil aus erster Instanz. mehr lesen 
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, ... mehr lesen 3
Reaktionäre Kräfte schliessen sich für das Referendum zusammen, mit dabei auch EDU-Präsident Hans Moser.
Schweizer Sprayer  Wien - Mit einem Urteil von zehn Monaten unbedingte Haft ist am Wiener ... mehr lesen
Der Sprayer bestritt, das Fahrrad geklaut zu haben.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 8°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Basel 10°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 10°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 8°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 11°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 9°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 14°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten